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Kultur

Karrieren: Vernetzen statt "vermausen"

Bequem, feige und vermaust: So sieht die Autorin Bascha Mika die Mehrheit der Frauen. Was steckt hinter dieser harten Kritik? Und wie kommen Frauen beruflich nach vorne - wenn sie es eben doch wollen?

Annette von Alemann (Foto: DW/ Alexandra Scherle)

Annette von Alemann: "Frauen brauchen den doppelten Mut"

"Frauen sind nicht feiger als Männer", sagt die Soziologin Annette von Alemann. Die Expertin für Geschlechterforschung von der Universität Bielefeld betont, dass es sehr viele gut ausgebildete Frauen gibt, die auch den Wunsch haben, Karriere zu machen: "Meistens unternehmen sie auch die nötigen Schritte, werden aber an vielen Ebenen in der Firma daran gehindert werden."

Zum Beispiel weil sie in Unternehmen oft in Bereichen eingesetzt werden, die kaum Aufstiegsmöglichkeiten bieten – wie Personalabteilungen oder Marketing. In Deutschland verdienen Frauen im Schnitt für die gleiche Tätigkeit immer noch 25 Prozent weniger als Männer.

Dazu kommt ein anderes Vorurteil: Chefs gehen sehr oft davon aus, dass gerade junge Frauen Kinder bekommen werden – also fördern sie diese weniger als Männer. "Wegen all dieser Handicaps brauchen Frauen im Berufsleben doppelt so viel Mut wie Männer", sagt die Soziologin.

Mehr Erfolg durch "Klüngeln"

Anni Hausladen (Foto: DW/ Alexandra Scherle)

Coach Anni Hausladen bringt Frauen die Kunst des Klüngelns bei

Doch das alles ist noch kein Grund, in die von Bascha Mika kritisierte "Komfortzone" des trauten Heims zu flüchten. Vernetzen kann der Schlüssel zum Erfolg sein. Die Diplom-Betriebswirtin und Psychotherapeutin Anni Hausladen ist Expertin im Knüpfen von Netzwerken - das die Kölnerin "Klüngeln" nennt. Als Karrierecoach berät sie Frauen aus den unterschiedlichsten Bereichen - von Politikerinnen und Managerinnen bis zu Selbstständigen.

"Wichtig ist, die eigenen Stärken zu erkennen und diese beruflich auch einzusetzen, damit sich da das Selbstwertgefühl stabilisiert oder entwickelt - und damit es nicht nur auf die Beziehung bezogen ist", erklärt Anni Hausladen. Der Beruf sei für eine Frau sehr wichtig – denn sie brauche eine Perspektive, um zu wissen wohin sie überhaupt hin will, statt sich nur damit abzufinden, ein bisschen Geld dazu zu verdienen.

Zielstrebigkeit allein ist aber nicht genug: Damit die eigenen Leistungen anerkannt werden, müsse sich eine Frau gut vernetzen. Informelle Treffen - zum Beispiel bei einem Kaffee mit den neuen Arbeitskollegen - bringen oft mehr, als schnell an den Schreibtisch zu hetzen. Anni Hausladen hat beobachtet, dass vielen Frauen gerade das schwer fällt: weil sie oft zu perfektionistisch sind.

Perfektionismus als brüchige Schutzmauer

"Wer immer perfekt sein will, versucht eine Schutzmauer aufzubauen – dann finden einen alle ganz toll und greifen einen nicht an. Doch diese Mauer ist eine Illusion", erläutert Anni Hausladen. Viel sinnvoller sei es, sich mit anderen zu verbinden: "Dadurch bekomme ich viel mehr von dem mit, was außerhalb meines Ichs passiert. Auf diese Weise kann ich mithandeln und mehr lenken, das bringt mir viel mehr Sicherheit, als wenn ich nur darauf achte, ob ich meine Arbeit toll mache."

Doch was ist mit Frauen, die trotz Uni-Abschluss ihre Sicherheit anderswo suchen - nämlich zu Hause bei ihren Kindern, an der Seite eines wohlhabenden Mannes?

"Wenn ich sage, ich will gleichberechtigt und selbstständig sein, dann gehen manche Dinge nicht mehr so, wie es früher war. Dann ist die Rolle ausgelebt, nur Mutter zu sein", meint Anni Hausladen.

Der "Mutter-Mythos": ein deutsches Phänomen?

Bevor eine Frau ihren Beruf für die Familie aufgibt, sollte sie erst einmal 10 Jahre weiterdenken: An die Zeit, wenn die Kinder schon größer sind und die Partnerschaft vielleicht auch nicht mehr so harmonisch ist.

Babys in einer Leipziger Klinik (Foto: picture alliance/ dpa)

Kinder müssen nicht das Ende der Karriere sein

Doch der "Mutter-Mythos", den auch Bascha Mika kritisiert, ist in Deutschland tiefer verwurzelt als in anderen westlichen Ländern, sagt die Soziologin Annette von Alemann:

"Wenn Frauen hierzulande Kinder haben und diese nur am Wochenende sehen, weil sie Vollzeit arbeiten, schlagen alle die Hände über dem Kopf zusammen und werfen ihnen vor, Rabenmütter zu sein." Bei Männern sei es aber ganz häufig so, dass sie sich hauptsächlich am Wochenende um die Kinder kümmern – und das gilt als völlig normal.

Beziehungen auf Augenhöhe

Trotz aller Schwierigkeiten weiß die Bielefelder Wissenschaftlerin aus eigener Erfahrung, dass Familie und Karriere kein Widerspruch sein muss. Sie hat selber einen zweijährigen Sohn - und einen modernen Ehemann, für den Kindererziehung nicht "Frauensache" ist.

"Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es geht, und dass man sich auch toll organisieren kann. Ich weiß, das Leben läuft zu Hause auch sehr gut weiter und unser Sohn wird ganz toll betreut, aber mir fehlt als Frau selber etwas, wenn ich ihn nicht sehe. Denn Kind und Beruf gehören zu meinem Leben genauso dazu. "

Echte Gleichberechtigung beginnt also auch im Privaten - wenn Frauen Beziehungen auf Augehöhe führen.

Autorin: Alexandra Scherle

Redaktion: Sabine Oelze

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