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Nahost

Israelische Soldaten brechen ihr Schweigen

Rücksichtlose Gewalt und mutwillige Zerstörung im Gaza-Krieg - so lauten die massiven Vorwürfe israelischer Soldaten gegen die eigene Armee. Die Organisation "Das Schweigen brechen" hat ihre Aussagen nun veröffentlicht.

Frau in Gaza während der Militäroperation der isralischen Regierung (Foto: AP)

Zivilisten sollen als Schutzschilde benutzt worden seien

Der 112 Seiten lange Bericht der israelischen Organisation "Das Schweigen brechen" wurde am Mittwoch (15.07.2009) vorgestellt. Er dokumentiert die Zeugenaussagen von 54 israelischen Soldaten und Offizieren, die seit Beginn des Jahres anonym interviewt wurden. Durch die hohe Anzahl an übereinstimmenden Aussagen der Soldaten scheint sich der Verdacht zu erhärten, dass die israelische Armee mehrfach die Grundregeln des Kriegsvölkerrechts missachtet hat: Es sei kaum zu einer Unterscheidung zwischen Kämpfern und Unbeteiligten gekommen, heißt es in dem Bericht. Die dreiwöchige Offensive sei mit rücksichtsloser Gewalt an Zivilisten geführt worden. Außerdem werfen die Soldaten ihrer Militärführung vor, sie zu mutwilliger Zerstörung angestachelt zu haben. Bei dem Einsatz, der am 18. Januar 2009 endete, waren mehr als 1400 Palästinenser getötet und 5000 weitere verletzt worden .

Mutwillige Zerstörung

Helfer versuchen den Schutt nach dem Gaza-Krieg abzutransportieren (Foto:AP)

Der Wiederaufbau von Gaza wird noch dauern

In dem Bericht beschreiben die Soldaten die Zerstörung von Häusern und Moscheen ohne jeden militärstrategischen Nutzen. Diese Praktiken seien von der Armeeführung gebilligt worden. Außerdem seien Phosphorbomben in dicht besiedeltem Gebiet zum Einsatz gekommen. Einige Veteranen bestätigten in ihren Aussagen, dass die Armee Anwohner als menschliche Schutzschilde in Häuser vorgeschickt hat, in denen sich Hamas-Kämpfer versteckten. Diese als "Nachbar-Prozedere" bekannte Methode ist in Israel verboten. Die israelische Regierung hatte der Hamas vorgeworfen, sich bewusst in Wohngebieten zu verstecken: Sollten die Vorwürfe stimmen, dann hätten sowohl die Hamas als auch Israel die Menschen aus Gaza als Schutzschilde benutzt.

Die Soldaten berichten von einer Atmosphäre, in der sie zu wildem, ziellosem Schießen ermutigt worden sein. So habe man grundlos auf Wassertanks, Computer und Fernseher geschossen. Das wichtigste sei gewesen, dass kein Israeli dabei ums Leben komme. Einer der Soldaten zitiert seinen Kommandeur: "Keinem meiner Soldaten soll ein Haar gekrümmt werden und ich bin nicht bereit, es einem Soldaten zu erlauben, sich selbst durch Zögern zu gefährden. Wenn du nicht sicher bist - schieße!" Ein anderer berichtet von "Hass und Freude am Töten" unter seinen Kameraden. "Oh ja, ich habe einen Terroristen getötet", sollen diese gesagt haben.

Versagen der Politik

Junger Palästinenser steht auf Friedhof in Gaza nach dem Krieg (Foto: AP)

Mehr als 1400 Tote Palästinenser - die Bilanz des Gaza-Krieges

Tsafrir Cohen, Repräsentant der Organisation medico international in Palästina und Israel, führt diese veränderte Vorgehensweise der Armee auf die israelische Isolations- und Trennungspolitik zurück: "Seitdem der Gaza-Streifen eingezäunt und komplett isoliert ist, wird die dort lebende Bevölkerung nicht mehr als Nachbarn und Individuen, sondern nur noch als Sicherheitsrisiko wahrgenommen. Dies betrifft nicht nur die israelische Armee, sondern wirkt tief in die israelische Gesellschaft hinein." Michael Manekin von "Das Schweigen brechen" sagte, dass die unmoralische Art und Weise Krieg zu führen beweise, dass das System Schuld sei und nicht der individuelle Soldat selbst. Der Bericht sei "ein dringender Aufruf an die israelische Gesellschaft und Führung, einen unverschleierten Blick auf die Dummheit unserer Politik zu werfen", so Manekin.

Wiederholte Vorwürfe

Menschenrechtler hatten schon mehrfach über brutales Vorgehen der israelischen Armee während des Feldzuges berichtet. Außerdem erschienen im Februar dieses Jahres Augenzeugenberichte von Soldaten der Militärakademie Izchak Rabin, die ebenfalls willkürliche Tötung und mutwillige Zerstörung dokumentieren.

Die israelische Armee teilte derweil mit, sie bedauere "dass eine weitere Menschenrechtsorganisation Israel und der Welt einen Bericht vorlegt, der auf anonymen und allgemeinen Zeugenaussagen basiert, ohne ihren Hintergrund zu prüfen". Es handele sich dabei um "Diffamierung und Verleumdung der israelischen Armee und ihrer Kommandeure". (dh/aa/dpa/afp/ap)

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