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Amerika

Kein Vergewaltigungsprozess gegen Ex-IWF-Chef

Überraschende Wende im Fall Dominique Strauss-Kahn: Die Staatsanwaltschaft will die Anklage wegen mutmaßlicher Vergewaltigung fallen lassen. Der Grund sind Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Zeugin.

Dominique Strauss-Kahn (Foto; AP)

Dominique Strauss-Kahn bleibt ein Prozess vermutlich erspart

Das Verfahren gegen den früheren Chef des Internationalen Währungsfonds, Dominik Strauss-Kahn, wegen mutmaßlicher Vergewaltigung eines Zimmermädchens in einem New Yorker Hotel geht möglicherweise am Dienstag (23.08.2011) zu Ende. Die Staatsanwaltschaft beantragte am Montag, das Verfahren gegen den 62-jährigen Franzosen einzustellen. Sie hat offenbar das Vertrauen in die Glaubwürdigkeit ihrer Hauptbelastungszeugin, dem mutmaßlichen Opfer der Vergewaltigung, verloren.

Am Montag war die Hotelangestellte zusammen mit ihrem Anwalt, Kenneth Thompson, zu einer kurzen Unterredung beim Bezirksstaatsanwalt in Manhattan einbestellt. Anschließend verlas der Anwalt eine Erklärung, in der er das Vorgehen der Staatsanwaltschaft kritisierte: "Manhattans Bezirksstaatsanwalt Cyrus Vance hat einer Frau das Recht verwehrt, Gerechtigkeit in einem Vergewaltigungsfall zu erlangen", sagte er. Vance habe nicht nur einem unschuldigen Opfer den Rücken gekehrt, sondern auch forensische und andere Beweise ignoriert.

Zum Oralsex gezwungen

Polizei am Tatort (Foto: dpa)

In diesem Hotel soll die Vergewaltugung stattgefunden haben.

Die 32-jährige Frau hatte am 14. Mai Dominique Strauss-Kahn beschuldigt, sie an diesem Tag in seiner Suite des Sofitel-Hotels in New York zum Oralsex gezwungen zu haben. Der Franzose war anschließend in einer spektakulären Aktion kurz vor seinem Abflug nach Frankreich im Flugzeug verhaftet worden. Er wurde knapp eine Woche in Untersuchungshaft gehalten und dann in einer Wohnung in Manhattan unter Hausarrest gestellt.

Nachdem bereits im Juli erste Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Hauptbelastungszeugin aufkamen, wurde Strauss-Kahn unter Kaution aus dem Hausarrest entlassen. Er hatte die Vergewaltigungsvorwürfe stets zurück gewiesen, trat aber dennoch von seinem Amt als Chef des Internationalen Währungsfonds zurück.

In dem Schreiben der Staatsanwaltschaft, mit dem die Einstellung des Verfahrens beantragt wird, heißt es wieder, es bestünden begründete Zweifel, ob die Hotelangestellte die Wahrheit sage. Die Klägerin habe gegenüber den Ermittlern wiederholt falsche Angaben zu ihrem Leben, ihrer Vergangenheit und ihrem Verhalten nach dem Zusammentreffen mit Strauss-Kahn gemacht. Ihre Glaubwürdigkeit könne nicht einmal der einfachsten Überprüfung standhalten.

Letzter Gerichtstermin?

Martine Aubry (Foto: dpa)

Freude und Anteilnahme von der französischen Chef-Sozialistin Aubry

Auch wenn die Indizien durchaus dafür sprächen, dass Strauss-Kahn und das Zimmermädchen "nicht-einvernehmlichen" Sex hatten, empfehle die Staatsanwaltschaft dem Gericht, die Anklage in allen Punkten fallen zu lassen. Am Dienstag wird der zuständige Richter über die Einstellung des Verfahrens entscheiden. Dazu muss Strauss-Kahn noch einmal im Gericht erscheinen.

In einer ersten Reaktion äußerte sich die Vorsitzende der französischen Sozialisten, Martine Aubry, erleichtert über die voraussichtliche Verfahrenseinstellung: "Heute denke ich mit großem Mitgefühl an Dominique Strauss-Kahn und (seine Frau) Anne", man müsse aber noch die endgültige Entscheidung des Richters abwarten. Strauss-Kahn galt vor den Vorwürfen als heißer Kandidat der Sozialisten für die kommenden Präsidentschaftswahlen in Frankreich.

Autorin: Sabine Faber (dpa,afp,rtr,dapd)

Redaktion: Frank Wörner

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