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Kultur

Kino zum Lesen: Kastelau

Der Schweizer Charles Lewinsky erzählt in seinem Roman "Kastelau" von einem der letzten in Nazi-Deutschland gedrehten Filme. Ein Buch über Schein und Sein, über falsche Lebensläufe und erfundene Identitäten.

In einem verschneiten Skiort namens Kastelau in der Nähe Berchtesgadens trifft sich ein Häuflein mehr oder weniger bekannter deutscher Filmgrößen: berühmte Schauspieler und Kleindarsteller, ein Drehbuchautor und Film-Techniker. Während fernab der Alpen Nazi-Deutschland in den letzten Zügen liegt, und die Alliierten dem Hitlerstaat den Garaus machen, versucht das Filmteam mit stark dezimiertem Personal zu arbeiten - der Bus mit dem anderen Teil der Filmcrew wurde auf der Fahrt von Berlin nach Bayern zerbombt.

In Kastelau aber dreht man einen Film - oder tut zumindest so. Manchmal liegt noch nicht einmal eine Filmspule in der Kamera. Wichtig ist es den Beteiligten vor allem, dass es den Anschein hat, dass hier gearbeitet wird. Warum das so ist, wird schnell klar. So unterschiedlich die einzelnen Charaktere am Set sind, so eint sie doch eines: Hauptsache weit weg von Berlin, wo alles in die Brüche geht. In dem abgelegenen Alpen-Ort hofft man das Kriegsende ohne Schaden zu überstehen. Und da ist es gut, wenn man wegen eines "wichtigen Filmprojekts" nicht an die Front abkommandiert wird.

Erzählung in Fragmenten

Charles Lewinsky erzählt seine Geschichte mit vielen Brüchen und Spiegelungen. Der Leser des Buches erfährt vom Geschehen aus hinterlassenen Tagebüchern und Notizen, aus aufgezeichneten Interviews und sogar Wikipedia-Einträgen. Dass alles nur Fiktion ist, bekommt man zwar relativ schnell heraus, es schadet der Geschichte jedoch nicht.

Lewinsky geht es darum aufzuzeigen, wie früh schon die Mitglieder der Filmcrew wissen, dass nach dem verlorenen Krieg andere Gesetze herrschen und andere das Sagen haben. Dass man sich also möglichst schnell und geräuschlos anzupassen hat. Die, die dabei am geschicktesten sind, machen später glanzvolle Karrieren in Hollywood.

Auf der Longlist des Deutschen Buchpreises

"Kastelau" schaffte es auf die Longlist für den Deutschen Buchpreis. Es ist ein Roman über die Sucht nach Ruhm und dem Opportunismus von Künstlern. Ein Buch über die Anpassung bis zur Selbstverleugnung.

Charles Lewinsky: Kastelau, Verlag Nagel & Kimche, Zürich 2014, 398 Seiten, ISBN 978-3-312-00630-4.

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