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Kultur

Kann Berlin den deutschen Pop retten?

Auf der Popkomm-Musikmesse hoffen die Vertreter der Musikindustrie auf eine Belebung des Marktes. Im Zeichen sinkender Verkäufe und digitaler Downloads stellt sich auch die Frage nach der Förderung deutscher Künstler.

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Neuer Aufwind für die Musikindustrie?

Von sinkenden Einnahmen geplagt und durch aufstrebende neue Technologien wie mp3 oder Internet-Tauschbörsen unter Druck gesetzt, sieht sich die Musikindustrie auf der 16. Popkomm mit zahlreichen Problemen konfrontiert. Aber der Umzug nach Berlin hat der Musik-Handelsmesse, die oft als weltweit größte Veranstaltung dieser Art bezeichnet wird, anscheinend neues Leben eingehaucht.

Erst musizieren - dann diskutieren

"Es ist nicht einfach ein Umzug von einer Stadt in die nächste, sondern eher ein echter Neuanfang", sagt Ralf Kleinhenz, der Organisator der Popkomm. Trotz der Rolle Kölns als wichtigem Medienstandort Deutschlands hatten die Besucherzahlen in den vergangenen Jahren dramatisch abgenommen.

Popkomm 2004 in Berlin

Suche nach neuen Märkten: Die Popkomm soll die Wende bringen

Die Berliner Veranstalter hoffen, dass internationale Profil der Popkomm stärken zu können. 661 Aussteller aus 41 verschiedenen Ländern sind auf der dreitägigen Messe vertreten. Parallel zu den Beratungen der Musikindustrie sind der Öffentlichkeit auf Konzerten und Klubveranstaltungen insgesamt 400 Stunden Live-Musik zugänglich.

Die Zukunft ist digital

An der Spitze der Tagesordnungen steht bei den Insidern der Industrie die Frage, wie man mit dem sich rasant weiterentwickelnden Charakter der Musik umgehen soll. Während immer weniger Menschen Cds kaufen und ihre Musiksammlung lieber auf den Computer verlegen, setzt sich die Industrie mit Piraterie und urheberrechtlichen Fragen bei digitalen Formaten wie mp3 auseinander. "Momentan ändert sich unser Umgang mit der Musik", erklärt Kleinhenz: "Und das wirft nicht nur ökonomische Fragen auf, sondern auch kulturelle und soziale Fragen."

Quote, quo vadis?

In Deutschland stellt sich im Moment vor allem die Frage, wie einheimische Künstler am besten unterstützt werden können. Einige Stimmen fordern mal wieder eine Quote für deutsche Musiker nach Vorbild des französischen Modells. Dort sind mindestens 40 Prozent der gesamten Radio-Sendezeit für französische Künstler reserviert. Die Initiative bekommt inzwischen auch Unterstützung von einigen Politikern, wie zum Beispiel von der Bundestagsabgeordneten der Grünen, Antje Vollmer.

"Wir schulden es unserer kulturellen Identität", erklärt Vollmer: "Es hat nichts damit zu tun, übermäßig deutsch zu sein. Andere Länder schützen natürlicherweise ihre eigenen Künstler."

Nicht auf Hilfe warten

Band Donots bei dem Auftritt ihrer Band am 26.6.2004 auf dem Hurricane Open Air Festival in Scheeßel.

Die Donots machen sich für den Nachwuchs stark

Viele Musiker stimmen zu, dass mehr getan werden muss, um deutsche Künstler zu fördern. Aber sie warten nicht immer auf die Hilfe der Regierung oder der Industrie. Eike Herwig, der Schlagzeuger der Punk-Band "The Donots" berichtet, dass seine Gruppe besondere Anstrengungen unternehme, um aufstrebende Bands zu unterstützen. In einer speziellen Sektion ihrer Website würden neue Gruppen vorgestellt und auf ihrer letzten Tour hätten die Donots einzelnen Bands die Möglichkeit gegeben, als Vorgruppe aufzutreten. "Ich glaube es ist wichtig, deutschen Musikern mehr Aufmerksamkeit zu widmen", erklärt Herwig im Gespräch mit DW-WORLD.

Fluch oder Segen

Tim Renner vom Musiklabel Motor Music befürwortet die Idee, einheimische Künstler zu unterstützen. Er misstraut jedoch einer gesetzlich geregelten Quote. "Ich habe gemischte Gefühle, wenn ich das Wort Quote höre", sagt Renner im Gespräch mit DW-WORLD. "Sie werden Ihnen sagen, dass nicht genügend gutes Material da draußen vorhanden ist. Das ist nicht richtig. Sie müssen die kulturelle Vielfalt fördern, aber jede Quote würde bedeuten, dass sie es nicht geschafft haben, ein Radio-Konzept zu finden."

Renner hofft darauf, neue Wege zu finden, um die digitale Technologie zu einem Segen anstatt eines Fluchs für die Industrie zu machen. "Die Radiosender könnten die Händler der Zukunft sein", prophezeit er. "das Radio ist das mobilste Medium, das es gibt."