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Aktuell Welt

Israelischer Luftschlag gegen Syrien

Eine der größten Befürchtungen im Zusammenhang mit dem Bürgerkrieg in Syrien ist, dass gefährliche Waffen in die falschen Hände gelangen könnten. Israel hat offenbar deshalb im Nachbarland angegriffen.

Nach übereinstimmenden Medienberichten haben israelische Kampfflugzeuge (das Artikelbild zeigt einen Jet bei einer Flugschau) in Syrien einen Fahrzeugkonvoi beschossen, der Waffen zur radikalislamischen Hisbollah-Miliz in den Libanon bringen wollte. Es soll es sich um Luftabwehrraketen des russischen Typs SA-17 gehandelt haben.

Israel habe die US-Regierung über den Angriff informiert, meldete die Zeitung "New York Times" unter Berufung auf amerikanische Regierungsbeamte. Andere Medien beziehen sich bei ihren Berichten mit ähnlicher Tendenz auf Sicherheitskreise und namentlich nicht genannte Diplomaten. Es war der erste israelische Luftangriff auf syrischem Gebiet seit 2007.

Kein Kommentar aus Israel

Die israelische Regierung äußerte sich nicht. In Damaskus dementierte die Armee von Machthaber Baschar al-Assad einen Luftangriff auf einen Konvoi und behauptete stattdessen, die israelische Luftangriffe habe nahe der Hauptstadt Damaskus ein militärisches Forschungszentrum bombardiert. Dabei seien in der Anlage in Dschamraja zwei Menschen getötet und fünf weitere verletzt worden.

Video ansehen 01:18

Israel bombardiert syrischen Militärkonvoi

In der Erklärung der Armeeführung hieß es weiter, Dschamraja sei eines von zahlreichen Forschungszentren im Land, das "der Stärkung des Widerstandes und der Selbstverteidigung" diene. Die israelischen Flugzeuge seien in einer Höhe in den syrischen Luftraum eingedrungen, in der sie die Radarsysteme nicht hätten erfassen können. Diese Darstellung wiederum wiesen Vertreter der Aufständischen zurück und erklärten, Rebellen hätten die Forschungsanlage angegriffen. Dschamraja liegt in der Region zwischen Damaskus und der syrisch-libanesischen Grenze.

Hisbollah schwört Assad-Regime die Treue

Israel hat immer wieder die Sorge geäußert, die syrischen Chemiewaffen könnten in den Wirren des Bürgerkriegs in die Hände der radikalislamischen Hisbollah-Miliz oder in die von Verbündeten des Terrornetzwerks Al-Kaida fallen. Für diesen Fall haben israelische Politiker mit Angriffen gedroht.

Medienberichten zufolge fürchtet Israel außerdem, die Hisbollah könnte die Kontrolle über hochmoderne aus Russland stammende Panzerabwehr- oder Flugabwehrraketen erlangen, die in einem künftigen Konflikt gegen Israel eingesetzt werden könnten. Die auch vom Iran unterstützte schiitische Miliz hatte 2006 einen blutigen Krieg gegen Israel geführt.

Als Reaktion auf die Meldung vom Luftangriff legte die Hisbollah einen Treueschwur zum Assad-Regime ab. "Hisbollah erklärt ihre volle Solidarität mit der syrischen Führung, ihrer Armee und dem Volk", teilte die Organisation mit und verurteilte den Angriff als eine "barbarische Aggression".

Moskau "sehr besorgt"

Schon vor einiger Zeit hatte US-Präsident Barack Obama dem Regime in Damaskus deutlich gemacht, dass es zur Verantwortung gezogen werde, sollte es seine Chemiewaffen nicht sichern oder sie gar einsetzen. Obama hatte dies als "rote Linie" bezeichnet, die dazu führen könne, dass die USA mit Nachdruck in den Konflikt eingreifen könnten.

Die russische Regierung reagierte dagegen "sehr besorgt". "Wenn diese Informationen bestätigt werden, dann haben wir es mit nicht-provozierten Angriffen auf Ziele in einem souveränen Staat zu tun", erklärte das Moskauer Außenministerium. Dies wäre ein Verstoß gegen die UN-Charta und "nicht hinnehmbar", hieß es weiter.

Russland habe "dringliche Maßnahmen" eingeleitet, um die Vorgänge vom Mittwoch aufzuklären, erklärte das Ministerium. Die russische Regierung bekräftigte ihre Forderung nach einem Ende der Gewalt in Syrien und verurteile "jede Art von Intervention aus dem Ausland".

wl/gd/re (dpa, afp, apd, rtr)

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