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Europa

Karikaturen-Streit – Teil 2

Schwedens Premier trifft sich mit Botschaftern aus islamischen Ländern. Anlass ist die Sorge um die Folgen einer Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen in einer schwedischen Zeitung. Der Zeichner ist abgetaucht.

Schwedens Premierminister Reinfeldt (Quelle:AP)

Schwedens Premierminister Reinfeldt lädt zum Gespräch

Drei Wochen nach Veröffentlichung von umstrittenen Zeichnungen mit dem Propheten Mohammed als Hund hat sich Schwedens Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt um Beruhigung bemüht. Reinfeldt und Botschafter aus 20 islamischen Ländern eröffneten am Freitag (7.9.2007) einen Dialog. Nach einem ersten Treffen lobten Botschafter aus dem Iran, Syrien und Ägypten ausdrücklich das Verhalten der schwedischen Regierung und sprachen sich gegen militante Proteste aus. Reinfeldt sagte: "Ich habe erneut unseren Willen betont, alles zu tun, damit Christen, Muslime und andere friedlich Seite an Seite leben und einander respektieren können." Die Zeichnung war in der schwedischen Zeitung "Nerikes Allehanda" abgedruckt worden.

Positives Echo auf Dialogangebot


Menschenmasse vor brennendem Gebäude (Quelle: AP)

Demonstranten stürmten im Februar 2006 die dänische Botschaft in Damaskus (Archivbuild)

Das Stockholmer Außenministerium forderte kurz vor dem Treffen schwedische Reisende zu Vorsicht bei Besuchen in islamischen Ländern auf. Hintergrund waren Befürchtungen der Behörden, dass sich dort ähnlich militante Proteste ausbreiten könnten wie vor knapp zwei Jahren gegen die Mohammed-Karikaturen der dänischen Zeitung "Jyllands-Posten". Dabei waren Anfang 2006 mehr als hundert Menschen ums Leben gekommen und mehrere Botschaften Dänemarks attackiert oder in Brand gesteckt worden.


Der ägyptische Botschafter Samah Sotouhi sagte zu dem Treffen mit Reinfeldt: "Eine sehr gute Initiative, die wir ausgesprochen schätzen. Dialog ist die beste Art, Fundamentalismus und Extremismus zu verhindern." "Dialog ist der einzige Weg", sagte auch Teherans Vertreter Hassan Ghaschgavi und lobte ausdrücklich das Vorgehen der Stockholmer Regierung.

Lehren aus der Vergangenheit

Schild We don't sell Danish Products (Quelle: AP)

Karikaturenstreit im vergangenen Jahr: Boykott dänischer Waren (Archivbild)

Der konservative Regierungschef hatte Anfang der Woche in der größten Stockholmer Moschee Vertreter islamischer Organisationen aufgesucht und auch zusammen mit diesen die Notwendigkeit eines offenen Dialogs bei Respektierung religiöser Gefühle betont. Wie anders hatte das alles Ende 2006 und Anfang 2007 im benachbaren Kopenhagen geklungen, nachdem "Jyllands-Posten" zwölf Karikaturen mit dem islamischen Propheten veröffentlicht hatte.

Damals verweigerte Dänemarks Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen ein von Botschaftern islamischer Länder erbetenes Treffen. Es gebe nichts zu besprechen, ließ der Regierungschef die Diplomaten wissen und verwies auf die Unantastbarkeit der Meinungsfreiheit. In muslimischen Staaten griffen Demonstranten in den darauf folgenden Wochen dänische Einrichtungen an. Auch dänische Waren wurden boykottiert.

Zeichner ist untergetaucht

In Schweden ist der Zeichner Lars Vilks wegen mehrerer Morddrohungen nach seiner Mohammed-Zeichnung abgetaucht und lebt an einem geheimen Ort. Eine von ihm in einem Kreisverkehr aufgestellte, sieben Meter hohe Hundefigur wurde in der Nacht zum Freitag in Brand gesetzt. Es gibt in Schweden zahlreiche dieser "Rondellhunde" genannten Figuren in Verkehrsinseln. Sie bildeten auch die Vorlage für die umstrittene Mohammed-Zeichnung, die den Kopf des Propheten auf dem Korpus eines Rondellhundes zeigt. "Nerikes Allehanda" hatte mit dem Bild einen Kommentar zur Meinungsfreiheit illustriert, nachdem zwei Ausstellungen von Vilks wegen befürchteter Proteste abgesagt worden waren. (rri)

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