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Ostmitteleuropa

Ist Ungarn ein korruptes Land?

- Die Mehrheit der Ungarn hält nach einer Untersuchung die Korruption nicht für eine normale Sache

Budapest, 19.11.2001, PESTER LLOYD, deutsch

Das sieht in Mittelosteuropa ähnlich aus, wenngleich schon jeder zweite Bürger mal Schmiergeld gezahlt hat. Zwei von drei Erwachsenen sehen Ungarn unterdessen für ein korruptes Land an. Das sind Feststellungen einer repräsentativen Untersuchung der Marktforscher von GfK in zwölf Ländern der Region.

Drei Viertel der ungarischen Öffentlichkeit weisen die Behauptung zurück, dass "Bestechungen wie selbstverständlich zum Leben gehören – wer normal leben will, müsse zahlen". Über dem Durchschnitt derjenigen, die eine Notwendigkeit von Schmiergeldern anerkennen, befinden sich die Großstädter, die 30-49jährigen und die Bewohner im Nordosten des Landes. Nur 17 Prozent der Ungarn stimmen zu, dass "Schmiergelder alltäglich sind und nicht überbewertet werden sollten". Leitende Angestellte und Unternehmer sehen diese Aussage weitaus gelassener.

"Man gibt Schmiergeld, obwohl es nicht zwingend nötig ist. Wer ein wenig Geduld an den Tag legt, kann auch ohne Bestechung durchs Leben kommen." Dieser These stimmen 36 Prozent der befragten Ungarn zu, und zwar vor allem Studenten, Kleinstädter und Bewohner Transdanubiens. Immerhin 23 Prozent teilen die Überzeugung, "Schmiergelder seien vollkommen überflüssig, weil man auch auf gesetzlichem Wege alles erreichen könne". Solcher Optimismus herrscht insbesondere bei Bürgern mit niedrigem Schulabschluss, bei älteren Jahrgängen und in ärmeren Haushalten vor.

Die Mehrheit der Umfrageteilnehmer sieht Sinn im Kampf gegen die Korruption. Eine Minderheit fügt sich in das Schicksal, dass es Korruption immer gegeben hat und immer geben wird. Persönlich würden 30 Prozent diesen Kampf z.B. durch das Mitgehen bei Demonstrationen unterstützen. Ganz den Normen verpflichtet fühlt sich jeder zweite Ungar. Und klar überwiegen diejenigen, die vom Staat das Hauptengagement im Kampf gegen Korruption und Bestechung verlangen. Wieder die Hälfte glaubt, die gegenwärtige Regierung hat kein Interesse, gegen diese Erscheinungen vorzugehen.

Die GfK-Forscher interessierten sich des Weiteren dafür, was jemand machte, wenn er Zeuge würde, wie ein Unternehmen oder eine Privatperson z.B. einen Beamten zu bestechen versucht. Die meisten würden die Sache für sich behalten. Viele würden darüber mit Verwandten und guten Freunden sprechen, weitere 15 Prozent anonym Anzeige bei der Polizei erstatten. In den Zeugenstand vor Gericht würden nur noch acht Prozent treten wollen. Passiv bleiben Menschen mit geringer Schulbildung, Ältere, Dorfbewohner. Besonders eifrig würden sich Hochschulabsolventen, Unternehmer und leitende Angestellte betätigen.

Auch die Beurteilung der Vergangenheit teilt die Befragten; die eine Hälfte sah zu sozialistischen Zeiten weniger Korruption, die andere heute. Gegenwärtig stellt das Gesundheitswesen den größten Problemherd dar, worin die Ungarn mit den übrigen Ländern übereinstimmen. (fp)

  • Datum 19.11.2001
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  • Permalink http://p.dw.com/p/1ODo
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