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Bildung

Kinderbibliothek in 13 Sprachen

Interkulturelle Bibliotheken sollen Zuwanderern helfen, sich in Deutschland zurechtzufinden. In Duisburg gibt es besonders für Kinder ein großes Angebot an mehrsprachigen Medien, die aber nicht nur die Kleinen nutzen.

Stolz trägt der siebenjährige Nebi seine Beute zum Verbuchungstresen. Ein deutsches Buch über Schiffe und ein türkisches über die Abenteuer des anatolischen Jungen Keloglan. "Der ist lustig“, sagt Nebi. "Und der hat gar keine Haare." Vater Hüseyin Coktas lacht. "Das stimmt." Der kahlköpfige Keloglan war schon der Held seiner eigenen Kindheit.

Hüseyin Coktas kommt jeden Samstag mit seinen beiden Kindern in die Stadtbibliothek. Wie so viele Menschen in Duisburg stammt die Familie aus der Türkei. Hüseyin Coktas ist es wichtig, dass seine Kinder die Unterschiede zwischen den beiden Kulturen verstehen. Dazu gehören auch CDs mit türkischen Kinderliedern, und wenn sie sich Filme wie "Fluch der Karibik" ausleihen, sehen sie sich die oft in türkischer Sprache an.

In Duisburg leben viele Zuwanderer

Ein Junge liest vor Bücherregalen (Foto: DW/Andrea Groß)

Beim Schmökern vergessen die jungen Besucher alles um sich herum ...

Mit der interkulturellen Bibliothek will die Stadt Duisburg Zuwanderern helfen, sich in der deutschen Informations- und Wissensgesellschaft zurechtzufinden. Aber nicht nur Kinder oder deren Eltern leihen sich die mehrsprachigen Medien aus. Erzieherinnen, die in ihren Kindergartengruppen viele Zuwandererkinder haben, nutzen die Bestände der Bibliothek zur frühkindlichen Bildung, beispielsweise um den Kindern den Unterschied zwischen dem christlichen Osterfest und dem muslimischen Zuckerfest zu erklären. Auch Schulen leihen in der Fremdsprachenabteilung Bücher aus. Klassiker wie "Der kleine Prinz" auf Französisch sind in Klassenstärke vorhanden.

Duisburg ist eine stark industriell geprägte Stadt. Seit den 1960er Jahren haben die Kohle- und Stahlunternehmen viele Arbeitskräfte aus Süd- und Osteuropa und aus der Türkei angeworben. Etwa ein Drittel der knapp 500.000 Einwohner der Stadt hat einen Migrationshintergrund. Seit 1974 schickt die Stadtbibliothek einen umgebauten Linienbus mit fremdsprachigen Medien auf Tour durch die Stadtteile. Die Internationale Kinderbibliothek ist allerdings erst 2011 eingerichtet worden.

Mehrsprachiges Programm für jedermann

Yilmaz Holtz-Ersahin ist Lektor dieser Abteilung, die rund 2000 Medien umfasst. Der Renner im Moment ist arabische Kinderliteratur. "Davon würde ich gerne noch mehr kaufen", sagt Holtz-Ersahin, "allerdings gibt es in diesem Bereich nicht so viele zweisprachige Bücher, und bei den anderen muss man sehr aufpassen, welchen Inhalt die haben." Gerne würde Yilmaz Holtz-Ersahin auch Bücher in albanischer und rumänischer Sprache anschaffen. Die Zahl der Familien, die aus diesen Ländern einwandern, wächst.

Lektor Yilmaz Holtz-Ersahin mit Pippi Langstrumpf auf Arabisch (Foto: DW/Andrea Groß)

Lektor Yilmaz Holtz-Ersahin mit einer arabischen Ausgabe des Kinderbuchklassikers "Pippi Langstrumpf"

Die Kinder können aber nicht nur Bücher, Filme und CDs ausleihen, die Bibliothek bietet auch jeden Monat ein Programm an zweisprachigen Vorlesestunden und Theateraufführungen. "Das ist natürlich in erster Linie für die türkischen, griechischen oder französischen Kinder und ihre Eltern", sagt Yilmaz Holtz-Ersahin. "Aber ganz oft bleiben auch andere, ältere Bibliotheksbesucher stehen, weil sie die Sprache interessiert und sie die Geschichten hören wollen."

Menschen unterschiedlicher Kulturen zusammen zu bringen - das liegt dem Leiter der internationalen Abteilung der Stadtbibliothek am meisten am Herzen. Das gelingt ihm so gut, dass die UNESCO die Duisburger Stadtbibliothek in ihr Kaleidoskop zum Schutz und zur Förderung kultureller Vielfalt aufgenommen hat. In diesem Kaleidoskop sind besonders vorbildliche Projekte aus verschiedenen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens in verschiedenen Ländern versammelt. Und das macht die Duisburger Stadtbibliothek zu etwas Besonderem in Deutschland.

Bessere Schulnoten

Auf einem Sofa zwischen den Bücheregalen hat es sich die zehnjährige Charlotte mit zwei Freundinnen bequem gemacht. "Mein Vater hat mir einmal so ein Vampirbuch auf Englisch mitgebracht“, sagt sie. Seitdem stöbert sie regelmäßig durch die englischen Kinderbücher in der Stadtbibliothek. Das wirkt sich auch positiv auf ihre Schulnoten aus. Und die elfjährige Laura ergänzt: "Ich habe ja auch schon Latein. Und ich gucke nach einem lateinischen Buch, weil meine Noten nicht so gut sind, und wenn ich eines finde, dann werden sie besser."

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