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Nahost

Gaza-Krieg wirft Schatten auf Israels Armee

Israelische Soldaten haben die Öffentlichkeit mit Aussagen über das willkürliche Töten von palästinensischen Zivilisten und mutwillige Zerstörungen während des jüngsten Gaza-Kriegs schockiert.

Ein palästinensischer Arzt trägt am 17.1.2009 ein verletztes Kind auf seinen Armen ins Krankenhaus (Foto: AP)

Während des Gazakrieges wurden unzählige Zivilisten - darunter viele Frauen und Kinder - verletzt oder getötet

Während der dreiwöchigen israelischen Militäroffensive im Gazastreifen zum Jahreswechsel haben israelische Soldaten nach Angaben ihrer Kameraden wehrlose Zivilisten getötet. Das geht aus Augenzeugenberichten von Soldaten der Militärakademie Izchak Rabin hervor, die israelische Medien am Donnerstag (19.03.2009) veröffentlichten.

Das Veteranen-Treffen an der Militärakademie habe sich mit der 22-tägigen israelischen Offensive im Dezember und Januar beschäftigt. "Die Soldaten haben darüber gesprochen, wie sie ungerechtfertigt das Feuer auf palästinensische Zivilisten eröffnet haben", sagte der Leiter der Akademie, Danny Samir, in einem Interview des Senders Israel Radio. "Sie sprachen außerdem über die mutwillige Zerstörung von Eigentum."

Mütter, Kinder, alte Frauen - willkürlich erschossen

Screenshot Haaretz.com (Foto: DW)

Die Haaretz berichtet auch auf ihrer englischsprachigen Internetseite von den Vorwürfen israelischer Soldaten

Die Zeitung "Haaretz" druckte auf ihrer Titelseite Äußerungen der Soldaten. Sie kommentierte, diese "schmutzigen Geheimnisse" würden es schwermachen, derartige Zwischenfälle als palästinensische Propaganda abzutun.

Ein Kommandeur hatte einen Vorfall geschildert, in dem eine Mutter und ihre zwei Kinder von einem Scharfschützen erschossen worden seien. Sie seien aufgefordert worden, ihr Haus zu verlassen und nach rechts zu gehen. Sie hätten den Befehl nicht verstanden und seien nach links gegangen. Dies hätten sie mit ihrem Leben bezahlen müssen.

Ein anderer Kommandeur erzählte von einer Anweisung, eine ältere Palästinenserin zu erschießen, die in etwa 100 Meter Entfernung von einer israelischen Stellung auf der Straße ging. Er sprach dabei von "kaltblütigem Mord".

"Tod den Arabern"

Ein Truppführer erklärte, die Soldaten unter seinem Kommando empfänden "die Leben der Palästinenser als etwas sehr, sehr Unbedeutendes im Vergleich zum Leben ihrer Kameraden". Beim Stürmen von Häusern, in denen sich Zivilisten aufhielten, hätten Soldaten häufig wahllos und ohne Vorwarnung um sich geschossen. "Die Vorgesetzten sagten uns, dies sei in Ordnung, weil jeder, der dageblieben ist, ein Terrorist ist", erzählte einer der Soldaten. "Ich habe das nicht verstanden - wohin hätten sie denn fliehen sollen?" Andere Soldaten hätten ihm gesagt, man müsste alle töten, "weil jeder Mensch in Gaza ein Terrorist ist".

Die Geringschätzung der Palästinenser habe sich auch darin widergespiegelt, dass Soldaten "Tod den Arabern" an Wände geschrieben und auf Familienfotos gespuckt hätten, hieß es in einem weiteren Bericht.

Rabbiner für Menschenrechte: "Moralischer Tsunami"

Viele Soldaten hätten auch mutwillig den Besitz palästinensischer Familien zerstört, "weil es ihnen Spaß macht", sagte einer der Kommandeure. "Wir können sagen, sooft wir wollen, dass die israelische Armee moralisch überlegen ist, aber im Feld ist das einfach nicht so." Militärakademie-Direktor Danny Samir sagte über die Aussagen während der Versammlung: "Für uns war das ein totaler Schock." Die israelische Organisation "Rabbiner für Menschenrechte" nannte die Vorfälle einen "moralischen Tsunami" und rief zur nationalen Trauer und Buße auf.

Ehud Barak steht vor einer Gruppe sitzender israelischer Reservisten (Foto: AP)

Verteidigungsminister Edhud Barak steht vor - und hinter - seinen Truppen (Archivbild)

Die Augenzeugenberichte waren zuerst im Rundbrief der Militärakademie erschienen, die Medien hatten sie dann übernommen. Samir sagte im Rundfunk, die "sehr harten" Aussagen seien an den Generalstab übergeben worden. Ein Armeesprecher sagte, die Streitkräfte wollten prüfen, wie glaubwürdig die Aussagen seien, dann werde gegebenenfalls eine Untersuchung eingeleitet. Verteidigungsminister Ehud Barak verteidigte die israelischen Soldaten. Die israelische Armee sei die "moralischste der Welt", sagte Barak im Radio. Sicherlich könne es Ausnahmen geben, daher würden die Aussagen der Soldaten untersucht.

Fast 1000 Zivilisten getötet

Bei der am 18. Januar beendeten dreiwöchigen Militär-Offensive wurden nach Angaben der palästinensischen Menschenrechtsorganisation PCHR 1434 Palästinenser getötet und weitere 5303 verletzt. Unter den Todesopfern seien 960 Zivilisten, teilte die Organisation vor einer Woche zum Abschluss einer Untersuchung in Gaza mit.

Die israelische Regierung bestreitet diese Zahlen. Israel wollte mit dem Einsatz den Raketenbeschuss israelischer Ortschaften durch militante Palästinenser aus dem Gazastreifen unterbinden. Die Angriffe gehen jedoch weiter. (je/mas/dpa/afp/rtr)

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