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Europa

Istanbul: Stadt in Angst

Der Terroranschlag zielte ins touristische Herz der türkischen Metropole. Zwischen Moscheen und Denkmälern starben zehn Menschen. DW-Reporterin Anna Lekas Miller war nach der Explosion im Viertel Sultanahmet unterwegs.

Gegen 10 Uhr 30 am Morgen war in den Straßen Istanbuls ein lauter Knall zu hören. Sein Echo hallte wie ein Donnerschlag durch die Stadt. Schon wenige Minuten später war klar, dass im Stadtteil Sultanahmet - zwischen der Hagia Sophia und der Blauen Moschee - eine Bombe explodiert war. Diese Gegend, wo sich auf engem Raum die zwei bekanntesten Touristenattraktionen der Stadt befinden, ist der Anziehungspunkt für Istanbul-Besucher aus aller Welt. Ein Selbstmordattentäter hatte sich hier in der Nähe einer deutschen Reisegruppe in die Luft gesprengt und acht Deutsche mit in den Tod gerissen.

Infografik: Explosion im Instanbuler Stadtteil Sultanamet (Foto: DW)

Sultanahmet: Touristenmagnet am Goldenen Horn

Insgesamt starben bei dem Anschlag zehn Menschen, teilte die türkische Regierung mit. Präsident Recep Tayyip Erdogan nannte den Anschlag einen "Akt des Terrors", verübt von einem syrischen Selbstmordattentäter. Laut Angaben aus türkischen Sicherheitskreisen dürfte er zum "Islamischen Staat" gehören. Die genauen Umstände der Tat - etwa, welche Art von Sprengstoff zum Einsatz kam - sind noch unklar. Die türkischen Behörden verhängten eine Berichterstattungs-Sperre während der laufenden Ermittlungen.

Exodus der Touristen

Während am Morgen die ersten Einsatzkräfte unter Sirenengeheul zum Anschlagsort unterwegs waren, wurde der öffentliche Nahverkehr in der Stadt teilweise lahmgelegt. Mit der Straßenbahn war kein Durchkommen mehr in die Nähe des Anschlagsorts. Auch Taxifahrer mieden die Gegend und baten ihre Fahrgäste, zu Fuß weiter zu gehen.

Medienvertreter am Anschlagsort in Istanbul (Foto: DW/Anna Lekas Miller)

Die Polizei sperrt den Anschlagsort ab

Wer sich auf dem Straßenpflaster entlang der Tram-Schienen in Richtung Hagia Sophia bewegte, dem begegnete ein wahrer Exodus von Touristen, die eilig in die Gegenrichtung drängten, Spiegelreflexkameras um den Hals, mit Schrecken im Gesicht. Ladenbesitzer standen im Eingang ihrer vereinsamten Geschäfte und beobachteten die Szenerie. Im Hintergrund liefen plärrend die TV-Nachrichten auf zahlreichen Fernsehern gleichzeitig.

"Istanbul ist eine großartige Stadt für Touristen - es gibt hier so viel Historisches zu sehen, so viel zu erleben", sagte Ahmet, der nur wenige Minuten vom Anschlagsort entfernt als Barkeeper arbeitet. Dann versuchte er, mit seinen Händen eine Explosion darzustellen. "Das hier, das wird alles zerstören, was wir haben."

Verschwörungstheorien machen die Runde

Die Polizei sperrte den Sultanahmet-Platz schließlich ab, während Helikopter die Minarette der Blauen Moschee umkreisten. Trotz der Gefahr einer zweiten Bombe - eine von Terroristen oft gewählte Taktik - waren immer noch einige Touristen und Einheimische rund um den Platz zu sehen, auf Parkbänken, beim Teetrinken oder im stillen Gebet versunken. Verschwörungstheorien machten schnell die Runde. "Es könnten auch die Russen gewesen sein", sagte Durum, Manager eines der zahlreichen fast leeren Restaurants rund um den Platz. Schließlich seien die türkisch-russischen Beziehungen seit Abschuss eines russischen Kampfbombers im Dezember angespannt.

Sicherheitskräfte räumen den Anschlagsort in Istanbul (Foto: DW/Anna Lekas Miller)

Sirenengeheul - den ganzen Vormittag über

"Es ist ja nicht das erste Mal, dass hier in der Gegend ein Anschlag passiert", fügte er hinzu. Für eine Serie kleinerer Anschläge war in der Vergangenheit die Kurdische Arbeiterpartei PKK verantwortlich gemacht worden. "Aber das Attentat jetzt wird dem Tourismus in Istanbul den Todesstoß versetzen."

Mit der Tram zurück in die Normalität?

Entgegen dieser und anderer düsterer Voraussagen begann bereits am Mittag das öffentliche Leben langsam wieder Fahrt aufzunehmen. Die Straßenbahn fuhr wieder, in den Restaurants setzten sich Gäste zum Essen an die gedeckten Tische. "Leider sind wir in Istanbul ja an so etwas gewöhnt", sagte Fatima, die aus einiger Entfernung in Richtung des Anschlagortes blickte. "Jetzt ist es erst einmal wichtig, Menschenmengen zu meiden und sich in Sicherheit zu bringen."