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Wirtschaft

Japans Wirtschaft steht auf der Kippe

Die japanische Wirtschaft hat den stärksten Wirtschaftseinbruch seit sieben Jahren hinnehmen müssen. Nun wächst die Angst vor einer Rezession. Die Schuldigen für den Konjunktureinbruch sind indes schnell gefunden.

Ein Japaner betrachtet die Auslagen eines Geschäfts (Quelle: AP)

Die japanische Wirtschaft bietet derzeit ein trostloses Bild

Die wirtschaftliche Lage in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt hat sich im zweiten Quartal deutlich eingetrübt. Von April bis Juni schränkten die japanischen Verbraucher und Unternehmen ihre Ausgaben deutlich ein. Zudem schrumpften die Exporte in die asiatischen Schwellenländer kräftig. Dadurch sei das japanische Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,6 Prozent im Vergleich zum Vorquartal gesunken, teilte die Regierung am Mittwoch (13.08.2008) in Tokio mit. Im Jahresvergleich sei die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal um 2,4 Prozent zurückgefallen.

"Stärkste Kontraktion seit sieben Jahren"

Als Gründe für den Rückgang der Wirtschaftsleistung nannte die Regierung die Schwäche der Exportwirtschaft, der Investitionen und des privaten Konsums. Steigende Lebenshaltungskosten, vor allem bedingt durch die jüngste Ölpreishausse, und ein schwächelnder Arbeitsmarkt belasteten die Stimmung der Verbraucher. Zuletzt war die Wirtschaftsleistung von Juli bis September 2001 stärker zurückgegangen, als Japan unter dem Platzen der so genannten Dotcom-Blase litt.

"Die Daten hinterlassen bei uns den Eindruck, dass die Wirtschaft in eine Rezession abgeglitten ist", sagte Chefvolkswirt Takahide Kiuchi von Nomura Securities. Die Volkswirte der Deutschen Bank urteilten ganz ähnlich: Das Schrumpfen der Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal belege "die erste Rezession in Japan nach der längsten Wachstumsphase seit dem Zweiten Weltkrieg". Beim Rückgang des BIP im zweiten Quartal handele es sich um die "stärkste Kontraktion seit sieben Jahren".

Abwärtstrend ist ungebrochen?

Uneinig sind sich Experten, ob die Wirtschaft im laufenden Quartal weiter schrumpfen wird. Normalerweise sprechen Volkswirte nämlich erst dann von einer von einer Rezession, wenn die Wirtschaft in zwei aufeinander folgenden Quartalen nicht wächst oder gar schrumpft.

Unumstritten ist dagegen, dass Japan nur langsam wieder auf den Wachstumspfad zurückfinden dürfte, der Abwärtstrend dürfte auf längere Sicht fortgesetzt werden. Allerdings ist nach Einschätzung vieler Experten die Wirtschaft besser auf einen Rückgang vorbereitet als bei zurückliegenden Schwächephasen. "Zwar nahmen die operativen Gewinne im Vorjahresvergleich ab, ein deutlicher Einbruch wie im Jahr 2001 ist aber nicht zu verzeichnen", schrieben die Analysten der WestLB.

Börse reagiert verschnupft

Ein Mann vor einer elektronischen Anzeigetafel mit den japanischen Aktienindizes (Quelle: dpa)

Die neuen Wirtschaftsdaten schicken die Tokioter Börse auf Talfahrt

Nach den schlechten Wirtschaftsdaten musste die Börse in Tokio am Mittwoch kräftige Verluste verbuchen. Der 225 führende Werte umfassende Nikkei sank um 280,55 Punkte oder 2,11 Prozent auf 13.023,05 Zähler. Der breit angelegte TOPIX verlor 24,94 Punkte oder 1,96 Prozent auf 1246,48 Punkte.

Bereits am Vortag hatten die japanischen Börsenbarometer wegen pessimistischer Konjunkturdaten heftige Verluste hinnehmen müssen. Die Großhandelspreise waren so stark gestiegen wie seit 27 Jahren nicht mehr. Mit 7,1 Prozent lag die Jahresteuerung deutlich höher als im Juni und weit über den Erwartungen der Analysten. Zudem hatten die steigenden Preise für Energie und Lebensmittel sowie ein geringer Lohnanstiegen das Verbrauchervertrauen auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Befragungen Anfang der 1980er Jahre gedrückt. Somit ist kaum zu erwarten, dass der Privatkonsum den Export als Zugpferd für die japanische Wirtschaft in Bälde ablösen kann.

In Euro-Land sieht es nicht viel besser aus

Auch in der Euro-Zone hat sich das Wirtschaftsklima einer Ifo-Umfrage vom Mittwoch zufolge so stark eingetrübt wie seit 15 Jahren nicht. "Von einer Rezession gehen wir aber nicht aus", sagte Ifo-Volkswirt Gernot Nerb.

Wie stark der hohe Ölpreis und die sich abschwächende Weltkonjunktur die Wirtschaftsleistung in Deutschland beeinträchtigt haben, wird sich am Donnerstag (14.08.2008) zeigen. Dann stellt das Statistische Bundesamt die BIP-Zahlen zum zweiten Quartal vor. Das Boulevardblatt "Bild" will bereits am Mittwoch erfahren haben, dass die deutsche Wirtschaft von April bis Juni um 0,5 bis 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorquartal geschrumpft ist. (ag)

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