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Aktuell Afrika

Kampf gegen Terror: Tunesien stellt Grenzwall fertig

Mehrfach war Tunesien im vergangenen Jahr Ziel von Terror-Attacken - mutmaßlich von Tätern, die aus Libyen kamen. Die Regierung reagierte schnell und ließ die Grenze zum Nachbarland befestigen - in Rekordzeit.

Im März das Attentat im Nationalmuseum, im Juni die Attacke auf Touristen in Sousse, im November der Anschlag auf einen Bus - gleich dreimal geriet Tunesien 2015 in das Visier von Terroristen. Und jedes Mal führten die Spuren der Attentäter nach Libyen. Im Sommer beschloss die tunesische Regierung deshalb, die Grenze zum Nachbarland zu befestigen, das seit fünf Jahren im Chaos versinkt.

Gut ein halbes Jahr später ist die neue Sperranlage so gut wie fertig. Sie besteht aus Sandwällen und Wassergräben und erstreckt sich vom Grenzübergang Ras Jedir an der Mittelmeerküste bis nach Dhiba 200 Kilometer weiter südwestlich. Damit ist nun etwa die Hälfte der Grenze zu Libyen vor allem für Fahrzeuge nicht mehr problemlos zu überqueren. Die Schutzwälle sind teilweise mehrere Meter hoch.

Elektronische Aufrüstung geplant

Damit könne Tunesien nun "aktiv und effizient gegen den Terrorismus kämpfen" und die illegale Einreise von Extremisten aus dem Nachbarland eindämmen, sagte Verteidigungsminister Farhat Horchani jetzt bei einem Besuch an der Grenze. Und die Anlage soll noch weiter aufgerüstet werden.

Verteidigungsminister Farhat Horchani (Mi) mit Soldaten - Foto: Fethi Belaid (afp)

Verteidigungsminister Horchani (Mi) mit Soldaten: "Aktiv und effizient gegen Terrorismus"

Zusammen mit deutschen und amerikanischen Militärtechnikern werde die Barriere nun mit einem Überwachungssystem ausgestattet, berichtete die tunesische Staatsagentur Tap unter Verweis auf Angaben des Verteidigungsministeriums.

Für den Bau hatte sich die Regierung nach der Terrorattacke bei Sousse entschieden, bei der im Juni 38 Menschen starben. Der islamistische Attentäter hatte vor einem Strandhotel des Küstenorts Port El Kantaoui gezielt auf ausländische Touristen geschossen. Der Tunesier soll in Libyen ausgebildet worden sein. In dem Bürgerkriegsland kämpfen zahlreiche tunesische Extremisten in den Reihen dschihadistischer Milizen.

Auch der Angriff auf das Nationalmuseum in der Hauptstadt Tunis geht wohl auf das Konto von Terroristen des sogenannten "Islamischen Staates" (IS). Dabei waren im März 20 Touristen und ein Polizist ermordet worden. Der IS bekannte sich außerdem zu einem Bombenanschlag auf einen Bus in Tunis, bei dem im November zwölf Mitglieder der Präsidialgarde getötet wurden.

Erste Erfolge gegen Schmuggler

Libyen wird seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 von zahlreichen bewaffneten Milizen beherrscht. Zwei rivalisierenden Regierungen und Parlamenten ringen um die Macht. Den USA zufolge befinden sich mittlerweile 5000 IS-Kämpfer in dem nordafrikanischen Land.

Bislang war Tunesiens 500 Kilometer lange Grenze zu Libyen durchlässig für Waffenschmuggler und Milizionäre. Die neue Absperrung scheint schon zu wirken: Aus Sicherheitskreisen verlautete, die Anlage habe bereits zu einem Rückgang des Schmuggels geführt.

AR/se (afp/dpa/Reuters)

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