Juden und Muslime zwanzigmal häufiger Opfer von Straftaten als Christen | Aktuell Deutschland | DW | 16.02.2018
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Kriminalität

Juden und Muslime zwanzigmal häufiger Opfer von Straftaten als Christen

Das Bundeskriminalamt hat im vergangenen Jahr 127 christenfeindliche Angriffe dokumentiert. Gegen Muslime und Juden gab es 2017 allerdings zusammen mehr als 2500 Straftaten.

Polizei bewacht in Berlin die Synagoge in der Oranienburger Straße (picture-alliance/dpa/Maurizio Gambarini)

Polizisten bewachen die Synagoge in der Oranienburger Straße in Berlin

In Deutschland hat es im vergangenen Jahr jeweils fast zehnmal öfter gezielte politisch motivierte Angriffe auf Juden und Muslime als auf Christen gegeben. Dies berichtete die "Mitteldeutsche Zeitung" unter Berufung auf eine Antwort der Regierung auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion. Demnach gab es im vergangenen Jahr nach Zahlen der Kriminalpolizei 1495 antisemitische Straftaten, 1069 mit islamfeindlichem Hintergrund und 127 Taten gegen Christen.

Die Anzahl der Übergriffe auf Christen war vor knapp zwei Wochen durch Berichte der Zeitungen der Funke-Mediengruppe unter Berufung auf Zahlen des Bundeskriminalamts bekannt geworden. Demnach zählten zu den Taten gegen Christen ein Mord, neun Körperverletzungen und ein Fall von Brandstiftung. Das Bundesinnenministerium teilte vor rund zwei Wochen außerdem in einer Antwort auf eine AfD-Anfrage mit, dass von den 97 politisch motivierten Straftaten unter der Rubrik "christenfeindlich" in 25 Fällen Angriffe auf christliche Kirchen und christliche Symbole wie Wegekreuze, Halsketten oder Kruzifixe erfasst worden seien.

"Besorgniserregende" Zahlen

Die Zahlen lösten ein breites Echo aus. CDU-Innenexperte Ansgar Heveling bezeichnete sie als "alarmierend". Die innenpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Irene Mihalic, nannte die Zahlen "besorgniserregend". In der "Mitteldeutschen Zeitung" kritisierte sie die Bundesregierung. Indem diese nur die Zahl der antichristlichen Straftaten über die Medien verbreitet habe, habe sie für eine "Unwucht in der Debatte" gesorgt. Die viel größeren Dimensionen der antisemitischen und antiislamischen Taten seien unerwähnt geblieben, sagte Mihalic. Das Ausblenden dieser Übergriffe sei gefährlich, da die vereinfachte Darstellung "rechtsextremen Vereinfachern massiv in die Hände" spiele.

Acht Taten in Asylunterkünften

Nach Angaben der Funke-Zeitungen wurden in mindestens 14 Fällen "christenfeindliche Straftaten" zwischen Asylbewerbern und Flüchtlingen begangen. Davon wurden acht Taten in Asylunterkünften verübt. Der Tötungsfall hatte sich im April 2017 in Prien am Chiemsee ereignet. Dort soll ein afghanischer Asylbewerber eine afghanische Asylbewerberin erstochen haben. Das Opfer war zum Christentum konvertiert.

Das Bundesinnenministerium wies darauf hin, dass die Zahlen vorläufig seien. Eine Gesamtbilanz über politisch motivierte Gewalttaten, die sich gegen Christen, Muslime, Sinti und Roma oder Juden richten, will das BKA im März vorstellen. Nach früheren Meldungen über Angriffe hatte Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) darauf gedrängt, sie 2017 erstmals gesondert erfassen zu lassen.

mb/sti (afp, kna)