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Politik

Kandidat des Konsens

Nach fünf Jahren Amtszeit der Irin Mary Robinson übernimmt der Brasilianer Sergio Vieira de Mello das Amt des UN-Hochkommissars für Menschenrechte. Ein schwierige Aufgabe, sagt er selbst.

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Übernimmt keine leichte Aufgabe: de Mello

De Mello ist ein erfahrener und belesener Mitarbeiter. Seit drei Jahrzehnten schon arbeitet der Vater zweier Söhne bei den Vereinten Nationen. Nach dem Abitur in Rio de Janeiro studierte er in Paris Literatur und Philosophie und fing direkt nach dem Examen beim UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) in Genf als Redakteur an. Nebenbei promovierte er gleich zwei Mal.

Erfahren im UN-Dienst

Für das UNHCR war an den verschiedensten Plätzen der Welt im Einsatz: Bangladesch, Zypern, Sudan waren nur einige Stationen. In Peru war er Regionalchef des UNHCR für das nördliche Lateinamerika, Anfang der neunziger Jahre verantwortlich für Flüchtlingsfragen im Ruandakonflikt. 1996 wird de Mello stellvertretender UN-Hochkommissar für Flüchtlinge. 1998 und 1999 leitete er die UN-Mission im Kosovo und plädierte ausdrücklich für eine multi-ethnische Zukunft der serbischen Südprovinz.

Eine Laufbahn also, die den gutaussehenden Brasilianer perfekt erschienen ließ für den Posten des Hochkommissars für Menschenrechte. So schlug ihn UN-Generalsekretär Kofi Annan als Nachfolger von Mary Robinson vor.

Erfolge in Osttimor

Vor allem seine Arbeit als UN-Verwalter in Osttimor, bei der er die UN-Mission leitete, überzeugten auch Kritiker. Der Brasilianer setzte sich erfolgreich für freie Wahlen auf dem Weg in die Unabhängigkeit des Landes ein. De Mello ist deshalb in Flüchtlings- und Verwaltungsfragen als Experte anerkannt.

Tränen für Vorgängerin Mary Robinson

Doch seine neue Position wird nicht einfach, auch wenn er als "Konsenskandidat" ausgewählt wurde, nachdem Vorgängerin Mary Robinson offene Kritik auch an den USA, Russland und China geübt und dafür Beifall vornehmlich aus der Dritten Welt und von Menschenrechtsorganisationen erhalten hatte. Vieira De Mello will nach eigenen Angaben zwar ebenso unabhängig agieren, aber Konfrontationen mit den Großmächten vermeiden, weil diese "dramatische Folgen" haben würden. Und spielt damit vor allem auf die Menschenrechts-"Grauzonen" bei der Terrorismusbekämpfung an. "Der Druck wird immens sein, ich übernehme ein heikles Amt mit großen politischen Risiken, werde um viele Klippen fahren müssen", sagte Vieira de Mello jüngst in seinem Heimatland.

Internationale Menschenrechtsgruppen, die Robinson mehr als eine Träne nachweinen, werden die Arbeit des neuen Kommissars mit Argusaugen beobachten. Human Rights Watch qualifizierte ihn bereits als "Apparatschik" ab, der sich den internen Spielregeln der UN werde unterwerfen müssen. Ob dem so ist, wird sich zeigen. (pt)

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