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Politik

Kaschmir im Kreuzfeuer

Seit mehr als fünfzig Jahren streiten sich Indien und Pakistan um Kaschmir. Da beide Länder inzwischen Atomwaffen besitzen, blickt die Welt mit Sorge auf die Krisenregion, in der es wieder gefährlich brodelt.

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Ein Ende der Tränen ist nicht in Sicht

Über Kaschmir ziehen erneut dunkle Wolken auf. Zwei Unbekannte erschossen am Dienstag (21. Mai 2002) den Separatistenführer Abdul Ghani Lone. Lone galt als einer der wenigen moderaten Kämpfer für die Abspaltung Kaschmirs von Indien, die er ohne Gewalt erwirken wollte. Erst am 14. Mai 2002 hatte der Anschlag muslimischer Rebellen auf ein indisches Militärlager in Jammu erneute Kämpfe zwischen Indern und Pakistanis ausgelöst.

Eine Million Soldaten in der Region

34 Menschen wurden bei dem Anschlag getötet. Während der Auseinandersetzungen in den folgenden Tagen kamen mehrere Menschen ums Leben – darunter auch einige Kinder. Sowohl an der Grenze als auch an der Waffenstillstandslinie beschießen sich Pakistanis und Inder. Insgesamt haben beiden Staaten rund eine Millionen Soldaten in Kaschmir zusammengezogen; Indien plant weitere Truppen aus dem Bundesstaat Gujarat nach Kaschmir zu verlegen.

Während immer mehr Menschen aus den Grenzgebieten Kaschmirs fliehen, reiste der indische Premierminister Behari Vajpayee in die Konfliktregion, um sich mit Offizieren zu beraten und mit den Opfern des Anschlags zu sprechen. Viele Anwohner protestieren mit einem Streik gegen diesen Besuch und die Kaschmir-Politik Indiens.

Der "Böse" ist immer der andere

Kaschmir Konflikt Karte

Der Streitherd Kaschmir

Indien wirft Pakistan vor moslemische Rebellen zu unterstützen, die dafür kämpfen, dass Kaschmir Pakistan angegliedert oder selbständig wird. Der Anschlag auf Lone ist nur einer in einer lange Folge: Im indischen Teil Kaschmirs kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Terroranschlägen. Pakistan bestreitet jedoch Rebellen zu unterstützen und verlangt eine Volksabstimmung über die Zukunft Kaschmirs, das vorwiegend von Muslimen bevölkert ist.

Eine Waffenstillstands-Linie ohne Waffenstillstand

Bislang gehören rund zwei Drittel von Kaschmir zu Indien und ein Drittel zu Pakistan. Ein kleiner Teil ist seit 1962 von China besetzt. Aufgeteilt wurde die Kaschmirregion 1947, als die die Briten Indien in die Unabhängigkeit entließen. Aus dem moslemischen Osten und Westen Indiens entstand der Staat Pakistan. Bereits im ersten Jahr nach ihrer Unabhängigkeit kämpften Indien und Pakistan um die Kaschmirregion. Damals vermittelte die UNO einen Waffenstillstand und Kaschmir wurde entlang einer Waffenstillstandlinie geteilt.

Soldat der pakistanischen Armee in Gefechtsbereitschaft im pakistanisch kontrollierten Kaschmir

Pakistanischer Soldat - bereit zum Kampf

Waffenstillstand gab es an dieser Linie jedoch selten. Indien und Pakistan richteten Bunker und Stellungen ein, wo sich inzwischen seit fünfzig Jahren indische und pakistanische Soldanten belauern und regelmäßig beschießen. Die permanenten Spannungen um Kaschmir lösten bereits zweimal einen Krieg zwischen Indien und Pakistan aus. Brisant sind die jetzt schwelenden Konflikte, da Indien und Pakistan ihre Auseinandersetzungen inzwischen mit Hilfe von Atomwaffen führen können.

Offene Drohgebärden Indiens

Polizei Kommandos stürmen das Parlamentsgebäude nach Anschlägen

Polizei Kommandos stürmen das Parlamentsgebäude nach Anschlägen

Im Dezember 2001 sprach der indische Premierminister offen davon, dass es zu einem dritten Krieg zwischen Indien und Pakistan kommen könnte. Der Anlass: Moslemische Terroristen hatten versucht, das Parlament in Neu-Dehli zu stürmen, wobei mehrere Menschen getötet wurden. Die Situation entspannte sich jedoch wieder etwas. Der Anschlag in Jammu ist für die Inder nun ein Zeichen dafür, dass Pakistan nichts gegen die moslemischen Terroristen unternommen hat.

Schlaflose Nächte in anderen Teilen der Welt

In der restlichen Welt wird die Entwicklung in Kaschmir mit Sorge betrachtet: Neben Politikern aus Russland und Deutschland rief auch der Uno-Generalsekretär Kofi Annan Indien und Pakistan auf, den Konflikt nicht eskalieren zu lassen.

Nicht alle Länder beschränken sich auf Appelle: Nachdem US-Außenminister Collin Powell mit dem pakistanischen Staatschef Pervez Musharraf und Indiens Ministerpräsidenten Jaswant Singh telefonierte, plant er nun seinen Vize Richard Armitage zur Vermittlung nach Indien und Pakistan zu schicken. Der britische Außenminister Jack Straw plant ebenfalls eine Reise in die Region, um zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln.

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