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Nahost

Kein Ende der Angriffe in Sicht

Die israelische Regierung will ihre Offensive im Libanon ohne "zeitliches Limit" fortsetzen. Das habe Ministerpräsident Ehud Olmert während einer Sitzung des Sicherheitskabinetts am Mittwoch (19.07.) deutlich gemacht.

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Angriffe ohne "zeitliches Limit"

Das berichten Regierungskreise. Währenddessen wurden bei neuen Luftangriffen am Mittwoch mindestens 20 Menschen getötet und 20 Häuser zerstört. Etwa 500.000 Menschen befinden sich seit Beginn des Militäreinsatzes auf der Flucht, wie das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen und die Weltgesundheitsorganisation erklärten.

Luftangriffe wurden unter anderem aus den schon schwer verwüsteten südlichen Vororten von Beirut gemeldet, die zu den Hochburgen der schiitischen Hisbollah-Miliz zählen. Beschossen wurde erstmals auch ein von Christen bewohnter Vorort im Osten der Hauptstadt. Der Angriff richtete sich gegen eine auf einem Lastwagen befestigte Anlage zur Wasserförderung, die von den Truppen möglicherweise für eine Raketenabschussrampe gehalten wurde. Auf die israelische Stadt Haifa wurden nach Militärangaben mindestens acht Raketen aus dem Libanon abgefeuert. Verletzt wurde offenbar niemand. Dem Hisbollah-Sender Al-Manar zufolge beschoss die Hisbollah außerdem einen israelischen Luftwaffenstützpunkt rund 50 Kilometer von der Grenze entfernt.

Greift die UN ein?

Ausländer flüchten aus dem Libanon

Ein schwedisches Charterschiff evakuiert tausende Ausländer

Insgesamt kamen seit Beginn der Offensive im Libanon mehr als 250 Menschen ums Leben. Ministerpräsident Fuad Siniora rief die arabischen Staaten und die internationale Gemeinschaft auf, sich für einen sofortigen Waffenstillstand einzusetzen. Israel wolle mit seiner "barbarischen Aggression" sein Land um 50 Jahre zurückwerfen. Frankreich hatte am Dienstag den Mitgliedern im UN-Sicherheitsrat einen Vorschlag für eine Resolution vorgelegt. Der Entwurf sehe die Forderung nach einem "umfassenden und anhaltenden Waffenstillstand" und einen Aufruf zur Zurückhaltung an die Konfliktparteien vor, um weitere Opfer unter Zivilisten und Schäden an zivilen Einrichtungen zu vermeiden.

Derweil hat US-Präsident George W. Bush die schiitische Hisbollah und Syrien für die Eskalation im Nahen Osten verantwortlich gemacht. Er habe den Eindruck, die Regierung in Damaskus versuche mit Hilfe der Hisbollah ihre Rückkehr in den Libanon zu sichern. Syrien müsse klar gemacht werden, dass es die Unterstützung für die Organisation einstellen müsse, forderte Bush.

Ablenkung vom Iran

Libanon, israelische Militäroffensive, Feuerwehr

Israelische Militäroffensive im Libanon

Israels Ministerpräsident Ehud Olmert sagte, die Hisbollah habe mit der Entführung zweier israelischer Soldaten die Aufmerksamkeit vom Atomkonflikt mit dem Iran ablenken wollen. Der Zeitpunkt für die Entführungen sei nicht zufällig gewählt, sondern mit dem Iran abgesprochen gewesen. Israel hatte nach den Entführungen am 12. Juli seine Offensive im Libanon begonnen. Laut einem Fernsehbericht ist am Mittwoch erneut ein Soldat verschleppt worden. Der Sender Kanal 10 berief sich auf Augenzeugen, Bestätigungen gibt es aber noch nicht.

Tausende Ausländer warten unterdessen weiter darauf, das Land verlassen zu können. Israel wollte 20 Schiffen mit Ausländern an Bord den Weg aus dem Libanon freimachen. Am Dienstag wurden hunderte Ausländer an Bord eines norwegischen Schiffes außer Landes gebracht. Die USA wollten 240 ihrer Bürger mit Helikoptern aus Beirut ausfliegen, zwei gecharterte Schiffe warteten vor der libanesischen Küste. UN-Flüchtlingskommissar Antonio Guterres zeigte sich besorgt über die Situation der rund 500.000 Flüchtlingen im Land. Schon wegen des aus Sicherheitsgründen reduzierten Personals sei die UNO nicht mehr in der Lage, den Menschen angemessen zu helfen.

Hoffen auf Solana

Libanon

Ziel israelischer Angriffe: die Hauptstraße zwischen Beirut und Damaskus

Für Mittwoch (19.07.) wird der EU-Außenbeauftragte Javier Solana zu Vermittlungsgesprächen mit den Konfliktparteien in der Region erwartet. Nach Angaben seiner Sprecherin soll er zunächst in Israel mit Olmert und in Ramallah mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas zusammentreffen. Anschließend soll er in Ägypten mit Präsident Husni Mubarak die Lage erörtern. Der Termin für die geplante Nahost-Reise von US-Außenministerin Condoleezza Rice bleibt hingegen weiter offen. UN-Generalsekretär Kofi Annan will nach Diplomatenangaben am Donnerstag (20.7.) dem Sicherheitsrat über die Ergebnisse der Vermittlerdelegation berichten und seine Vorstellungen zur Entsendung einer Stabilisierungstruppe in den Südlibanon erläutern. (ina)

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