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Asien

Japan jetzt ganz ohne Atomstrom

Nach der Atomkatastrophe von Fukushima ist in Japan das letzte Kernkraftwerk vom Netz genommen worden. Greenpeace sieht nun die Chance für ein nachhaltiges Energiekonzept.

"Alle Lichter sind an, es ist nicht dunkel - alles ganz normal in Japan", berichtet Hisayo Takado aus Tokio am Tag, bevor das allerletzte der einstmals 54 aktiven Atomkraftwerke vom Netz geht. "Das wird sich auch am 5. Mai nicht ändern", meint die Greenpeace-Aktivistin. Dann ist auch das AKW Tomaria auf der nördlichen Insel Hokkaido abgeschaltet.

Zur regulären Wartung, heißt dabei die offizielle Begründung. Wohl eher um die Sicherheitsvorkehrungen in der Anlage zu verbessern, sagen Insider. Denn diese Anforderungen wurden von der Regierung deutlich erhöht, seit das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi infolge eines Erdbebens und eines Tsunamis vor mehr als einem Jahr explodiert war. Dabei waren große Mengen Radioaktivität ausgetreten. Vier Reaktoren der Anlage in Fukushima werden nie wieder ans Netz gehen. Wie die Betreiberfirma Tepco mitteilte, hat sie diese aus ihrer Liste gestrichen. Auch die beiden weniger stark beschädigten Reaktoren seien auf Dauer stillgelegt, heißt es.

Rauchende Ruine des Kernkraftwerks Fukushima (Foto: Tepco)

Strahlende Ruine: Kernkraftwerk Fukushima nach der Atomkatastrophe

Bisher kein Blackout

Insgesamt 15 AKWs stehen havariebedingt still - alle anderen sind zur sogenannten Wartung abgeschaltet. Vor allem auf dem Land werde es jetzt Versorgungsengpässe geben, sagt die japanische Regierung. "Das glauben die meisten Leute nicht", meint die Greenpeace-Aktivistin Takado. "West-Japan wurde früher ungefähr zur Hälfte mit Atomstrom versorgt", ergänzt sie. Jetzt gebe es keinen Meiler mehr - aber es habe bisher auch keinen Blackout gegeben.

Probleme befürchten die Japaner allerdings an den meist heißen Sommertagen in den Monaten Juli und August. Dann surren überall die Klimaanlagen, und vor allem in der Hauptstadt Tokio steigt der Strombedarf. "Da hat man schon Erfahrungen aus dem vergangenen Sommer", entgegnet Umweltschützerin Hisayo Takado. In Tokio habe man vergangenes Jahr in den Spitzenzeiten bis zu 80 Prozent Strom gespart. Schon damals waren nur noch wenige Reaktoren von Tepco in Betrieb. Über den ganzen Sommer gerechnet, sei der Stromverbrauch durch Energiesparen um 40 Prozent gesunken.

Atomkraftwerk Tomari (Foto: Tepco)

Als Letztes vom Netz: Atomkraftwerk Tomari

Chance für neues Energiekonzept

Dennoch drängt die japanische Regierung darauf, schnellstmöglich eines der Atomkraftwerke wieder in Betrieb zu nehmen. Die Anlage Oii in der westlichen Präfektur Fukui von Kansai Electric Power sei ausreichend vor Naturkatastrophen gesichert, hatte der japanische Handelsminister Yukio Edano bereits Mitte April erklärt. Bislang haben die lokalen Behörden einer Wiederinbetriebnahme jedoch nicht zugestimmt. Es gibt bislang keinen Termin, wann der Meiler wieder ans Netz geht. In der kommenden Woche wird darüber weiterverhandelt.

Inzwischen habe es vor Ort zwei öffentliche Anhörungen gegeben, berichtet die Greenpeace-Aktivistin. Dabei seien für die Bürger für den Fall eines Erdbebens sehr viele Sicherheits-Fragen offengeblieben. "Es ist eine große Herausforderung für Japan, ohne seine 54 Atomkraftwerke auskommen zu müssen, aber es ist auch eine große Chance" meint Hisayo Takado. "Wir können Energie sparen, wir können mehr Anreize bieten den Stromverbrauch zu senken und wir können stattdessen mehr in erneuerbare Energie investieren."

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