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Kultur

Liebesbeziehung oder Lebensversicherung?

Macht Emanzipation unglücklich? Nach über 100 Jahren Kampf für Gleichberechtigung ist diese Frage noch nicht geklärt. Die Journalistin Bascha Mika wirft den deutschen Frauen Feigheit vor und hat eine Debatte entfacht.

Drei Mütter mit Kinderwagen (Foto: picture alliance)

Latte-Macchiato-Mütter?

Die Journalistin Bascha Mika geht mit ihren Geschlechtsgenossinnen hart ins Gericht. Sie wirft Frauen den "Rückzug in die Komfortzone" vor. Für die Flucht in traditionelle Rollenbilder gibt es ihrer Ansicht nach drei gewichtige Gründe: Die mangelnde Bereitschaft von Vätern, für die Familie auf die berufliche Karriere zu verzichten; die unzureichende Versorgung mit Kindertagesstätten, und die freiwillige Unterwerfung der Frauen, die ihre Liebesbeziehung als Lebensversicherung missverstehen und folglich ihren Beruf vernachlässigen.

Bascha Mika selber hat Karriere gemacht. Sie war elf Jahre lang alleinige Chefredakteurin der linksalternativen "tageszeitung" und ist nebenbei Universitäts-Professorin. Mit ihren Vorwürfen legte Mika den Finger in die offene Wunde westdeutscher Frauen. Ihr Buch löste ein heftiges Blätterrauschen in deutschen Feuilletons aus und sorgte für hitzige Debatten auf dem Bildschirm. Doch wer der Autorin vorwirft, ihre Geschlechtsgenossinnen zu beschimpfen oder gar einen neuen Frauenkrieg anzuzetteln, liegt falsch. Bascha Mika geht es vielmehr darum, die anscheinend so selbstsichere Generation junger Frauen wachzurütteln und sie vor den typischen "Fallen" des Lebens zu warnen. Sie will, dass Frauen auch beim Thema Kinder einen kühlen Kopf bewahren:

"Ich würde mich freuen, wenn Frauen an biografischen Schnittstellen einen Moment innehalten und darüber nachdenken, was für Konsequenzen ihre Entscheidungen haben", erklärt sie. "Wir müssen lernen, unser Leben von hinten her zu denken, und uns fragen, was wir mit Mitte 50 machen wollen."

Mut statt faule Ausreden

Bascha Mika in ihrem Büro (Foto: AP)

Bascha Mika als Chefredakteurin der "tageszeitung"

Liegt die wahre Emanzipation also in einer strategischen Lebensplanung? Ist der vermeintliche Kampf der Geschlechter schon lange vorbei? Bascha Mika reißt Frauen aus ihrer Opferrolle und macht sie zu Täterinnen. Sie konfrontiert sie mit ihren eigenen Idealen und stachelt sie an. Kampfgeist und Mut statt Selbsttäuschung und faule Ausreden lautet ihr Motto.

Angesichts der erdrückenden Faktenlage scheint dies bitter nötig. Noch immer arbeiten Mütter in Westdeutschland auch zehn Jahre nach der Geburt ihres letzten Kindes nur rund 25 Stunden pro Woche. Noch immer werden Frauen schlechter bezahlt als Männer. Noch immer ist ihr Anteil an Führungspositionen in Großunternehmen minimal, so minimal, dass selbst die siebenfache Mutter und Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen nun gegen den Willen der Kanzlerin eine Quote forderte.

Doch Bascha Mika will nicht alle Mütter zu Managerinnen machen. Sie will, dass Frauen ihrem selbstgesteckten Ziel, nämlich Familie und Beruf zu vereinbaren, näher kommen und sich zudem von überzogenen Erwartungen frei machen. Als besondere Belastung empfindet die Autorin den deutschen Muttermythos. Danach können weder der Vater noch eine Tagesmutter und auch keine Kita das Kind im gleichen Maße umsorgen und fördern wie die leibliche Mutter. Dieses Verständnis von Mutterliebe, so argumentiert die Autorin, mache Frauen zu Sklavinnen.

Abschied vom Muttermythos

Frau mit Baby (Foto: Bilderbox)

Achtung Kinderfalle!

Mikas Vorbild ist ihre Mutter, die fünf Kinder großgezogen hat und sich dennoch in einem stressigen Job behauptete. Und die immer betonte, wie wichtig es ihr war, neben der Familie eben noch einen anderen Bereich zu haben. "Wir brauchen den Beruf für uns", ist sie überzeugt. "Wenn wir uns in das alte Muttermuster pressen lassen, verabschieden wir uns von der Vielfalt, die wir als Frau leben können. Dann frist uns die Mutter auf. Wir müssen der Angst, nicht geliebt zu werden, nicht nachgeben. Warum bleiben wir nicht stolz und vertrauen darauf, dass wir liebenswürdig und liebesfähig sind?"

Bascha Mika provoziert. Sie ruft Schuldgefühle und Empörung hervor. Sie warnt vor unnötigem Warten auf bessere Zeiten. Doch ihre Streitschrift ist kein Pamphlet, ihre Argumente beruhen auf Fakten. Mikas Buch beweist, dass in jeder Beziehung der Keim für gesellschaftliche Veränderung steckt.

Autorin: Astrid Prange

Redaktion: Sabine Oelze

Bascha Mika: Die Feigheit der Frauen. Eine Streitschrift wider den Selbstbetrug, C. Bertelmann Verlag, 256 Seiten, 14,99 Euro

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