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Europa

Istanbul zwischen Wasserwerfern und Wut

In Istanbul demonstrieren Naturschützer und Regierungsgegner gegen den Bau eines Einkaufszentrums in einem zentralen Park. Die Polizei setzt Tränengas und Wasserwerfer ein. Die Situation eskaliert.

Gewalt gegen Demonstranten in der Türkei (Foto: Reuters)

Türkei Gewalt gegen Demonstranten

Die Polizei hat in Istanbul den aus Protest gegen ein Bauprojekt von Demonstranten besetzten Gezi-Park am zentralen Taksim-Platz gewaltsam geräumt. Die Polizisten hatten bereits am Donnerstag (30.05.2013) Wasserwerfer und Tränengas eingesetzt, um Menschen von der Grünfläche am Rande des Taksim-Platz gewaltsam zu vertreiben.

Am Freitag dann das gleiche aggressive Bild: Zehntausende solidarisieren sich mit den Demonstranten und gehen aus Protest auf die Straße. In der Nacht zum Samstag wurden auch aus der Hauptstadt Ankara sowie weiteren größeren Städten Demonstrationen gemeldet, bei denen die Polizei ebenfalls hart vorging.

Situation eskaliert

Hotels wie das Hilton oder das Marmara am zentralen Taksim-Platz hatten während des Protests die Türen für die flüchtenden Demonstranten geöffnet. "Die Polizisten warfen die Tränengasbomben sogar in die Lobby des Hotels“, so ein Sicherheitsbeamter des Marmara-Hotels gegenüber der Deutschen Welle.

Video ansehen 01:44

Viele Verletzte bei Protesten in Istanbul

Der Hotelarzt kümmerte sich um Verletzte. Sie wurden von den zahlreichen Tränengasbomben getroffen, die die Polizisten in die demonstrierende Menge feuerten. Prellungen und Atemnot waren die Folge.

"Wir sind Polizisten entgegengelaufen, die uns gesagt haben, dass wir doch bitte umdrehen sollen. Ohne Widerstand zu leisten haben wir gehorcht. Als wir uns umdrehten, haben sie uns noch zwei Tränengasbomben zum Abschied hinterhergeworfen“, so eine Demonstrantin gegenüber der Deutschen Welle.

Bäume statt Einkaufszentrum

Mit einem friedlichen Protestcamp hatten die Demonstranten seit Anfang der Woche zu verhindern versucht, dass Bäume und Grünflächen im Gezi-Park für den Bau eines Einkaufszentrums abgeholzt oder vernichtet werden. Umweltschützer kritisieren, dass in Istanbul immer mehr Grünflächen für Neubauten geopfert werden.

Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan erklärte, dass die Pläne für den Bau im Gezi-Park ungeachtet der Demonstration durchgesetzt werden würden. Derweil beschloss ein Istanbuler Verwaltungsgericht eine einstweilige Verfügung gegen das Projekt und damit gegen die Baupläne der Regierung Erdogans.

Proteste in istanbul (Foto: Reuters)

Die Polizei setzt Tränengas gegen die Demonstranten ein

"Wir sind so wütend, weil sich unser Premierminister in den letzten Jahren zu viel erlaubt hat. Diese Woche hat er das Faß zum Überlaufen gebracht“, so eine Demonstrantin. Hier gehe es nicht mehr um die zu rettenden Bäume im Gezi-Park, so die Demonstrantin. "Hier geht es um Menschenrechte, für die wir kämpfen.“

Die Vorgehensweise gegenüber den Demonstranten habe mit Demokratie nichts zu tun, so ein weiterer Demonstrant gegenüber der Deutschen Welle. "Die Welt soll bitte auf die Türkei blicken, auf das, was Erdogan uns antut“, so der wütende Demonstrant.

Unruhen nehmen kein Ende

Die Menschen in Istanbul zeigten sich unermüdlich. Auch in den sozialen Netzwerken wurde zur Ausdauer aufgerufen. "Es wird nicht geschlafen. Es geht weiter. Rein in die Straßen Istanbuls“, war von Demonstranten auf Facebook zu lesen.

In den kommenden Tagen sind weitere Demonstrationen zu erwarten. Auch in anderen türkischen Großstädten wie Izmir und Ankara gehen die Menschen auf die Straße. Über Twitter hielten die Demonstranten die Kommunikation untereinander aufrecht und informierten beispielsweise darüber, in welchen Krankenhäusern die Verletzten behandelt werden können.

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