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Aktuell Afrika

Kairo warnt vor weiterer Destabilisierung Libyens

Die unerbittlichen Kämpfe rivalisierender Milizen in Libyen machen die Nachbarländer zunehmen nervös. Auf einer Krisenkonferenz in Kairo wird der Ruf nach internationalen Interventionen lauter.

Die ägyptische Regierung hat vorgeschlagen, mit internationaler Unterstützung gegen Islamisten in Libyen vorzugehen. Mit gemeinsamen Finanzmitteln solle die libysche Regierung "im Kampf gegen Terrorismus und organisierte Kriminalität" besser ausgerüstet werden, sagte Außenminister Sameh Shoukry in Kairo nach einem Bericht der Nachrichtenseite Al-Masry al-Youm. Auch die Sicherheit der eigenen Länder werde durch Waffenhandel, Schmuggel und das Einsickern von Extremisten und Terroristen im Grenzgebiet gefährdet, sagte Shoukry. Eindringlich forderte er einen Waffenstillstand aller bewaffneten Gruppen und einen nationalen Dialog in Libyen, um die tiefe Spaltung des Landes zu überwinden. Zugleich drängte der Minister die internationale Gemeinschaft, einen Beitrag zur gleichzeitigen Entwaffnung aller Milizen zu leisten.

Der libysche Botschafter in Ägypten, Mohamed Jibril, bat die internationale Gemeinschaft um Unterstützung beim Schutz von Ölfeldern, Flughäfen und anderer staatlicher Güter. Es seien diverse Formen von internationalen Interventionen möglich, vor allem seit Libyen zu schwach sei, um seine Einrichtungen und Naturschätze zu verteidigen.

Der ägyptische Außenminister hatte seinen libyschen Kollegen sowie die Ressortchefs aller Nachbarländer Libyens zu einer Krisenkonferenz nach Kairo eingeladen. Die nordafrikanischen Länder sorgen sich um die Stabilität Libyens seit dem Sturz des Langzeitherrschers Muammar al-Gaddafi.

Flughafen erobert

Erst am Wochenende hatten Kämpfer von Fadschr Libia nach tagelangen Kämpfen den Flughafen von Tripolis eingenommen. Bisher wurde der Airport von den Sintan-Milizen kontrolliert, die der Übergangsregierung nahestehen. Fadschr Libia (Libyens Morgendämmerung) ist eine Koalition verschiedener vorwiegend islamistischer Kräfte. Die Miliz ist verbündet mit der radikal-islamischen Organisation Ansar al-Scharia, die in der ostlibyschen Stadt Bengasi kämpft. Bei den rivalisierenden Milizen handelt es sich um ehemalige Revolutionsbrigaden, die am Sturz Gaddafis beteiligt waren.

Am Montag begannen Kämpfer der Fadschr Libia in der libyschen Hauptstadt Tripolis mit Angriffen auf Wohngebäude. Sie würden Häuser anzünden und deren Bewohner vertreiben, berichtete die Nachrichtenseite Al-Wasat unter Berufung auf Augenzeugen. In den attackierten Vierteln im Westen der Hauptstadt leben Unterstützer des abtrünnigen Armeegenerals Chalifa Haftar. Dessen nationalistisch geprägte Miliz hatte in der sogenannten "Operation Würde" versucht, den verschiedenen Islamistengruppen im Land Einhalt zu gebieten.

Prekäre Sicherheitslage

Mit der Einnahme des Flughafens sinkt die Hoffnung, dass sich die Lage im Land nach der Wahl eines neuen Parlaments Ende Juni beruhigen könnte. Libyen erlebt seit Wochen die schlimmste Gewaltwelle seit dem Ende der Herrschaft Gaddafis im Jahr 2011. Regierung und Armee gelingt es nicht, die Sicherheitslage in den Griff zu bekommen.

Das libysche Parlament erklärte zuletzt die beiden Gruppen Fadschr Libia und Ansar al-Scharia zu Terrororganisationen. Sie stünden außerhalb des Gesetzes und seien ein legitimes Ziel der libyschen Armee, beschlossen die Abgeordneten nach einer Meldung von Al-Wasat. Wegen der Gewalt in Tripolis und Bengasi tagt das Parlament in der weiter östlich gelegenen Stadt Tobruk. Tausende Libyer sind in den vergangenen Wochen vor den Kämpfen vor allem nach Tunesien geflohen. Auch viele Diplomaten haben das Land verlassen. Tunesien und Ägypten haben wegen der anhaltenden Gefechte sämtliche Flüge in das Land eingestellt.

kle/rb (dpa, rtre, afp, ape)