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Kultur

Kölner Dada-Kunst kehrt zurück

Die Arbeiten der Kölner Künstlerin Angelika Hoerle werden 90 Jahre nach ihrem Entstehen in ihrer Heimatstadt ausgestellt. Sie erzählen von einer Familiengeschichte und einer kraftvollen, kurzen Künstlerkarriere.

Zwei Frauenköpfe im Profil, Graphit auf Papier (Foto: Fick-Eggert Collection)

In sich gekehrte Gesichter, eine verdrehte Frauenfigur und ein Mann, der seinen Augapfel in der Hand hält: Die Zeichnungen der Kölner Künstlerin zeigen oft skizzenhafte Figuren. Sie halten die Schwebe zwischen zeitkritischem Kommentar und humorvoller Beobachtung. Die Bilder der früh verstorbenen Angelika Hoerle sind eine kunsthistorische Entdeckung. Sie bergen nicht weniger als die facettenreiche Geschichte einer weiblichen Ausnahmekünstlerin am Ende des ersten Weltkrieges.

Eine junge Frau behauptet sich

Graphit-Zeichnung eines Akrobaten auf Papier (Foto: Art Gallery of Ontario)

Elastikakt, 1921

Der Ausstellungsraum im Museum Ludwig ist nicht größer als ein gutbürgerliches Wohnzimmer. Doch hier hängen Zeichnungen und Drucke, die auf ein fesselndes Stück deutscher Kunstgeschichte verweisen: die Zeit der Dada-Bewegung in den Anfangstagen der Weimarer Republik. Die Kunstform "Dada" stemmte sich ab 1916 mit hintergründigem Humor gegen den Wahnsinn der Zeit, gegen Militarismus und vor allem gegen die etablierte, bürgerliche Kunst. Die 20jährige Angelika Hoerle und ihr Mann, der bekannte Dada-Künstler Heinrich Hoerle, gehörten damals zum engen Zirkel der Kölner Künstlergruppe "stupid" um Max Ernst. Angelika wird 1899 geboren, als Jüngste von vier Geschwistern. Sie wächst in einer bewegten und brutalen Zeit auf: Erster Weltkrieg, Novemberrevolution und Räterepublik. Die Menschen sind aufgepeitscht und verunsichert. Die mutige, humorvolle Frau muss sich im Männerbund der Kölner Künstler um den Star Max Ernst behaupten. Sie wird zum Sprachrohr der Frauen innerhalb der Gruppe. Zeitgleich erhalten Frauen das allgemeine Wahlrecht in Deutschland. Angelika Hoerle arbeitet, trotz ihres jungen Alters, mit großem politischem Engagement, Überblick für gesellschaftliche Verhältnisse und ganz gewiss: mit Leidenschaft.

Die Bilder in der Zeitkapsel

Graphit auf Papier (Foto: Art Gallery of Ontario)

Geteilter Tierkopf, 1922

Die Dinge nehmen jedoch kein gutes Ende. Max Ernst geht nach Paris und Protagonisten der Szene, wie Johannes Theodor Baargeld, geben die Kunst ganz auf. Die Dada-Zeit in Köln ist damit vorbei. Auch im Privaten zerbrechen die Strukturen: Heinrich Hoerle verlässt seine Frau Angelika, was offiziell wegen ihrer Tuberkulose geschieht. Der eigentliche Grund ist jedoch seine Eifersucht auf ihr Talent. 1923 stirbt Angelika Hoerle mit gerade 24 Jahren in Köln. Ihr Bruder, Willy Fick, bringt ihre Bilder in den 30er Jahren vor den Nazis in Sicherheit. Diese stellen Werke von Max Ernst und Heinrich Hoerle als "entartete Kunst" in München aus. Fick versteckt die Bilder seiner Schwester in einer Gartenhütte in Köln und will damit vergessen, was geschehen ist.

Ein Kreis schließt sich

Portrait von Angelika Littlefield aufgenommen im Museum Ludwig, Köln (Foto: DW/ Daniel Müller)

Angelika Littlefield

Mitte der 60er Jahre erkrankt er schwer und nimmt Kontakt mit seinen einzigen Verwandten auf: Der Familie Eggert in Kanada. Fick entschließt sich, dorthin auszuwandern und nicht mehr zurückzukehren. Beim Umzug soll ihm die Tochter der Eggerts helfen: die 20-jährige Angelika. Als sie 1967 nach Köln kommt, entdeckt sie nicht nur ihre eigene Familien-Geschichte, sondern auch die kostbaren Bilder ihrer Großtante. So rettet die junge Frau einen kleinen, aber bedeutsamen Teil deutscher Kunstgeschichte für die Nachwelt.

Mit dieser Ausstellung hat sich für die 62jährige Kuratorin Angelika Littlefield ein Kreis geschlossen. Und – sie vermutet sogar noch weitere Arbeiten ihrer Großtante im Rheinland.

Autor: Daniel Müller

Redaktion: Conny Paul

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