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Aktuell Europa

Istanbuler Polizei beendet Geiselnahme in Gericht

Die türkische Polizei hat eine Geiselnahme mit Waffengewalt beendet. Die Beamten erschossen zwei Mitglieder einer linksextremen Gruppe. Auch der Staatsanwalt, den sie als Geisel genommen hatten, ist tot.

Bewaffnete Mitglieder einer linksextremen Gruppe hatten in der türkischen Metropole Istanbul einen Staatsanwalt als Geisel genommen und mit seiner Ermordung gedroht. Türkische Medien veröffentlichen Fotos, auf denen ein Angreifer zu sehen ist, der Staatsanwalt Mehmet Selim Kiraz eine Pistole an den Kopf hält.

Drei Tote

Die Polizei nahm nach eigenen Angaben zunächst Verhandlungen mit den Männern auf. Die Sicherheitskräfte gingen dann aber gewaltsam gegen die linksextremen Geiselnehmer vor. Im Justizgebäude waren Schüsse zu hören. Zwei Kidnapper wurden nach Angaben der Behörden getötet. Der Staatsanwalt wurde bei einem Schußwechsel mit den Geiselnehmern lebensgefährlich verletzt. Nach Angaben der behandelnden Ärzte erlag er im Krankenhaus seinen Verletzungen.

Istanbuls Polizeichef Selami Altinok erklärte, es sei alles versucht worden, um die Geiselnahme unblutig zu beenden. Man habe sich aber zur Stürmung entschlossen, nachdem aus dem Zimmer der Geiselnehmer Schüsse zu hören gewesen seien.

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Ein Jahr nach Gezi-Park-Protesten (31.05.2014)

Der als Geisel genommene Staatsanwalt ist Ankläger in dem politisch bedeutenden Fall Berkin Elvan. Der Jugendliche war bei den sogenannten Gezi-Protesten im Sommer 2013 von einer Tränengaskartusche der Polizei am Kopf getroffen und tödlich verletzt worden. Kritiker werfen der Justiz seit langem vor, die Ermittlungen gegen die mutmaßlichen Verantwortlichen für Elvans Tod zu verschleppen. Elvans Vater appellierte an die Geiselnehmer, den Staatsanwalt freizulassen.

Zu der Geiselnahme bekannte sich die verbotene linksextremistische Organisation DHKP-C (Revolutionären Volksbefreiungspartei-Front). Die DHKP-C forderte auf ihrer Facebook-Seite unter anderem, die Polizisten, die für den Tod Berkin Elvans verantwortlich seien, müssten ein öffentliches Geständnis ablegen. Ermittlungen gegen Demonstranten, die wegen des Todes Berkin Elvans protestiert hatten, müssten eingestellt werden. Sollten die Forderungen nicht erfüllt werden, werde der Staatsanwalt getötet.

Stromausfall nutzt Geiselnehmern

Laut Medienberichten konnten die Angreifer Waffen in das Gerichtsgebäudet zu schmuggeln, weil die Metalldetektoren am Eingang aufgrund eines Stromausfalls nicht funktionierten. Dieser wuchs sich zum größten Stromausfall in der Türkei seit 15 Jahren aus und legte weite Teile der Türkei lahm.

In den großen Städten des Landes wie Istanbul und Ankara standen U-Bahnen und Straßenbahnen still, die Verkehrsampeln fielen aus, wie Medien berichteten. Auch Fabriken und Krankenhäuser waren betroffen. In vielen Landesteilen endete der Stromausfall am Abend nach fast acht Stunden. Der Grund für die Panne war zunächst nicht bekannt.

Energieminister Taner Yildiz sagte, möglicherweise habe der Ausfall eines Kraftwerks einen Domino-Effekt ausgelöst und das gesamte Stromnetz lahmgelegt. Er könne aber auch einen Cyber-Angriff nicht ausschließen. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sprach ebenfalls von einem möglichen Anschlag.

wl/haz (dpa, afp)

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