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Europa

Kandidaten-Karussell

Bei der Präsidentschaftswahl am 21. April haben die Franzosen eine Riesenauswahl: 16 Kandidaten gehen das Rennen um das höchste Amt im Staat - so viele wie nie zuvor.

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Jean-Pierre Chevènement wird wohl kaum zum Präsidenten gewählt werden

Amtsinhaber Jacques Chirac ist 69 und kann sich beim Kampf um den Wiedereinzug in den Elysée-Palast auf die von ihm gegründete konservative Sammlungsbewegung RPR stützen. Der Neogaullist gehört zu Frankreichs politischem Urgestein: Er war 18 Jahre Bürgermeister von Paris, zwei Mal Premierminister und kandidiert nun zum vierten Mal. Bei der Präsidentschaftswahl 1995 setzte er sich gegen Jospin durch. Chiracs Programm gilt als wenig klar, aus seiner langen politischen Karriere hängen ihm zahlreiche Affären nach.

Der 64-jährige Sozialist Lionel Jospin ist Chiracs wichtigster Widersacher. 1997 gewann er die Parlamentswahl und bildete als Premier eine stabile Linksregierung. In den vergangenen Jahren brachte er zahlreiche Staatsfirmen an die Börse, setzte aber auch die 35-Stunden-Woche durch. Obwohl er seine trotzkistische Vergangenheit lange vertuschte, gilt Jospin als aufrichtig und geradlinig. Viele Franzosen vermissen an ihm das Charisma.

Die weiteren Kandidaten

Der Rechtsradikale Jean-Marie Le Pen kämpfte bis zuletzt um seine Zulassung zur Wahl. Laut Umfragen kann der 73-jährige Chef der ausländerfeindlichen Front National (FN) auf zehn Prozent der Stimmen kommen.

Arlette Laguiller bekämpft das politische Establishmemt von der anderen Seite aus. Die 62-jährige Trotzkistin predigt seit Jahrzehnten unverdrossen den Klassenkampf und kann ebenfalls auf die Unterstützung eines Zehntels der Wählerschaft hoffen.

Knapp dahinter sehen die Umfragen derzeit den Linksnationalisten Jean-Pierre Chevènement. Der 63-jährige Republikaner vertritt einen starken Staat. Seine Position steht außerhalb des traditionellen französischen Rechts-Links-Spektrums.

Der Grüne Noël Mamère profitiert im laufenden Medien-Wahlkampf von seiner Erfahrung als langjähriger TV-Moderator. Der 53-jährige Schnauzbartträger tut sich im Wahlkampf vor allem mit Globalisierungskritik hervor und stellt die starke Stellung der Atomenergie in Frankreich in Frage.

Der offizielle Kandidat der Kommunistischen Partei, Robert Hue, steht im Schatten von Laguiller. Dem 55-jährigen KP-Chef nehmen Hardliner seine Beteiligung an Jospins Regierung übel. Mit dem erst 27-jährigen Postboten Olivier Besancenot und dem 48-jährigen Linksradikalen Daniel Gluckstein hat Hue weitere Konkurrenz im eigenen Lager.

Gleich drei Rechtsliberale treten an, ohne sich große Chancen ausrechnen zu können. Der 50-jährige Ex-Bildungsminister François Bayrou von der UDF vertritt moderne Ideen, genießt aber wenig Rückhalt. Der 56-jährige Alain Madelin von den Liberaldemokraten, einst Chiracs Finanzminister, gilt mit seinem radikal marktwirtschaftlichen Kurs als Außenseiter. Die 58-jährige Christine Boutin setzt vor allem auf Familienwerte.

Le Pen macht sein früherer Parteivize und Chefideologe Bruno Mégret Konkurrenz. Der 52-Jährige versucht rechtsradikale Ideen im Bündnis mit den konservativen Parteien salonfähig zu machen.

Der 58-jährige Konservative Jean Saint-Josse geht für die Jäger auf Stimmenfang. Seine Partei kam bei der Europawahl 1999 auf 6,8 Prozent.

Die 50-jährige Christiane Taubira bewirbt sich als erste schwarze Frau um das Präsidentenamt. Die linksgerichtete Kandidatin ist Parlamentsabgeordnete aus dem Übersee-Departement Französisch-Guyana.

Als letzte Bewerberin meldete sich die 50-jährige konservative Ex-Umweltministerin Corinne Lepage.

Verfassungsrat als Hürde

Die Kandidaten mussten dem Verfassungsrat 500 Unterstützungsunterschriften von Mitgliedern gewählter Körperschaften (Parlament, Wirtschafts- und Sozialräte, Regionalräte, Bürgermeister) vorlegen. Der Wirtschaftsjournalist Nicolas Miguet scheiterte an dieser Hürde. Er wollte mit dem Versprechen drastischer Steuersenkungen auf Stimmenfang gehen. Auch für den konservativen Exinnenminister Charles Pasqua reichte es nicht.

Zahlreiche weitere kleine Bewerber konnten nicht vor dem Verfassungsrat bestehen. Mit Antoine Waechter und Brice Lalonde streckten zwei Veteranen der Umweltbewegung die Waffen. Exstripperin Cindy Lee von der "Lustpartei" kann für ihre Forderung eines nationalen Tags der Liebe keine Stimmen sammeln. Auf der Strecke blieben zudem Ange Piccolo mit seinem Vorschlag, allen Verbrechern zur Überwachung einen Chip zu implantieren, und Blaise Hersent-Lechatreux, der die Wähler dazu aufrief, einen leeren Stimmzettel abzugeben. (wga)

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