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Aktuell Afrika

Kampf gegen Boko Haram trifft zahlreiche Unschuldige im Niger

Man kennt das von anderen Krisenregionen: Piloten von Kampfjets halten Zivilisten für Terroristen - und feuern los: Nun mussten bei einem derartigen Zwischenfall im Niger mehr als 30 Menschen ihr Leben lassen.

Protest gegen Boko Haram in der nigrischen Hauptstadt Niamey (Foto: AFP/Getty Images/B. Hama)

Protest gegen Boko Haram in der nigrischen Hauptstadt Niamey

Bei einem Luftangriff auf ein Dorf nahe der nigerianischen Grenze sind im Niger bis zu 37 Menschen getötet und fast 30 verletzt worden. Ein "nicht identifiziertes" Flugzeug habe das Dorf Abadam am Dienstag während einer Beerdigungszeremonie in der Nähe der Moschee des Ortes beschossen, teilten örtliche Behördenvertreter erst jetzt mit. Die Zivilisten seien fälschlicherweise für Terroristen gehalten worden.

Offenbar handelte es sich um ein versehentliches Bombardement durch nigerianische Kampfflugzeuge, die Kämpfer der islamistischen Terror-Organisation Boko Haram über die Grenze verfolgt hatten. Es wäre der erste solche Zwischenfall im Kampf gegen Boko Haram. In der Region kämpfen nigrische und nigerianische Truppen gemeinsam gegen die Miliz.. Die nigerianische Armee wies eine Veranwortung für den Zwischenfall bislang von sich.

Armee: 300 Boko-Haram-Kämpfer getötet

Die nigerianischen Streitkräfte teilten auch mit, dass sie bei Gefechten im Nordosten des Landes 300 Boko-Haram-Kämpfer Haram getötet hatten. Bei den Gefechten zur Rückeroberung des wichtigen Verkehrsknotenpunkts Monguno in den vergangenen Tagen seien auch zwei nigerianische Soldaten getötet und zehn weitere verletzt worden, sagte ein Militärsprecher.

Die Opferzahl konnte nicht unabhängig überprüft werden. Das umkämpfte Gebiet im Bundesstaat Borno, in dem das Kriegsrecht verhängt wurde, ist für Journalisten nicht zugänglich. Dem Sprecher zufolge wurde bei der Rückeroberung der Kleinstadt auch Waffen, Sprengstoff und Munition der sunnitischen Fundamentalisten sichergestellt. Zudem seien fünf gepanzerte Einsatzfahrzeuge und Geländewagen mit Maschinengewehren oder Flugabwehrgeschützen zerstört worden.

Boko-Haram-Anführer kündigt weitere Gewalt an

Boko-Haram-Chef Abubakar Shekau (Foto: picture alliance/AP Photo)

Boko-Haram-Chef Abubakar Shekau

Die Kontrolle über Monguno ist von strategischer Bedeutung, da der Ort auf der Straße von der nordöstlichen Großstadt Maiduguri zum Tschad-See, der Stadt Baga und der tschadischen Grenze liegt. Boko Haram hatte den Ort vor etwa drei Wochen überrannt. Nigeria hatte vergangenen Montag die Rückeroberung gemeldet. Bei der Eroberung der Stadt Baga im Januar hatte Boko Haram Hunderte Menschen getötet.

Boko-Haram-Anführer Abubakar Shekau kündigte unterdessen in einer Videobotschaft neue Anschläge an, um die bevorstehenden Wahlen in Nigeria zu verhindern. Er sagte in dem über Twitter verbreiteten Video, Boko Haram werde die Durchführung der Wahlen nicht erlauben. Die Abstimmung widerspreche dem Willen Allahs. Die Echtheit des Videos konnte nicht unabhängig bestätigt werden.

Wahlen auf 28. März verschoben

Die Präsidentschaftswahlen in Nigeria waren ursprünglich für den 14. Februar geplant. Wegen der schlechten Sicherheitslage wurde der Termin aber in letzter Minute auf Anraten des Militärs um sechs Wochen auf den 28. März verschoben. Die Terrorgruppe hatte ihre Anschläge und Angriffe zuletzt verstärkt. Experten gehen jedoch nicht davon aus, dass sie die Wahlen verhindern könnte.

Boko Haram terrorisiert bereits seit 2009 den Nordosten des ölreichen westafrikanischen Landes. Die Gruppe will dort und in den angrenzenden Gebieten der Nachbarländer einen Gottesstaat mit strenger Auslegung des islamischen Rechts gründen. Dem Terrorfeldzug der Gruppe sind Schätzungen zufolge mehr als 13.000 Menschen zum Opfer gefallen, rund 1,5 Millionen Menschen sind geflohen.

sti/gmf (afp, dpa, rtr)

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