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Asien

Karsai bittet Sharif um Hilfe wegen Taliban

Hamid Karsai will die Taliban an den Verhandlungstisch bringen. Mit seinem Hilfegesuch an die pakistanische Regierung versucht der afghanische Präsident seine politische Handlungsfähigkeit zurückzugewinnen.

"In der Vergangenheit hatte ich keine großen Erwartungen", sagte Karsai noch kurz vor seiner Reise in das Nachbarland. "Aber nun, nach dem Regierungswechsel in Pakistan, hoffe ich mehr zu erreichen." Bereits zum 20. Mal in seiner Zeit als afghanischer Präsident ist Hamid Karsai (links im Artikelbild) nach Pakistan gereist (26.08.2013). Die Gespräche mit seinem neugewählten Gegenüber in Islamabad, Nawaz Sharif, erfüllten die Erwartungen des Gastes aus Kabul aber nicht. Sie brachten nicht viel mehr als diplomatische Höflichkeiten und vage Versprechen.

Karsai forderte von der pakistanischen Führung, die Taliban dazu zu bewegen, direkte Gespräche mit Kabul aufzunehmen. Dazu soll mit Mullah Abdul Ghani Baradar einer der afghanischen Taliban-Führer aus Kandahar aus pakistanischem Gewahrsam freigelassen werden. Dieser sei bereit, solche Gespräche zu führen. Mullah Baradars Einfluss bei den Taliban gilt jedoch als begrenzt. Und Karsais Amtkollege Nawaz Sharif blieb diplomatisch vage: Er sagte lediglich Pakistans "feste und aufrichtige Unterstützung für Frieden und Versöhnung in Afghanistan" zu.

Unklarheit über Pakistans Haltung

Das Talibanbüro in Doha (Foto: REUTERS/Mohammed Dabbous)

Die Taliban-Vertretung in Katar ist Karsai ein Dorn im Auge

"Karsai kehrt mit leeren Händen zurück", bedauert Abdul Wahid Wafa, der Direktor des Afghanistan Centers an der Kabuler Universität. Es zeige sich, dass Karsai in einer schwachen Position ist, nachdem sich die Beziehungen mit seinem stärksten Verbündeten USA in den vergangenen Monaten verschlechtert haben. Andere Experten sind optimistischer: Die Chancen stünden nicht schlecht, dass die Reise den Friedensprozess tatsächlich voranbringt, meint Politikexperte Tofan Wasiri in Kabul. "Pakistan steht selbst unter Druck, eine Lösung des Taliban-Problems zu finden. Die Bevölkerung will ein Ende der Misere." Die Gotteskrieger verbreiteten ja auch im pakistanischen Grenzgebiet Angst und Schrecken. Der Vorsitzende der Stiftung "Millat" (Nation) ist überzeugt davon, dass auch die pakistanische Regierung "nach einem Ausweg aus dieser Sackgasse sucht."

Karsai als potenzieller Mit-Architekt einer Verhandlungslösung mit den Taliban könnte damit seine politische Handlungsfähigkeit zurückgewinnen. Afghanische Innenpolitik haben in den vergangenen Monaten nämlich vor allem andere betrieben. Zuerst brüskierten ihn die USA, die direkt mit den Taliban in deren neugegründetem Verbindungsbüro in Katar verhandeln wollten. Vor zwei Wochen trafen sich afghanische Oppositionelle in München, um hinter verschlossenen Türen über die Zukunft Afghanistans zu beraten, darunter einige Warlords der Nordallianz - jene Gruppierung, die maßgeblich am Sturz der Sowjets wie auch der Taliban beteiligt war. Und in der vergangenen Woche musste Karsai seinen Generalstaatsanwalt Mohammad Ishaq Aloko öffentlich zur Ordnung rufen, weil auch er die Fühler zu den Taliban ausgestreckt hat, ohne das Wissen des Präsidentenpalasts.

Karsai will Erfolge vorweisen

Pakistans Premier Nawaz Sharif (Foto: EPA/PID)

Pakistans Präsident Nawaz Sharif hält sich gegenüber Kabul bedeckt

Karsai will eigene Verhandlungserfolge, wo andere, auch die USA, bislang scheiterten. Der wichtigste Partner ist dabei der ungeliebte Nachbar Pakistan. Politikexperte Wasiri bekräftigt die häufig geäußerte Einschätzung, dass die Regierung in Islamabad einen immensen Einfluss auf die Taliban habe. Karsai bestätigt diese Einschätzung mit seinem Hilfegesuch. Sollte er erfolgreich sein und das regionale Netzwerk rund um die Taliban an den Verhandlungstisch bringen, könnte er wieder als starker Staatsmann reüssieren, der allein und zur rechten Zeit die richtigen Strippen gezogen hat.

In diesem Licht ist auch der Vorschlag Karsais in Pakistan zu sehen, die Verhandlungen mit den Taliban von der katarischen Hauptstadt Doha weg zu verlegen. Ob die runden Tische, wie von Karsai vorgeschlagen, in Saudi-Arabien oder der Türkei stehen, "wird kaum einen Unterschied machen", meint Abdul Wahid Wafa von der Kabuler Universität . Karsai könnte damit aber zeigen, dass seine Wünsche Gehör finden bei den Verhandlungen. Nichts ist schlimmer im Orient, als sein Gesicht zu verlieren. Karsai steht vor einer noch größeren Herausforderung. Er muss seines erst wiedergewinnen – und sei es mit Hilfe Pakistans.

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