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Kultur

Jackos Zukunft bestimmen Richter aus dem Volk

Schuldig oder nicht? Die Frage stellen sich die Geschworenen im Fall Michael Jackson. Sie wurden - wie üblich in den USA - aus Führerschein- oder Telefon-Verzeichnissen gelost. Richtet das Volk gerechter?

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Muss Michael Jackson ins Gefängnis? Die Entscheidung liegt bei der Jury

Jeden US-Bürger kann sie erwischen: Die "jury duty", die Pflicht, als Geschworener über Recht und Unrecht mit zu entscheiden. Im Fall von Michael Jackson tun dies derzeit unter anderem ein 21-jähriger Student im Rollstuhl, eine 50-jährige Pferdetrainerin und eine Urgroßmutter - zufällig ausgelost und ehrenamtlich. Wen die "jury duty" ruft, der wird zu einem bestimmten Termin vorgeladen und muss dort erscheinen. Nur wer einen schwerwiegenden Grund vorweisen kann, etwa eine sehr schwere Krankheit, darf sich der Pflicht entziehen.

Die Vorgeladenen gehören nicht direkt zur Jury, sondern zunächst zu einem "Geschworenen-Pool". Aus dem werden beim "voir dire" die Jury-Mitglieder für den Prozess ausgewählt. Dabei prüfen Staatsanwaltschaft und Verteidigung den Hintergrund der möglichen Mitglieder ganz genau, da sie die Möglichkeit haben, Geschworene zum Beispiel wegen Befangenheit abzulehnen.

Auswahl der Jury ist ein langer Prozess

"Das kann Wochen dauern", erklärt Carl-Friedrich Stuckenberg vom Strafrechtlichen Institut der Universität Bonn, denn "wenn etwas übersehen wird, gibt es später ein Rechtsmittel." Das heißt, dass das Urteil angefochten werden kann, wenn sich zum Beispiel später herausstellt, dass ein Pädophiler Jury-Mitglied in einem Kindesmissbrauchs-Prozess war. Solche Überraschungen versuchen die Prozessparteien mit der gründlichen "Durchleuchtung" der Kandidaten zu vermeiden.

Die Jury ist idealerweise repräsentativ für die Bevölkerung des jeweiligen Bezirks. Im Fall Michael Jackson urteilen vier Männer und acht Frauen im Alter zwischen 20 und 79 Jahren über die Vorwürfe gegen den Popstar. Acht von ihnen haben Kinder, einige von ihnen mögen Jacksons Musik. Die meisten Juroren sind Weiße; ein Mitglied ist Asiatin, drei sind hispanischer Abstammung. Die Aufteilung entspricht weitgehend der Bevölkerungsstruktur im Bezirk Santa Maria, dem Prozess-Ort.

Im Prozess werden der Jury von den Anwälten Beweise, Zeugen und schließlich die Schlussplädoyers präsentiert. Daraufhin muss sie für jeden Anklagepunkt die Schuldfrage entscheiden. Bei Michael Jackson sind dies zehn Punkte – von Kindesmissbrauch bis versuchter Freiheitsberaubung - in denen die Juroren einstimmig entscheiden müssen. Werden sie sich nicht einig, kann das zum Verhandlungsabbruch und einer Neuaufnahme des Verfahrens führen.

Die Entscheidung aus dem Volk - manipulierbar?

Über Vor- und Nachteile von Geschworenenprozessen sind sich selbst US-Bürger nicht einig: "Das ist so ein bisschen Glaubenssache", erklärt Stuckenberg. "Die Einen halten es für die zentrale Errungenschaft ihres Rechtssystems, die Anderen sagen, 'So eine Jury ist auch manipulierbar'". Grundsätzlich existiere in den USA ein Misstrauen gegenüber den Berufsrichtern und der Staatsgewalt, was auch historische Gründe habe: Im frühen Amerika wurden die Richter noch von England geschickt. Dem nach Unabhängigkeit strebenden Volk war es aber lieber, von "seinesgleichen" anstatt von den "Handlangern des Königs" beurteilt zu werden. Und in einem Geschworenenprozess entscheidet das Volk selbst - nicht "irgendeine" Staatsgewalt.

Das gab es übrigens schon im alten Griechenland: In der attischen Demokratie wurde die Jury per Los aus einer bestehenden Geschworenenliste bestimmt. Auch sind die USA heutzutage nicht die einzigen mit Jury-Prozessen: Über den Kinderschänder Marc Dutroux zum Beispiel entschieden in Belgien ebenfalls Geschworene.

Der Vorteil der Entscheidung aus dem Volk selbst ist zugleich Nachteil: Die Geschworenen kommen aus allen Bildungsschichten, haben kaum Erfahrung und sind daher unter Umständen leichter zu beeinflussen als ein geschulter Berufsrichter. Zwar gibt es ein kompliziertes Beweisrecht, das den Einfluss der Anwälte im Rahmen halten soll - wenn der Richter aber bei einer Suggestivfrage eines Anwalts die Jury anweist, dies nicht zur Kenntnis zu nehmen, dann verhält es sich damit wohl so wie mit der Aufforderung "Denken Sie nicht an eine weiße Maus!"

Letztendlich werden nur wenige Fälle durch eine Jury entschieden. In rund 90 Prozent einigen sich die Parteien durch Absprachen. Die "Richter aus dem Volk" sind also eher Ausnahme als Regel.

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