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Wirtschaft

Kaffee wird teurer

2004 war für den deutschen Kaffeetrinker ein billiges Jahr. Gut für die Konsumenten, aber nicht so gut für die Produzenten. Mittlerweile zeichnet sich für beide eine Trendwende ab.

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Ernte in Guatemala

Die Endverbraucherpreise hatten 2004 im Handel das tiefste Niveau seit 50 Jahren erreicht. Mit den Niedrigpreisen beim Kaffee dürfte jetzt Schluss sein, glaubt Winfried Tigges, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Kaffeeverbands. "Wir hatten in den letzten Jahren immer ein Überangebot an Kaffee, das ist diesmal nicht der Fall und es wird auch mittelfristig nicht so sein." Rohkaffee kostet jetzt deutlich mehr. Neben den geringeren Ernten, vor allem in Brasilien - dem größten Produzenten von Rohkaffee - ist der weltweit steigende Verbrauch Schuld an den höheren Preisen.

Keine Entwarnung

Kaffeebohnen im Jutesack

In Deutschland ist der Durchschnittspreis für ein Pfund Kaffee inzwischen auf 3,20 Euro (2004: 2,91) gestiegen. Die höheren Preise könnten dafür sorgen, dass auch Kleinbauern schon bald wieder vom Kaffeeanbau leben können. In den letzten Jahren mussten immer mehr von ihnen nach anderen Einkommensquellen suchen, weil die Produktionskosten über den Verkaufspreisen lagen. Es sei denn die Bauern hatten Glück und konnten ihre Ware an einen der wenigen alternativen Direkteinkäufer verkaufen.

Der aus der Nicaragua-Solidaritätsbewegung entstandene Hamburger Verein "El Rojito" zum Beispiel garantiert Mindestpreise und fördert außerdem Sozial- und Umweltprojekte. Vorstandsmitglied Magnus Kersting will aber trotz der steigenden Weltmarktpreise noch keine Entwarnung geben. "Bis jetzt kommt da nicht viel an, weil es sich dabei ja auch um Preise handelt, wie sie an der Börse gehandelt werden, aber der Kaffee in der Regel von den Produzenten schon zu einem sehr viel früheren Zeitpunkt verkauft wird."

Branchen-Kodex

Dass es länger dauern wird, bis die Bauern wieder gut vom Kaffeeanbau leben können, weiß auch die Industrie. Ihr macht zu schaffen, dass bei niedrigen Preisen die Qualität des Kaffees schlechter wird, betont Winfried Tigges vom Kaffeeverband: "Wenn der Farmer nicht mehr sein Auskommen hat, kann er die Plantage nicht pflegen. Eine ungepflegte Plantage liefert nicht die Qualitäten, die wir brauchen."

Deshalb hat der Verband gemeinsam mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und der Tochter GTZ ein Programm aufgelegt, um dieses zu verändern: der Common Code for the Coffee Community. In ihrem neuen Branchen-Kodex verpflichtet sich die Kaffeeindustrie dazu, bestimmte soziale und umweltschützende Mindeststandards einzuhalten. Garantierte Mindestpreise soll es aber nicht geben.

Gewichtung ändert sich

Die Unternehmen und Vereine des Fairen Handels beobachten die Initiative der Konzerne deshalb mit Skepsis. Und die Organisation FIAN, die sich für das Recht auf Nahrung einsetzt, hat vor kurzem ihre Mitarbeit am Kaffeekodex eingestellt. FIAN kritisiert, dass die Bauern zu wenig Mitspracherechte hätten.

Unterstützung für eine nachhaltigere Kaffeewirtschaft erhofft sich der Deutsche Kaffeeverband von den USA. Verbandsgeschäftsführer Tigges begrüßt es deshalb, dass die Vereinigten Staaten als weltweit größter Importeur vor kurzem in die Internationale Kaffee-Organisation zurückgekehrt sind: "Insofern kann sich da doch einiges verändern, wenn die Gewichtung sich ändert."

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