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Aktuell Nahost

Israel will vorerst keine neue Waffenruhe

Israel geht nicht auf die von der Hamas angebotene neue Waffenruhe ein. Regierungschef Netanjahu warf der radikal-islamischen Palästinenserorganisation vor, die von ihr angekündigte Feuerpause selbst zu verletzen.

Von 13.00 Uhr MESZ an wollten die verschiedenen palästinensischen Fraktionen ihre Angriffe für 24 Stunden stoppen, hatte Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri in Gaza am Vormittag angekündigt. Er sagte, dazu sei man auf Bitten der Vereinten Nationen bereit. Eine Reaktion der israelischen Regierung ließ mehrere Stunden auf sich warten. Dann kündigte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu im Interview mit dem US-Nachrichtensender CNN eine Fortsetzung des Militäreinsatzes an. Israel werde "alles Notwendige" zur Verteidigung seiner Bevölkerung tun. Der Hamas warf er vor, sie verletzte die von ihr ausgerufene Feuerpause selbst. Die Hamas bestätigte Mörserangriffe noch kurz vor 15.00 Uhr.

Eine gestern ausgerufene Waffenruhe, die Israel zunächst einseitig verlängert hatte, wurde wegen des anhaltenden Raketenbeschusses aus dem Gazastreifen am frühen Morgen für beendet erklärt. Luftwaffe, Marine und Bodentruppen nahmen ihre Angriffe wieder auf.

Seit den frühen Morgenstunden seien neun Raketen abgefeuert worden, zwei davon habe die Raketenabwehr über den israelischen Küstenstädten Aschdod und Aschkelon abgefangen, teilte eine Armeesprecherin in Tel Aviv mit. Bereits in der Nacht hatten militante Palästinenser den Beschuss Israels mit Raketen fortgesetzt.

Das israelische Sicherheitskabinett hatte auf Bitten der Vereinten Nationen der Verlängerung einer Waffenruhe bis zu diesem Sonntag um Mitternacht Ortszeit (23 Uhr MESZ) zugestimmt. Die im Gazastreifen herrschende Hamas wollte aber ohne Abzug der israelischen Truppen zunächst keine Feuerpause akzeptieren.

Israel wirft der Hamas Planung eines verheerenden Anschlags vor

Die Zahl der Toten im Gazastreifen stieg bis Sonntag auf rund 1050, etwa 6000 Menschen wurden verletzt. Auf der israelischen Seite kamen 43 Soldaten und drei Zivilisten ums Leben. Die israelische Regierung und die Hamas hatten sich auf Drängen von US-Außenminister John Kerry und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon auf eine zwölfstündige Feuerpause am Samstag geeinigt, die dann noch einmal um vier Stunden verlängert wurde.

Die Menschen im Gazastreifen hatten die Waffenruhe dazu benutzt, ihre Vorräte an Lebensmitteln, Trinkwasser und Medikamenten aufzustocken. Zugleich wurde das ganze Ausmaß der Zerstörungen durch die israelischen Luftangriffe deutlich. Ganze Häuserreihen wurden durch Bombardements dem Erdboden gleichgemacht.

Israel wirft der Hamas die Planung eines verheerenden Anschlags auf israelische Zivilisten durch die Tunnel im Grenzgebiet vor. Geheimdienstminister Juval Steinitz bestätigte entsprechende israelische Medienberichte. Die Hamas soll demnach geplant haben, am jüdischen Neujahrsfest Rosch Haschana im September Hunderte bewaffneter Kämpfer durch mehrere Tunnel gleichzeitig auf israelisches Gebiet zu schicken. Sie sollten dort so viele Menschen wie möglich töten oder in den Gazastreifen verschleppen, hieß es. Die Informationen, die sich nicht unabhängig überprüfen ließen, basierten auf den Aussagen von Hamas-Mitgliedern, die die israelische Armee während der Offensive im Gazastreifen festgenommen habe. Seit Beginn der israelischen Militäroffensive im Gazastreifen hat die Armee mehrere Dutzend Tunnel gefunden und zerstört. Viele davon führten aus palästinensischen Wohnvierteln auf israelisches Gebiet.

pg/wl/kis (dpa, afp)