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Aktuell Asien

Kim Jong Uns Tante packt aus

Ob sie einst die Wäsche ihres bekannten Neffen wusch? Fest steht: Selbst die Tante von Diktator Kim Jong Un hielt es in Nordkorea nicht aus. Tante Ko floh zum kapitalistischen Erzfeid – und betreibt dort eine Reinigung.

Symbolbild Kim Jong Un

Eine weiße Weste hat er nicht - dafür ein strahlend weißes Hemd: Diktator Kim Jong Un

Dreckige Wäsche wusch die heute 60-Jährige bislang nur in ihrer Reinigung – nicht in Bezug auf ihre Familienangehörigen. Doch jetzt packte Kim Jong Uns Tante Ko der "Washington Post" gegenüber aus: Nach einem Bericht der Zeitung lief Ko Jong Suk über, als sie sich wegen der Betreuung ihres Neffen und anderer Familienmitglieder in Bern in der Schweiz aufhielt. Kim Jong Un ging dort Ende der 90er Jahre zur Schule. 1998 floh die Schwester der inzwischen verstorbenen Mutter des Diktators demnach in die dortige US-Botschaft und erhielt schließlich politisches Asyl in den USA. Über die Flucht der Tante in die USA hatte 2013 bereits eine südkoreanische Zeitung berichtet.

Dort lebt sie nun mit ihrer Familie unter falschem Namen und betreibt eine chemische Reinigung. Sie und ihr Mann Ri Gang haben drei Kinder.

Damals noch süß: Kleiner Kim schlief mit Basketball ein

Ko gab auch Details aus dem sonst so abgeschotteten Privatleben des heutigen Machthabers preis. Demnach wurde Kim 1984 geboren, was bislang nicht als gesichert galt. Seit seinem achten Geburtstag habe er gewusst, dass er einmal die Führung des Landes übernehmen werde, sagte Ko. Damals habe er eine Generaluniform geschenkt bekommen und die oberste Militärriege des Landes habe begonnen, sich vor ihm zu verbeugen.

Als Schüler sei Kim oft "aufbrausend" gewesen und habe die Schule vernachlässigt. "Wenn ihn seine Mutter gebeten hat, nicht mehr mit seinen Spielsachen zu spielen und stattdessen etwas zu lernen, hat er nicht widersprochen. Er protestierte auf andere Weise, etwa, indem er in den Hungerstreik trat", so die Tante.

Ko hat unter anderem einen Sohn, der genauso alt ist wie Kim. "Er und mein Sohn waren von Geburt an Spielkameraden", erzählte sie. "Ich habe ihnen beiden die Windel gewechselt." Kims größtes Interesse sei Basketball gewesen. "Er war besessen", sagte seine Tante. Er sei sogar mit seinem Basketball ins Bett gegangen.

Familie mit Geheimnissen

In den USA bauten sich Ko und ihre Familie laut der "Washington Post" mit finanzieller Hilfe des US-Geheimdienstes CIA ein neues Leben auf. Noch immer arbeitet die Familie mit dem Dienst zusammen, Geheimnisse über Nordkorea könne sie aber nicht preisgeben. "Sie dachten, wir müssten etwas wissen, aber wir wussten gar nichts", sagte Ko. "Wir haben nur auf die Kinder aufgepasst."

Sie könne sich vorstellen, eines Tages nach Nordkorea zurückzugehen und zwischen dem Regime und ausländischen Mächten zu vermitteln. "Ich verstehe die USA, und ich verstehe Nordkorea", sagte sie der Zeitung.

chr/SC (epd, afp)