Kaufhof: Stellenabbau, aber kein Verkauf | Wirtschaft | DW | 07.02.2018
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Wirtschaft

Kaufhof: Stellenabbau, aber kein Verkauf

Die angeschlagene Warenhauskette will ein Viertel der Stellen in der Konzernzentrale streichen. Eine Fusion von Kaufhof und Karstadt wird es aber nicht geben. Der Kaufhof-Eigner HBC lehnte ein entsprechendes Angebot ab.

Die Warenhauskette Kaufhof will bis 2020 rund 400 der 1600 Arbeitsplätze in der Kölner Konzernzentrale streichen. Der Stellenabbau solle aber sozialverträglich durch natürlich Fluktuation, Übergangsregelungen für ältere Mitarbeiter und Abfindungen erfolgen, kündigte das Unternehmen an.

Kaufhof steckt in der Krise. Die Geschäfte laufen nicht so, wie der neue Eigentümer, Hudson's Bay Company (HBC) aus Kanada, gehofft hatte. Die Umsätze sinken, das Unternehmen kämpft mit roten Zahlen.

Kaufhof-Chef Roland Neuwald sagte der Zeitung "Kölner Stadt-Anzeiger", ein Personalabbau sei deshalb unumgänglich. Das Unternehmen brauche eine wettbewerbsfähige Kostenstruktur. Derzeit seien die Kosten noch viel höher als bei den Wettbewerbern.

Druck auf die Gewerkschaft

Bereits im Oktober vergangenen Jahres hatte der Handelskonzern angekündigt, mit der Gewerkschaft Verdi über einen Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung verhandeln zu wollen. Das Unternehmen erhofft sich durch Zugeständnisse der Mitarbeiter eine "finanzielle Atempause". Doch bisher gab es keine greifbaren Fortschritte in diese Richtung.

Sollte Verdi beim Tarifvertrag für die 21.000 Beschäftigten nicht zu Einschnitten bei Lohn, Urlaubs- und Weihnachtsgeld bereit sein, seien weitere Jobs in Gefahr, sagte Neuwald der "Bild"-Zeitung. "Dann müssen wir auf Sicht über Jobabbau in den Filialen sprechen. Wir brauchen die wirtschaftliche Atempause, um wieder Wasser unter den Kiel zu bekommen", zitiert das Blatt in seiner Donnerstagsausgabe den Manager.

Neuwald betonte, bei den Sanierungsbemühungen müsse jeder einen Beitrag leisten: der Eigentümer, die Manager, die Mitarbeiter und auch die Lieferanten in Form von Preisnachlässen.

Neuwald hatte Anfang November vergangenen Jahres den Chefposten bei Kaufhof übernommen. Vorher war er Manager beim Handelskonzern Metro, zu dem die Warenhauskette früher gehörte, bevor sie 2015 für 2,8 Milliarden Euro an den kanadische Handelsriesen HBC ging.

Kein Verkauf an Karstadt-Eigner

HBC teilte in Toronto mit, Kaufhof nicht an den österreichischen Karstadt-Eigentümer Signa verkaufen zu wollen. Der Aufsichtsrat des Unternehmens habe ein entsprechendes Signa-Angebot einstimmig abgelehnt; daraufhin habe Signa die Offerte zurückgezogen.

Damit ist eine wiederholt diskutierte deutsche "Warenhaus AG" mit Kaufhof und Karstadt unter einem Dach vom Tisch. Das Signa-Angebot sei nicht im Interesse der HBC-Aktionäre, befanden die Aufsichtsräte. Es liege beträchtlich unter dem eigentlichen Wert des deutschen Geschäftes und damit verbundener Immobilienwerte. Zum anderen äußerte das Gremium Zweifel an der Finanzierung des Angebots.

Rene Benko 26.06.2014 (picture alliance/APA/picturedesk.com)

Hat Karstadt, wollte auch Kaufhof: Signa-Eigner Benko

Die Signa-Holding des Investors René Benko hatte laut Medienberichten rund drei Milliarden Euro für das deutsche Warenhausgeschäft von Kaufhof und andere Immobilien geboten. Schon 2015 hatte Signa für Kaufhof geboten, unterlag damals aber im Bieterrennen mit HBC.

Kaufhof-Chef Neuwald bezeichnete eine Übernahme durch Signa als wenig hilfreich: "Ich sehe nicht, dass dadurch ein besseres Geschäftsmodell entsteht. Unsere größten Konkurrenten sind die Amazons und Zalandos dieser Welt."

Nicht nur Kaufhof, auch Eigentümer HBC schrieb zuletzt rote Zahlen und kämpft wie die gesamte Branche mit dem zunehmenden Wettbewerb durch Online-Händler. HBC gehört auch die Modekette Saks Fifth Avenue.

Nach einer Reihe von Management-Wechseln hatte HBC am Montag eine neue Vorstandschefin ernannt: Helena Foulkes, die 25 Jahre lang beim Drogeriekonzern CVS Health gearbeitet hatte, soll ihr Amt am 19. Februar antreten. Sie löst dann Interimschef Richard Baker ab, der Mitglied des Verwaltungsrats bleibt.

bea/se (dpa, reuters, afp)

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