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Aktuell Asien

Japaner laufen Sturm gegen Atomkraft

Japans Wirtschaft und Regierung treiben 16 Monate nach dem Supergau von Fukushima wieder die Atomkraft voran. In Tokio demonstrierten jetzt Zehntausende für ein Ende der Kernenergie.

"Wir brauchen keine Atomenergie! Gebt uns die Region Fukushima zurück!", riefen die Demonstranten, die aus allen Regionen des Landes in die Hauptstadt gereist waren. "Ich will meinen Kindern und Enkeln ein sauberes Japan hinterlassen", sagte eine demonstrierende Rentnerin. Nach Veranstalterangaben versammelten sich rund 170.000 Menschen nahe des Yoyogi-Parks südöstlich des Stadtzentrums. Die Organisatoren hatten lediglich mit 100.000 Teilnehmern gerechnet.

Anti-Atom-Demonstrationen haben in Japan in den vergangenen Monaten zugenommen. Die Katastrophe im Atomkraftwerk Fukushima hat das jahrzehntelange Vertrauen der Bürger in die Sicherheit der AKWs schwer erschüttert.

Regierung warnt vor Stromausfällen

Doch ungeachtet aller Proteste wollen die Betreiber die Reaktoren schrittweise wieder in Betrieb nehmen. Aus Sorge um die Stromversorgung hatte die japanische Regierung bereits Anfang Juli die Reaktoreinheit 3 des Atomkraftwerks Oi im Westen des Landes reaktiviert, ein weiterer Reaktor solle am 24. Juli in vollem Betrieb sein, hieß es.

Nach der Katastrophe von März 2011 hatte die Regierung alle 50 Atomreaktoren aus Sicherheitsgründen abgeschaltet. Die umliegenden Gemeinden und Provinzregierungen hatten zunächst ein Wiederanfahren der Reaktoren abgelehnt. Doch angesichts der Warnungen von Atomindustrie und der Zentralregierung vor Stromausfällen im Sommer mit Folgen für die Wirtschaft der Industrieregion um die Stadt Osaka gaben sie ihren Widerstand auf. Bis zum GAU in Fukushima infolge des Erdbebens und Tsunamis vom 11. März vergangenen Jahres deckten Japans AKWs rund 30 Prozent des Strombedarfs ab.

Das Atomkraftwerk Fukushima war bei einem schweren Erdbeben und dem anschließenden Tsunami schwer beschädigt worden. Durch den Ausfall der Kühlsysteme kam es zur Kernschmelze: Es war der schwerste Atomunfall seit der Tschernobyl-Katastrophe von 1986.

GD/SC (afp, ape, dpa)