1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Fokus Osteuropa

Jelzin, ein "treuer Freund der Deutschen"

"Große Dienste, große Fehler": Nach dem Tod von Boris Jelzin kamen Reaktionen aus aller Welt. Weggefährten und Politiker würdigten den ersten demokratisch gewählten Präsidenten Russlands - einige kritisierten ihn

Jelzin und Kohl laufen im April 1997 durch eine Menschenmenge in Baden Baden. Jelzin winkt den Menschen zu

Jelzin und Kohl im April 1997

Jelzins vermutlich größter Widersacher war einer der ersten, der sich nach Bekanntgabe dessen Todes äußerte. Ex-Präsident Michail Gorbatschow würdigte die Verdienste Jelzins: "Ich spreche der Familie des Toten mein Beileid aus. Er hat dem Land große Dienste geleistet, aber auch große Fehler begangen", sagte Gorbatschow nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Interfax. Er nannte Jelzin "eine tragische Figur." Jelzin hatte Gorbatschow 1991 im Kreml beerbt, die Feindschaft zwischen beiden dauerte bis zuletzt fort.

Gorbatschow und Jelzin schütteln sich im August 1991 nach einem Treffen die Hände

Mit Gorbatschow 1991

Der amtierende russische Präsident Wladimir Putin, dem Boris Jelzin den Weg in sein Amt geebnet hatte, indem er ihn zunächst zum Ministerpräsidenten machte und ihn dann als seinen Wunschnachfolger ins Spiel brachte, telefonierte mit Jelzins Witwe Naina. Er sprach ihr und ihrer Familie sein "tiefstes und aufrichtigstes Beileid" aus.

Aus ganz Russland gab es Reaktionen auf den Tod des ersten demokratisch gewählten Präsidenten des Landes. Der Chef der russischen Journalisten-Union, Igor Jakowenko, sagte, Jelzin habe den Russen die Freiheit gegeben. "Heute sind die wilden, freien und berauschenden 1990er Jahre zu Ende gegangen", sagte Jakowenko.

Putin übergibt Jelzin zum 70. Geburstag einen Blumenstrauß

Wunschnachfolger Putin

Der liberale Politiker und frühere Vizeregierungschef Boris Nemzow betonte, dass Jelzin sein Land geliebt habe. Er nutzte die Würdigung Jelzins zu einer Kritik an Putin: Unter dem jetzigen Präsidenten seien viele der Freiheiten, für die Jelzin gekämpft habe, wieder eingeschränkt worden. Der russisch-orthodoxe Patriarch Alexi II. sagte, Jelzin habe zur russischen Geschichte einen wichtigen Beitrag geleistet. Er habe den Menschen die Möglichkeit geben, in ihrer religiösen Tradition für ihr Land zu wirken.

Beileid für "ganz Russland"

Auch aus Ausland kamen zahlreiche Beileidsbekundungen. Jelzin sei eine "historische Figur während einer Zeit großen Wandels und Herausforderungen für Russland" gewesen, sagte der Sprecher des Weißen Hauses für nationale Sicherheit, Gordon Johndroe, in Washington. Er sprach nicht nur der Witwe Jelzins und seinen Angehörigen, sondern "ganz Russland" sein Beileid aus.

Kohl und Jelzin stehen 1997 bei einem Treffen in Russland nebeneinander und posieren für Fotographen. Im Hintergrund die deutsche und russische Fahne

Freunde: Kohl und Jelzin

Der deutsche Altkanzler Helmut Kohl verband während seiner Amtszeit eine enge Freundschaft mit Jelzin, die auch gemeinsame Saunabesuche einschloss. Den Tod des russischen Ex-Präsidenten hat er als "schweren Verlust" bedauert. "Ich selbst erinnere mich gern an viele menschlich herzliche und politisch wertvolle Begegnungen, bei denen er ein verlässlicher Partner und treuer Freund der Deutschen war," sagte Kohl.

"Tief empfundene Trauer" in Deutschland

Bundeskanzlerin Angela Merkel verfasste ein Kondolenzschreiben an Wladimir Putin. "Boris Jelzin war eine große Persönlichkeit der russischen und internationalen Politik, ein mutiger Kämpfer für Demokratie und Freiheit und ein wahrer Freund Deutschlands," schrieb sie darin. Sein Beitrag zur Entwicklung der Beziehungen zwischen Russland und Deutschland bleibe unvergessen. "Wir werden ihn in ehrendem Gedenken halten", schrieb sie weiter.

Auch Bundespräsident Jürgen Köhler schickte Putin ein Kondolenztelegramm: "Wir Deutsche sind ihm zutiefst dankbar für den Beitrag, den er durch seine mutigen Entscheidungen zur Deutschen Einheit geleistet hat." Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier meldete sich vom EU-Ratstreffen in Luxemburg zu Wort. "Boris Jelzins staatsmännischem Wirken gilt meine besondere Wertschätzung." Steinmeier trat zugleich dem Eindruck entgegen, die Demokratie in Russland habe sich seit der Jelzin-Zeit verschlechtert. Auch damals habe es "Widersprüche" gegeben. Auch Bundespräsident Köhler

Jelzin habe Russland "in die europäische Familie gemeinsamer Grundwerte wie Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit gebracht", sagte der Präsident der parlamentarischen Versammlung des Europarates, René van der Linden. Der Präsident der Europäischen Kommission, Jose Manuel Barosso, nannte Jelzin eine Schlüsselfigur in der postkommunistischen Ära Russlands. Jelzin habe Ost und West einander näher gebracht und dabei mitgewirkt, Konfrontation durch Kooperation zu ersetzen. (mad)

Die Redaktion empfiehlt