1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Keine Handys mehr von Siemens

Siemens zieht sich aus dem Handymarkt zurück. Das taiwanesische Unternehmen BenQ übernimmt die Mobilfunksparte. Durch die Übernahme will BenQ unter die vier größten Handy-Hersteller weltweit vorrücken.

default

1,5 Millionen Euro Verlust am Tag - das war der Konzernführung zu viel


Das Geschäft solle im Verlauf des vierten Quartals des laufenden Geschäftsjahres 2005 abgewickelt werden, teilte Siemens am Dienstag (7.6.2005) mit. Das taiwanesische Unternehmen BenQ könne dann für die Dauer von fünf Jahren die entsprechenden Marken- und Namensrechte nutzen. Siemens werde sich im Zuge der Transaktion mit rund 2,5 Prozent an BenQ beteiligen. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt. Fest steht jedoch bereits, dass dieses Geschäft für Siemens zu einer finanziellen Belastung und nicht zu einem Sonder-Gewinn führt, denn aus dem Handel resultiert den Angaben zufolge eine Ergebnisbelastung vor Steuern von rund 350 Millionen Euro.

Deutlich an Boden verloren

"BenQ´s und Siemens` Mobiltelefongeschäfte ergänzen sich hervorragend hinsichtlich Technologie und regionaler Aufstellung", erklärte ein Sprecher von Siemens. Das Geschäft müsse allerdings noch von der BenQ-Hauptversammlung und den Kartellbehörden genehmigt werden.

Siemens Handy übernommen von BenQ

Siemens-Handys heißen bald BenQ

Siemens suchte seit Monaten nach einem Partner für seine Handy-Sparte, die dem Konzern zuletzt dreistellige Millionenverluste eingebracht hatte. Derzeit macht Siemens mit Handys rund 1,5 Millionen Euro Verlust am Tag. Durch den Preiskampf am Markt und interne Probleme wie etwa einer schweren Softwarepanne bei neuen Modellen im vergangenen Jahr hatte Siemens im Markt mit Mobiltelefonen zuletzt deutlich an Boden verloren. Der Marktanteil von Deutschlands größtem Elektronikkonzern am weltweiten Handygeschäft stürzte zuletzt auf rund 5,5 Prozent ab. Damit fiel Siemens auf Platz sechs hinter die Hersteller Nokia (Marktanteil etwa 30 Prozent), Motorola, Samsung, LG Electronics und Sony Ericsson zurück.

Umsatz verdoppeln

BenQ, noch unter anderem Namen im April 1984 entstanden, ist eine Abspaltung des Computerherstellers Acer. Die Taiwaner stellen neben Mobiltelefonen auch Flachbildschirme und Laptops her. Seine Mobiltelefone fertigt BenQ nur rund zu einem Drittel für den Vertrieb unter eigener Marke, die anderen Geräte sind Fremdproduktionen für andere Hersteller wie der Branchenführer Nokia.

Durch die Übernahme will BenQ unter die vier größten Handy-Hersteller weltweit vorrücken. "BenQs Mobiltelefon-Absatz wird 50 Millionen Stück überschreiten", teilte das Unternehmen in Taipeh mit. Den Umsatz will BenQ durch die Übernahme auf über zehn Milliarden Dollar mehr als verdoppeln.

Beschäftigte werden alle übernommen

Klaus Kleinfeld

Der neue Siemens-Chef Klaus Kleinfeld

Von dem Geschäft sind weltweit etwa 6000 Siemens-Mitarbeiter betroffen. In Deutschland stellt Siemens Handys in Kamp-Lintfort (Nordrhein-Westfalen) her. "Für uns war die Weiterführung des Standortes Kamp-Lintfort ein wichtiger Faktor bei der Entscheidung für einen Käufer", erklärte Siemens-Chef Klaus Kleinfeld. "Die Beschäftigten werden alle zu den bisherigen Konditionen übernommen", versicherte ein Siemens-Sprecher am Dienstag (7.6.2005). Auch der künftige Hauptsitz des Mobiltelefongeschäftes wird in Deutschland bleiben. Die weltweiten Geschicke werden weiter von München aus gesteuert. (mb)

Die Redaktion empfiehlt