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Politik

IWF warnt vor weltweiten Hungerkatastrophen

Armut, Hungertote, politische Instabilität: Mit deutlichen Worten warnte der Internationale Währungsfonds vor den Folgen der explodierenden Lebensmittelpreise. Erstes Opfer des Problems: die gestürzte Regierung Haitis.

Haitianer protestieren vor dem Parlament in Port-au-Prince (12.4.2008, Quelle: AP)

Folgen der Preisexplosion: Erneut protestierten auf Haiti Tausende, die Regierung wurde gestürzt

Sollte Nahrung so teuer bleiben wie bisher, "könnte die Bevölkerung einer sehr großen Zahl von Ländern mit furchterregenden Konsequenzen konfrontiert werden", sagte der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, am Samstag (12.4.2008) auf der Frühjahrstagung von IWF und Weltbank in Washington. "Hunderttausende Menschen werden darben und Kinder werden ihr Leben lang unter Mangelernährung leiden", sagte Strauss-Kahn weiter.

Biotreibstoff treibt Lebensmittelpreise

IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn (Archiv, Quelle: DPA)

IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn warnt vor den Folgen der Preisexplosion

In diesem Zusammenhang forderte Bundesentwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD), den Einsatz von Biotreibstoffen zu überdenken. Die Wirtschaft von Staaten könne zerstört werden, und auch die politische Stabilität sei bedroht, sagte IWF-Direktor Strauss-Kahn. "Es ist nicht nur eine humanitäre und wirtschaftliche Frage, sondern auch eine, die die Demokratie betrifft."

Haitis Regierungs gestürzt

Das Problem der hoher Nahrungsmittelpreise war lange nicht mehr so akut wie jetzt: In zahlreichen armen Staaten ist es wegen teurer Lebensmittel in den letzten Tagen und Wochen bereits zu Unruhen, Plünderungen und Gewalt gekommen. In Haiti wurde am Samstag die Regierung von Premierminister Jacques Edouard Alexis wegen der hohen Lebensmittelpreise gestürzt. Der Senat, die zweite Kammer des Parlamentes, entließ das gesamte Kabinett. Kurz zuvor war angekündigt worden, als Maßnahme gegen die Krise werde der Reispreis um gut 15 Prozent gesenkt. Der Preis für einen Sack Reis soll von umgerechnet 31 auf 27 Euro fallen.

Ausschreitungen in Port-au-Prince (12.4.2008, Quelle: AP)

Ein UN-Mitarbeiter kam bei den Ausschreitungen ums Leben

Zuvor war bei gewaltsamen Protesten in der Hauptstadt Haitis ein UN-Polizist getötet worden. Bei den Ausschreitungen am Samstag setzten die UN-Soldaten lokalen Medienberichten zufolge zur Verteidigung des Präsidentenpalastes in Port-au-Prince Tränengas gegen die Demonstranten ein und gaben Warnschüsse ab. Venezuelas Präsident Hugo Chávez kündigte Hilfslieferungen an. Caracas werde dem Karibikstaat 364 Tonnen Lebensmittel, darunter Rindfleisch, Geflügel, Milch, Öl und Linsen, schicken, um eine "Krise zu lindern, die gewaltig ist", sagte der venezolanische Präsident.

83 Prozent in drei Jahren

Nach Angaben der Weltbank kletterten die Nahrungsmittelpreise in den vergangenen drei Jahren weltweit um 83 Prozent, für Weizen sogar um 181 Prozent. Als wichtigste Auslöser der Preisexplosion gelten neben der verstärken Produktion von Biotreibstoffen als Ersatz für Benzin auch veränderte Ernährungsgewohnheiten in aufstrebenden Staaten wie China, ausgedehnte Dürren etwa in Australien sowie der hohe Ölpreis, durch den sich die Lebensmittelproduktion verteuert.

Haitis Premier Jacques Edouard Alexis (12.4.2008, Quelle: AP)

Wegen der Unruhen gestürzt: Haitis Premier Jacques Edouard Alexis

Wieczorek-Zeul äußerte sich in Washington kritisch zum Thema Biotreibstoffe. "Die Beimischungsziele müssen weltweit auf den Prüfstand", sagte sie. Der rasante Anstieg der Preise für Lebensmittel sei zu 30 bis 70 Prozent auf die zunehmende Produktion von Öko-Sprit zurückzuführen. Die immer teurere Nahrung sei "eine Gefahr für Wachstum, Armutsbekämpfung, Stabilität und den Frieden in der Welt", betonte die deutsche Weltbank-Gouverneurin. "Es wird dem weltweiten Klima nichts nutzen, wenn in den Industrieländern die Autos mit Agrarkraftstoffen fahren und zugleich am Äquator die tropischen Regenwälder abgeholzt werden", sagte Wieczorek-Zeul.

Was können die Entwicklungsländer tun?

Es sei nicht akzeptabel, dass wegen der hohen Nahrungsmittelpreise die bisherigen Erfolge der Entwicklungshilfe um Jahre zurückgeworfen würden. Die Weltbank müsse ihre Programme in betroffenen Ländern umstellen, um die unmittelbare Not der betroffenen Menschen zu lindern, sagte die Ministerin. Allerdings seien die Entwicklungsländer selbst auch in der Pflicht, ihre Landwirtschaft stärker auszubauen. Die afrikanischen Länder hätten sich vor einigen Jahren vorgenommen, zehn Prozent ihrer Mittel in den Agrarsektor fließen zu lassen. Das hätten einige inzwischen erreicht, andere jedoch noch nicht, sagte sie. (mg)

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