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Amerika

Küsschen für die Kuschelbären

Rio ist nicht nur Zuckerhut und Christusstatue, die Stadt hat zur WM ein Wahrzeichen dazu bekommen: 145 Berliner Bären ziehen die Touristen in ihren Bann - obwohl die FIFA sie fast verhindert hätte.

Die Copacabana in Rio de Janeiro: Während einen Kilometer entfernt beim

Fifa Fan Fest tausende Fußball-Anhänger ihr Team lautstark anfeuern

, läuft die Brasilianerin Gabriela Logo zwischen bunt bemalten Bären hin und her und schießt ein Foto nach dem anderen: "Wir haben kein Geld für Reisen außerhalb Brasiliens. Aber durch die Bären lernen wir ein wenig über jedes einzelne Land", sagt die Studentin. Dass die 145 bunt bemalten "United Buddy Bear"-Figuren aus Deutschland kommen, weiß sie - wie die meisten Besucher der Ausstellung - nicht.

Die Copacabana ist nur eine von über 20 Stationen, die die Bären bereits hinter sich haben: Warschau, Buenos Aires, Wien, Berlin, Sydney, Sankt Petersburg. Das Projekt wurde vom Ehepaar Eva und Klaus Herlitz initiiert und soll für ein friedliches Zusammenleben und mehr Toleranz zwischen den Völkern dieser Welt werben. Jeder Bär stellt ein Land dar und wurde von einem Künstler des jeweiligen Landes gestaltet.

Kubabär mit Zigarre zieht amerikanischen Touristen an. (Foto: DW/Astrid Prange)

Ein Tourist schießt ein Foto mit dem kubanischen Bären - natürlich mit einer Zigarre im Mund

Besonderes Highlight unter der langen Reihe bunter Bären sind die goldenen. Sie sollen an die goldenen Regeln des menschlichen Zusammenlebens und die internationale Völkerverständigung erinnern. Vor ihnen hat sich eine lange Schlange gebildet. Alle wollen sich unter dem Herz, das die beiden Bären-Statuen miteinander verbindet, fotografieren lassen.

FIFA-Regeln verbannen Bären

Der Leiter des

deutschen Generalkonsulats in Rio de Janeiro

Harald Klein hat sich lange dafür engagiert, dass die Bären sich nun an der Copacabana sonnen können. Er freut sich über den Run auf die Berliner Bären. Denn beinahe wäre das deutsche Bärenfestival beendet worden, bevor es überhaupt begonnen hätte. Der Grund: Die FIFA erlaubt neben ihren offiziellen Sponsoren in einer Bannmeile rund um WM-Austragungsorte wie Stadien oder Fan Feste keine Werbung anderer Firmen.

"Die Verträge mit der FIFA sehen vor, dass in einem Umkreis von einem Kilometer von WM-Veranstaltungsorten keine anderen Sponsoren auftauchen dürfen", erklärt Minister Laudemar Aguiar, der bei der Stadt Rio de Janeiro für internationale Beziehungen zuständig ist. Und da die Bären von verschienden deutschen Firmen wie Lufthansa oder Mercedes Benz gesponsort wurden, will die FIFA auch sie nicht in ihrer Nähe haben.

Nach vielem Hin und Her einigten sich alle Beteiligten noch in letzter Minute auf den Standort am äußersten Ende der Copacabana - genau 1,2 Kilometer vom FIFA Fan Fest entfernt. Der Fortsatz der Copacabana, genannt Leme, erwies sich im Nachhinein als Top-Location. Denn der Stadtteil, der nicht unter lärmendem Durchgangsverkehr leidet, gleicht einer friedlichen Oase mitten im WM-Trubel.

Mehr Aufmerksamkeit durch WM

Ursprünglich sollten die "Buddy Bears" von Ende April bis Ende Mai an der Strandpromenade Copacabana stehen und krönender Abschluss des

Deutschlandjahres in Brasilien

sein. Das Deutschlandjahr war im Mai 2013 von Bundespräsident Joachim Gauck in São Paulo eröffnet worden.

Doch Rios Konsul Harald Klein wollte die WM nutzen, um den Bären zusätzliche Besucher zu bescheren.

"Rio steht durch die WM nicht nur national, sondern auch international im Fokus,

und das führt dazu, dass mehr Besucher die Ausstellung sehen, nicht nur Brasilianer, sondern auch WM-Touristen", sagt Klein. "Diese zusätzliche Attraktivität schätzen wir sehr."

Panorama der Bären am Strand von Leme, Copacabana Rio de Janeiro . (Foto: Astrid Prange)

145 Bären zieren die Strandpromenade Copacabana

Nach den Problemen mit der brasilianischen Bürokratie hält Klein schon jetzt für alle Städte, die die Bären in Zukunft zu sich holen wollen, zwei wichtige Ratschläge parat. Lektion Nummer eins: "Man muss sehr früh anfangen mit der Organisation. Es gibt da so viele Details zu beachten und zu berücksichtigen, dass man das vielleicht unterschätzt."

Lektion Nummer zwei: "Ich würde die Frage des Standortes mit den Autoritäten des Landes frühzeitig klären und möglichst auch schriftlich fixieren, damit es keine Überraschungen in letzter Minute gibt."

Über eine Million Besucher haben sich die Bären bereits angeschaut. Außerdem finden rund um die Bären Veranstaltungen wie Workshops und Wettbewerbe statt. Rio de Janeiros Auslandssekretär Laudemar Aguiar ist zufrieden mit der bärenstarken Kulturkooperation.

Noch bis zum 20. Juli stehen die Bären an der Copacabana, dann treten sie ihre Heimreise nach Berlin an. Acht Großcontainer stehen schon für die Figuren bereit, damit sie unbeschadet den Atlantik überqueren.

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