Jerome Boateng: ″Meine Töchter sagen, ich soll mehr Tore schießen″ | Fußball | DW | 16.02.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Bundesliga

Jerome Boateng: "Meine Töchter sagen, ich soll mehr Tore schießen"

Jerome Boateng ist zum echten Anführer gereift - beim FC Bayern München und im DFB-Team. Im DW-Interview spricht er über seinen Traum von der WM-Titelverteidigung, sein Faible für Mode und seine Rolle als Vater.

Video ansehen 09:36
Jetzt live
09:36 Min.

Kres meets … Jérôme Boateng

Weltmeister, Klubweltmeister, Champions-League-Sieger, fünffacher Deutscher Meister, dreifacher Pokalsieger: Jerome Boateng hat schon (fast) alles in seiner Karriere erreicht. Doch einem seiner größten Fans reicht das noch lange nicht. "Meine Töchter sagen, ich soll mehr Tore schießen", sagt Boateng im exklusiven DW-Interview mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Die Ansprüche der jungen Damen sind hoch, doch der Nationalverteidiger kann damit umgehen. Schließlich zeichnet ihn selbst ein großer Ehrgeiz aus, er ist Teil seines Erfolgsgeheimnisses.

Nichts weniger als den Titel nimmt sich Boateng für die anstehende Fußball-Weltmeisterschaft in Russland vor: "Ich freue mich sehr auf die WM. Natürlich wollen wir sie wieder gewinnen, aber das wird sehr schwer. Wir haben ein junges Team mit einem guten Mix aus erfahrenen und neuen Spielern." Im Nationalteam ist er längst zu einer zentralen Stütze des Teams gereift, im Verein ohnehin. Boateng, der im persönlichen Gespräch bisweilen immer noch zurückhaltend, leise, manchmal gar schüchtern wirkt, ist auf dem Feld ein echter Leader. Er strahlt im Defensivverhalten Ruhe aus und ist zugleich zu einem Ausgangspunkt der Spieleröffnung geworden. Das zeigt er auch aktuell mit teilweise hervorragenden Leistungen in der Bundesliga-Rückrunde.

"Wenn Du es nach oben schaffen willst, musst Du hart an Dir arbeiten"

Video ansehen 01:27
Jetzt live
01:27 Min.

Jerome Boateng: "Du musst hart an Dir arbeiten"

Fehler unterlaufen dem 29-Jährigen seltener, sein Spiel wirkt gefestigt. Er selbst führt diese Tatsache auf einen Umstand zurück, der nichts mit Technik oder Taktik zu tun hat. "Vater zu sein, hat mein ganzes Leben verändert. Seitdem ich zwei Töchter habe, bin ich komplett", so Boateng, dessen Töchter inzwischen zur Schule gehen. "Vieles in meinem Privatleben dreht sich um die beiden, mein ganzer Tagesablauf hat sich geändert. Aber ich wollte immer ein junger Vater sein und es nun zu sein, darauf bin ich sehr stolz." Das beinhaltet auch völlig neue Lektionen für den Papa: "Als ich meine Töchter vor zwei Wochen von der Schule abgeholt habe, hat sie erstmals von einem Jungen erzählt. Ich dachte nur: 'Aaahhhh!'", erzählt er mit einem lauten Lachen.

Der Weg an die Spitze war lang für Boateng. Zwar hatte er anders als seine Halbbrüder einen leichteren Start ("Kevin-[Prince] und George hatten es viel schwerer als ich. In [Berlin-]Wedding aufzuwachsen ist anders als in [Berlin-]Wilmersdorf"), aber die Erinnerungen an die Entbehrungen der Jugend sind noch frisch: "Deine Freunde wollen Party machen und nachts um die Häuser ziehen, Spaß haben, Mädchen… Aber genau in dieser Zeit musst Du Dich fokussieren. Du hast Schule, Du musst in den Nachwuchsteams Deine Leistung bringen", sagt Boateng, der klar macht: "Wenn Du es nach oben schaffen willst, musst Du hart an Dir arbeiten."

Fußball Jerome Boateng von Bayern München (Getty Images/V.Z. Celotto)

Dressman Boateng: "Er öffnet Türen"

"Er öffnet Türen"

Boateng arbeitete sich nach oben: Von den Jugendteams bei Hertha BSC über den Hamburger SV in die Premier League zu Manchester City und kurz darauf zurück in die Bundesliga zum FC Bayern. Der Ausflug nach England war geprägt von Rückschlägen und Verletzungen. Die waren langen Zeit ein bremsender Faktor in seiner Karriere. "Es gab diese Zeiten, in denen es einfach nicht lief, wie ich es wollte. Als ich jünger war, hatte ich Rückenprobleme. Ich glaube, es lag daran, dass ich einfach sehr schnell gewachsen bin", erinnert sich der Innenverteidiger. "Du musst einfach an Dich glauben."

Screenshot Twitter Jerome Boateng (Twitter/Jerome Boateng)

Wade der Nation: Boateng ließ sich seinen größten Erfolg in die Haut stechen

Das tut Boateng. Auch an seine Karriere nach der Karriere. Ihm gelingt es bereits jetzt, seine Bekanntheit in Kapital umzuwandeln und dabei gleichzeitig eine private Leidenschaft zu verfolgen. Boateng, der schon als Teenager ein Faible für Schuhe und Klamotten hatte ("Ich konnte nie genug Schuhe haben und meine Mutter sagte mir, dass ich ein Schuhgeschäft eröffnen soll"), hat längst sein eigenes Modelabel gestartet. Dank der Beratung durch Rapper Jay Z vertreibt er seine Marke inzwischen auch auf dem US-Markt, nach eigener Aussage mit Erfolg. "Das ist unglaublich. Es war ein Traum von mir, mit ihm zu arbeiten. Jay Z ist einer der größten Stars der Welt und ich habe größten Respekt für ihn. Inzwischen reden wir wie Freunde." Eine weitere Laufbahn nach dem Fußball im Show-Business scheint durchaus möglich. Michael Yormark, der Chef der Marketing-Firma Roc Nation, die neben Jerome Boateng auch Stars wie Rihanna, Shakira oder Kevin Durant betreut, ist überzeugt: Jerome ist einer der besten Spieler der Welt. Aber er ist noch mehr, steht auch für Mode, Unterhaltung und Musik. Das alles macht ihn sehr gut vermarktbar. Er öffnet Türen."

Boateng, der sich kürzlich den Nacken und Hinterkopf mit einem riesigen Mandala-Tattoo verzieren ließ, feilt weiter an seinem Image als Star mit Qualitäten jenseits des Spielfelds. Während einer seiner Verletzungspausen nutzte er die Zeit, um seine eigenen Brillen zu konzipieren, jene schrill-hippen Retromodelle, die längst zu seinem Markenzeichen geworden sind. Ob ihn all das nicht manchmal von seinem Sport ablenkt? "Ich mache es einfach nur auf meine Art. Das alles ist Teil meines Lebens."

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema