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Afrika

Kenia will mobil lernen

Zwei Drittel aller Länder weltweit verfehlen ihre Bildungsziele, tadelt die UNESCO. In Afrika soll digitales Lernen aus der Krise helfen. Wie genau - darüber sind sich in Kenia App-Entwickler und Politiker uneinig.

In der Schule lief nicht alles glatt für Tonee Ndungu. "Ich war ein kreativer Typ", erinnert sich der 35-Jährige Kenianer, "aber wenn man nach Noten urteilt, war ich nicht besonders clever. Ich war einer der schlechtesten Schüler meiner Klasse". Es falle ihm nicht schwer sich auszudrücken, sagten Lehrer. Doch was er las, das konnte er sich einfach nicht merken. Irgendwann fand Ndungu heraus, dass er Legastheniker ist. Auf diese Lese- und Rechtschreibschwäche hatte das kenianische Bildungssystem keine Antwort. Ndungu musste sich selbst helfen: Er las sich Bücher laut vor und nahm sie auf Kassetten auf. Das war aufwändig, doch mit diesem Lerntrick schaffte er seinen Schulabschluss und auch ein Studium.

Digitale Bücher für alle

Tonee Ndungu (Foto: Kytabu)

Kytabu-Erfinder Tonee Ndungu

Heute ist Ndungu selbstständiger Unternehmer in der IT-Branche und hat ein Programm erfunden, das Schülern das Lernen leichter machen soll. Es heißt

Kytabu

, abgeleitet vom Swahili-Wort für Buch. Und genau darum geht es: Die Software macht Schulbücher in digitaler Form zugänglich - und das zu geringen Kosten. Denn Schüler müssen die Bücher nicht mehr kaufen, sondern können sie in kleinen Häppchen leihen.

"Das macht sie sehr viel bezahlbarer", verspricht Ndungu. Statt 500 kenianische Shilling (rund fünf Euro) für das ganze Buch zahlen die Nutzer zum Teil nur Centbeträge. Auch bei der Hardware bietet Kytabu Alternativen: Ein Tablet kann in Raten finanziert werden: täglich 20 Shilling über ein Jahr. Es gibt aber auch die Möglichkeit, einen USB-Stick mit der Software zu erwerben. Oder eine Tastatur, die die Nutzer an jeden Fernsehbildschirm anschließen können. Kostenpunkt: Rund 25 US-Dollar.

Aber auch Audio-Lehrbücher und Lernplattformen gehören zum Sortiment. "In der Schule haben wir gelernt, dass Zusammenarbeit Betrug ist", sagt Ndungu. Dabei sei doch genau das Gegenteil der Fall: "Das meiste, was heute entsteht, wird doch von Teams entwickelt!"

Digitales Lernen: Die Lösung?

Kytabu App (Foto: Kytabu)

Die Kytabu-App macht Bücher günstig zugänglich

Wie sich moderne Kommunikationstechnologien in der Bildung einsetzen lassen, versuchen Menschen weltweit herauszufinden. In Afrika werden Initiativen wie Kytabu bei der jährlichen eLearning-Konferenz diskutiert. Ins Leben gerufen hat sie Rebecca Stromeyer. Die Firmengründerin hat sich auf Kommunikationsarbeit und die Organisation von Konferenzen und Ausstellungen im Bildungsbereich spezialisiert. Sie rechnet damit, dass gerade Apps für Mobiltelefone ein großes Potenzial haben. "Weil viele Afrikaner keinen Festnetz-Zugang haben, entwickelt sich die Mobilbranche rasant", sagt Stromeyer im DW-Gespräch. Über Handys könne man in allen möglichen Alltagssituatioen lernen, informeller als im Unterricht. "Um Geld zu sparen, kommunizieren viele Afrikaner per Textnachricht. Damit sie das können, sind sie ja auch gezwungen, Lesen und Schreiben zu lernen."

International versuchen Initiativen wie die US-amerikanische

One Laptop per Child-Initiative

moderne Technologien bereitzustellen, um Kinder aus der Armut zu holen. Bei aller Euphorie für die Möglichkeiten des Internets und mobiler Geräte bleibt Stromeyer aber zurückhaltend. Ob es ein "Bildungserlebnis von A bis Z" auf Mobiltelefonen geben könne, sei fragwürdig. Die kleinen Handybildschirme seien nur eines der Probleme. Oft fehle auch eine gute Anleitung.

Kinder in Ruanda mit einem Laptop der Initiative One Laptop per Child (Foto: Anne Le Touzé/DW)

Kinder in Ruanda mit einem Laptop der Initiative "One Laptop per Child"

Überzeugen durch Qualität

Einen Laptop pro Schulkind versprach auch Kenias Präsident Uhuru Kenyatta in seiner Wahlkampfkampagne Anfang 2013. 300 Millionen US-Dollar wollte er sich das kosten lassen. Passiert ist seitdem wenig. Das Versprechen stößt in der Umsetzung immer wieder auf Probleme: Etwa, dass Unternehmer die benötigten Computer nicht zum Regierungspreis von je 100 Dollar anbieten. "Man kann Schülern nicht einfach Laptops zur Verfügung stellen und sagen: Die sind fürs Lernen", sagt Stromeyer. "Es müssen auch Lehrer trainiert werden. Und wie geht man damit um, wenn Eltern die Laptops verkaufen, weil sie das Geld brauchen?"

Auch Tonee Ndungu sieht die Regierungspläne kritisch. "Die Regierung ist nicht gut darin, Projekte umzusetzen", sagt er. "Innovation, Marketing und Wirtschaftsstrategien hätten sie den Fachleuten überlassen sollen." Ohnehin seien nicht Laptops die Zukunft, sondern die handlicheren Tablet-Computer. Mit Kytabu will er durch Qualität überzeugen - und durch die Finanzierbarkeit.

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