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Filme

Kino zum Lesen: Coppolas Godfather-Trilogie

Der Mythos Mafia fasziniert bis heute und füllte Jahrzehnte die Kinos. Francis Ford Coppolas Film "Der Pate" war der Höhepunkt dieser Entwicklung. Nun entschlüsseln Filmwissenschaftler die Erfolgsgeschichte des Genres.

Buchcover des Bandes Mythos DER PATE: Francis Ford Coppolas GODFATHER-Trilogie und der Gangsterfilm (Bertz + Fischer Verlag)

Einem Don geht die Familie über alles. Er bietet ihr Schutz und erwartet Gehorsam, Rückhalt in der unbarmherzigen Welt des Verbrechens. Doch Machtgier und Misstrauen zerfressen den Clan und machen Freunde zu Feinden. Wo zu viele Finger im Spiel sind, kommt es unweigerlich zu Konflikten - die nicht selten blutig enden.

Die Godfather-Story dürfte bekannt sein, was sich im Dunstkreis ihrer Produktion tat, wohl weniger. Um Coppolas Epos ranken sich viele Gerüchte. Roman und Filme seien aus Geldnot entstanden, der Autor Mario Puzo habe Spielschulden bezahlen und Coppola für nächste Projekte Geld sammeln wollen. Was auch immer an den Gerüchten dran ist - beiden ist ein vielschichtiges Meisterwerk gelungen. Wie komplex das Epos wirklich ist, verdeutlicht das Filmbuch "Mythos Der Pate". Es ergründet beispielsweise detailliert, wie die allgemeine Verfassung der Gesellschaft des 20. Jahrhunderts im Film verarbeitet wurde.

"Ein Mann von Ehre"

Szene aus der Pate, Teil 1 (Foto: picture alliance)

Marlon Brando regelt die Nachfolge - Al Pacino übernimmt

Das Amerika der 1970er Jahre wird erschüttert von Wirtschaftskrise, Watergate und Krieg. Als das Vertrauen in die Regierung zerbricht und alle Sicherheiten schwinden, schafft Coppola die Figur eines Protektors. Don Vito Corleone ist ein Mann von Ehre und sorgt selbst für Recht und Ordnung. Er ist die Lichtgestalt für jene, die sich schon lange nicht mehr auf Hilfe von Oben verlassen. In einem Klima der Angst wächst die Notwendigkeit der Selbstverteidigung - wenn nötig mit Waffengewalt. "Mythos Der Pate" verdeutlicht, wie eng (Film-)Geschichte und Gesellschaft zusammenhängen können.

Am filmischen Image der Mafia haben sich viele gestört. Puzo und Coppola sind Italoamerikaner. Für sie kam die Mafiosi einfach zu gut weg. Sie ärgerte, dass einfühlsam meist nur mit der Mafia umgegangen wurde. Die Brutalität und die kriminellen Methoden der verbrecherischen Verbindung würden verklärt und verharmlost - so Puzo und Coppola. Andererseits hatte die italienisch-stämmige amerikanische Minderheit schon vorher mit den Vorurteilen der Gesellschaft zu kämpfen. Durch den Film sahen sie die Gefahr, dass diese noch verstärkt würden.

Reale Bedrohung

Die Mafia ist ein aktuelles und sensibles Thema sowohl in der Politik als auch im Alltag vieler Betroffener in den Einflussgebieten. Die Autoren des Bandes bemühen sich daher um eine Trennung von Fakten und Fiktion, was die Geschichte und die Figuren im Film anbelangt.

Szene aus dem ersten Teil des paten (Foto: picture alliance)

Eine Familie, die zusammenhält...

Bei der Erschaffung seiner Hauptfiguren konnte Coppola sich durch viele reale Persönlichkeiten aus dem schmutzigen Geschäft inspirieren lassen. Ein gut durchleuchtetes Geschäfts- und Familienleben führte etwa der Mafiaboss Simone Rizzo DeCavalcante, der zur New Jersey Mafia gehörte. Über eine von verdeckten Ermittlern installierte Abhöranlage bekam das FBI Anfang der 1960er Jahre die einmalige Gelegenheit sowohl seinen geschäftlichen, als auch den familiären Alltag auszuspionieren. Solche spektakulären Aktionen bildeten jedoch die Ausnahme - andere Quellen sind unsicher oder bereits mit dem dunstigen Mythos verwoben. Diese und andere Anekdoten aus der Entstehungsgeschichte des Paten hält der Band ebenso bereit, wie präzise Analysen und Portraits der Filmfiguren und -schaffenden.

So dürfte der Blick hinter die Kulissen sowohl für Filmkenner als auch für Laien sehr aufschlussreich und unterhaltsam sein. Einzelne Kapitel schildern die Entwicklung von den Anfängen und frühe Beispiele des Gangsterfilmgenres bis hin zu den filmischen Nachfolgern des Paten, geschaffen von Regisseuren wie Martin Scorsese oder Brian de Palma. Den Abschluss bildet ein Ausflug in die aktuelle Unterhaltungsindustrie: Der Softwarehersteller 'EA Games' brachte 2006 das Videospiel zum Paten auf den Markt, in dem sich der Spieler einmal selbst im Machtkampf mit den anderen Clans versuchen kann. Coppola verweigerte damals eine Beteiligung an der Produktion. Welche Gründe er hatte, lässt sich nun ebenfalls nachlesen.

Norbert Grob, Bernd Kiefer, Ivo Ritzer (Hg.): Mythos der Pate. Francis Ford Coppolas Godfather-Trilogie und der Gangsterfilm, Deep Focus 10, Bertz + Fischer Verlag 2011, 208 Seiten, 19,90 Euro, ISBN 978-3-86505-311-4.

Autorin: Clara-Maria Hanses

Redaktion: Jochen Kürten

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