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Wirtschaft

Japans Banken auf Erholungskurs

Fast alle japanischen Großbanken haben im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2003 wieder schwarze Zahlen geschrieben. Analysten hoffen, dass die Nummer Zwei der Weltwirtschaft damit das Schlimmste hinter sich hat.

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Steigende Aktienkurse helfen den angeschlagenen Banken Nippons

Nachdem faule Kredite fast ein Jahrzehnt lang die gesamte japanische Wirtschaft im Würgegriff hielten, blicken immer mehr Unternehmen aus der Finanzbrache positiv in die Zukunft. Und so korrigierten die meisten der Finanzinstitute, die am Dienstag (25.11.03) ihre überraschend guten Halbjahreszahlen vorgelegt hatten, ihre Ertragsaussichten für das am 31. März 2004 laufende Gesamtgeschäftsjahr nach oben. Hauptgrund für den ungewohnten Optimismus ist die Erholung an den Aktienmärkten.

Jahrelange Schieflage

Nachdem der Nikkei-Index in den sechs Monaten bis September um fast 30 Prozent zugelegt hat, ist der Wert der Aktienpakete der japanischen Banken auch in ihren Bilanzen in die Höhe geschnellt. Dazu kommen geringere Abschreibungskosten auf Problemkredite, die seit rund zehn Jahren für die Schieflage der japanischen Banken verantwortlich sind.

Wirtschaftsminister Takenaka, der auch für die Banken-Branche seines Landes zuständig ist, hofft jetzt auch auf eine bessere Profitabilität bei Nippons Geldhäusern. Takenaka bleibt dennoch Realist: "Die großen Banken haben hart daran gearbeitet, um ihre Problemkredite in den Griff zu bekommen – mit Erfolg. Trotzdem liegt noch ein schwieriger Weg vor ihnen. Ich hoffe, sie bleiben am Ball."

Reformen zeigen Wirkung

Maßgeblichen Anteil an der Beilegung der schwelenden Bankenkrise hat der gerade wiedergewählte Premierminister Koizumi. Durch seinen Druck hatten die Geldhäuser erst vor kurzem damit begonnen, ihre faulen Kredite abzuschreiben. Im Gegenzug sorgte die Regierung für eine steuerliche Entlastung der Banken. Während Analysten noch immer vor Schieflagen bei mittelgroßen und regionalen Finanzinstituten warnen, scheint das Schlimmste für Großbanken wie Mitsubishi Tokyo Financial, Mizuho Financial und Sumitomo Mitsui Banking überstanden zu sein.

Branchenprimus Mizuho Financial Group, nach der Bilanzsumme die größte Bank der Welt, überraschte im ersten Halbjahr mit einem Reingewinn von umgerechnet knapp zwei Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr bis Ende März wird ein Plus von 2,8 Milliarden Euro erwartet, nachdem Mizuho Financial im vergangenen Geschäftsjahr mit dem höchsten Verlust der japanischen Firmengeschichte in Höhe von 18,5 Milliarden Euro die Finanzwelt geschockt hatte.

Besonders drastische Zahlen kamen von der Nummer Fünf der Branche, Resona, die im Frühjahr nur mit einer staatlichen Finanzspritze in Höhe von mehr als 15 Milliarden Euro vor dem Ruin gerettet werden konnte: Im ersten Halbjahr machte die Skandalbank einen Verlust von 13,7 Milliarden Euro. Bis zum Ende des Gesamtjahres will die Resona Holding insgesamt mehr als zehn Milliarden Euro an faulen Krediten abgeschrieben haben.

Analysten treten auf Euphoriebremse

Branchenexperten bleiben auch aus einem anderen Grund vorsichtig: Erst das zweite Halbjahr wird zeigen, so ihr Argument, ob es den Banken gelingt, angeschlagenen Großschuldnern wieder auf die Beine zu helfen. Die Branchenkenner sehen die japanischen Banken dabei in der Zwickmühle: Werden die Problemkredite weiter mit Hochdruck abgeschrieben, sind höhere Zinsen bei Risikodarlehen die Folge. Und höhere Zinsen sind das letzte, was sich die vielfach überschuldeten Unternehmen leisten können. (tko)

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