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Afrika

Junger Minister gibt Tansanias Albinos Hoffnung

Abdallah Possi ist der erste Albino in einem hohen politischen Amt in Tansania. Der stellvertretende Minister im Büro des Regierungschefs will Vorbild sein - in einem Land, in dem Albinos Opfer von Gewalt werden.

Abdallah Possi ist 36 und promovierter Anwalt. Im Büro des Premierministers soll er jetzt das politische Alltagsgeschäft organisieren und sich auch um die Belange von Menschen mit Behinderungen kümmern. Ein Ruf eilt ihm voraus. "Er ist ein bodenständiger junger Mann, der sich ganz der Verteidigung der Menschenrechte verschrieben hat", sagt Elias Mugisha, ein Anwaltskollege aus Dar Es Salaam.

Tansania Albinismus Abdallah Possi (Foto: A. Possi)

Abdallah Possi hat Jura unterrichtet, bevor er in die Politik wechselte

Mit der Ernennung von Possi zum stellvertretenden Minister will Tansania ein Zeichen setzen. Albinos sind in dem ostafrikanischen Land immer wieder Diskriminierung und Gewalt ausgesetzt. Im vergangenen Jahrzehnt wurden laut Angaben der Vereinten Nationen mehr als 70 Albinos brutal ermordet. Traditionelle Heiler und ihre gläubigen Kunden versprechen sich von blutigen Ritualen mit Körperteilen der Albinos Glück und Wohlstand. Possi kämpft öffentlich gegen diesen Aberglauben. Die anhaltende Verfolgung der Albinos hat laut Possi mit der Angst vor dem Unbekannten zu tun. "Albinismus ist ein genetischer Defekt, aber die meisten Menschen in den Dörfern verstehen das nicht. Wenn Körperteile von Albinos wertvoll wären, dann wäre ich reich", sagt Possi im Gespräch mit der DW.

Ausgegrenzt und beschimpft

Laut Schätzungen ist weltweit einer von 20.000 Menschen ein Albino, in Sub-Sahara-Afrika ist diese Zahl höher. In Tansania leidet etwa einer von 1400 Einwohnern an der angeborenen Stoffwechselerkrankung, bei der Pigmente in der Haut, den Haaren und Augen fehlen. "Als kleiner Junge haben mich die Kinder gehänselt und versucht, mir in die Haut zu kneifen", sagt Possi.

Auch eine andere Begebenheit hat sich ihm ins Gedächtnis gebrannt: Seine Mutter, Professorin für Psychologie an der Universität von Dar Es Salaam, sei vor Jahren mit ihm spazieren gegangen und habe gehört, wie ein anderes Kind ihren Sohn "Mzungu" nannte. Das bedeutet "Weißer" auf Kisuaheli. Seine Mutter sei entsetzt gewesen und habe die Eltern des Kindes zur Rede gestellt. Die hätten ihren Sohn dann als "Kind des Teufels" beschimpft.

UNICEF Foto des Jahres 2009 (Foto: AP)

In Tansania werden Albinos oft diskriminiert

Es sind Erinnerungen und Erfahrungen wie diese, die Possi geprägt haben. Er studierte Rechtswissenschaften an der Universität von Dar Es Salaam, lehrte später an der Universität von Dodoma und promovierte 2014 an der Friedrich Alexander Universität in Nürnberg in Verfassungsrecht. Possi ist der erste Albino in Tansania, der einen Doktortitel besitzt.

Als Politiker will er sich jetzt für Minderheiten und Menschenrechte stark machen. "Die meisten Leute wissen nicht, dass Albinismus ein Teil der menschlichen Vielfalt ist", sagt er. "Wir müssen unser Verhalten ändern, so dass alle Volksgruppen in Frieden zusammenleben können."

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