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Welt

Kinder des Vergessens

Als die Panzer über den Platz des Himmlischen Friedens rollten, konnten sie noch kaum laufen oder waren noch gar nicht geboren. Nun kommen sie selbst in das Alter der Studenten von damals. Acht junge Chinesen über sich.

Liu Weiqiong, 20, Studentin, Peking

Generation 89

Träume: Ich möchte mein eigenes Unternehmen führen, und zwar ohne ausländische Beteiligung.

Taten: Ich studiere Informationsmanagement. An der Uni habe ich mich für die Aids-Aufklärung engagiert. Letztes Jahr war ich als freiwillige Helferin im Erdbebengebiet von Sichuan. Ich lerne derzeit für die Aufnahmeprüfung an der Uni in Singapur. Dort will ich meinen Master machen.

Familie: Meine Eltern unterstützen mich noch, aber mein Masterstudium sollen sie nicht bezahlen. Sie sind jetzt alt und brauchen bald selbst die Unterstützung der Kinder. Außerdem bin ich schon zwanzig. Wenn man schon so alt ist und dann nochmal Geld von den Eltern verlangt, dann ist das nicht gut fürs eigene Ansehen.

Vorbilder: An der Uni gibt es einen Studenten, der Geige spielt. Er ist mit Herz und Seele dabei. Dabei macht er das nur zum Spaß. Das bewundere ich. Ich wünsche mir, dass ich später den Mut habe, mein eigenes Unternehmen zu gründen und mich mit Herz und Seele in meine Arbeit stürzen kann.

Samstags: Ich sehe mir gerne Trickfilme an und lese gerne Romane. Am Wochenende gehe ich ausserdem mit Freunden aus oder ins Kino. In den ersten Jahren an der Uni habe ich das viel öfter gemacht, jetzt weniger, denn ich muss viel lernen.

Geld: Geld ist wichtig. Würdest Du etwa ohne Geld arbeiten wollen?

China: Ich finde, Wachstum und Entwicklung sind das Wesentliche. Die Partei hat es geschafft, die Entwicklung anzukurbeln. Darauf kommt es an. Mag sein, dass die Partei diktatorisch ist oder korrupt, aber das ist okay. Schau Dir doch Amerika an. Die USA sind keine Diktatur und nicht korrupt. Aber jetzt haben sie die Wirtschaftskrise.

Der 4. Juni 1989: Die Studenten waren damals sehr mutig. Wenn ich in der damaligen Situation gewesen wäre, hätte ich vermutlich auch teilgenommen. Heute würde es zu derartigen Demonstrationen gar nicht kommen. Viele Studenten denken so wie ich – die Entwicklungen der letzten 20 Jahre haben viele Zweifel ausgeräumt. Wenn sie damals die Regierung gestürzt hätten, hätten wir dann die gleiche erstaunliche wirtschaftliche Entwicklung erlebt? Ich bezweifele das. Das hätte nur Chaos gegeben.

Demokratie: Wenn man an fast 1,5 Milliarden Leute Stimmzettel verteilen muss, würde das nur Unruhe und Chaos verursachen. Das wäre ein grosses Hemmnis für die wirtschaftliche Entwicklung. Es ist besser das Geld für die Entwicklung oder für die Katastropenhilfe auszugeben statt für Wahlen.

Aufgezeichnet von Ruth Kirchner / Redaktion: Mathias Bölinger