1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Aktuell Nahost

Israel treibt Bodenoffensive im Gazastreifen voran

Israels Militäreinsatz im Gazastreifen fordert immer mehr Opfer: Die Zahl der getöteten Palästinenser steigt auf über 300. Dennoch will die Armee die Offensive ausweiten. Nun schaltet sich UN-Generalsekretär Ban ein.

Auch die stetig steigenden Opferzahlen im Gazastreifen bringen die israelischen Streitkräfte nicht von ihrem strikten Einsatzplan ab. Die Armeeführung kündigte an, die Offensive gegen die palästinensischen Extremisten in dem dicht besiedelten Landstreifen noch zu verschärfen. Sie rief am Samstag rund 50.000 Bewohner der Flüchtlingslager Al-Bureidsch und Al-Maasi iauf, ihre Unterkünfte zu verlassen. Die Lager befinden sich im Zentrum des Palästinensergebietes am Mittelmeer. "Wir wollen die Operationen ausweiten und nach unseren Erfordernissen ausrichten", sagte Generalstabschef Benny Gantz bei einem Besuch des Streitkräfte-Kommandos in Beerscheva. Ein Hamas-Sprecher sagte dagegen, der Gazastreifen werde sich in einen "Friedhof für israelische Soldaten" verwandeln, sollten die Truppen weiter ins Innere des Küstenstreifens vordringen.

Nach jüngsten Angaben der palästinensischen Rettungsdienste sind seit Beginn der israelischen Luftangriffe am 8. Juli 316 Palästinenser getötet und gut 2280 verletzt worden. Seit dem Vorrücken israelischer Bodentruppen in den Gazastreifen in der Nacht zum Freitag kamen mindestens 70 Palästinenser zu Tode. Zwei Drittel der Opfer seien Zivilisten, hieß es.

Auf israelischer Seite wurden in der Nacht zum Samstag ein Offizier schwer und zwei Soldaten leicht verwundet, wie die Armee mitteilte. Der einzige israelische Soldat, der bisher getötet wurde, ist zu Beginn der Offensive Opfer eines irrtümlichen Beschusses aus den eigenen Reihen geworden. Das ergab eine Untersuchung durch das Militär. Am Samstag wurde bei einem palästinensischen Raketenangriff aus dem Gazastreifen ein israelischer Zivilist getötet. Vier Menschen erlitten in der südisraelischen Stadt Dimona Verletzungen.

135 Raketen abgefeuert

Seit Beginn der Bodenoffensive zerstörte das israelische Militär nach eigenen Angaben mehr als 20 Rampen zum Abschuss von Raketen und zehn Tunnelanlagen. Im Gegenzug setzten militante Palästinenser den Beschuss Israels mit Raketen fort: Sie feuerten 135 Raketen ab, die meisten wurden vom israelischen Abwehrschirm abgefangen.

Nach vielen Telefonaten schaltet sich UN-Generalsekretär Ban Ki Moon nun persönlich in die Konfliktlösung ein. Ban wolle sich vor Ort für eine Waffenruhe einsetzen, sagte sein Stellvertreter Jeffrey Feltman bei einer Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats in New York. Ban will an diesem Samstag in den Nahen Osten reisen.

Obama fordert Feuerpause

US-Präsident Barack Obama zeigte sich tief besorgt über die Gefahr einer weiteren Eskalation der Gewalt. Washington hoffe, dass Israel Zivilisten schone. Erneut plädierte Obama für eine Feuerpause. Zugleich stellte sich der US-Präsident demonstrativ hinter die Regierung in Jerusalem. In einem Telefonat mit Ministerpräsident Benjamin Netanjahu habe er seine "Unterstützung für Israels Recht, sich selbst zu verteidigen", betont, sagte Obama. Keine Nation müsse es hinnehmen, dass sie mit Raketen beschossen werde und Terroristen unter ihrem Territorium Tunnel bauten. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte, Israel habe ein Recht auf Selbstverteidigung.

Mit dem ersten massiven Vorstoß in das Palästinensergebiet seit 2009 will Israel die militärische Infrastruktur der radikal-islamischen Hamas und verbündeter Gruppen zerschlagen. Vorerst will das Militär offenbar eine Art Pufferzone am Rand des Gazastreifens schaffen, um den Mörserbeschuss israelischer Orte zu verhindern. Dazu zählen Tunnel, über die die Hamas Israel will, um dort Anschläge zu verüben oder Menschen zu entführen.

Am Samstag versuchte ein Kommando der Hamas-Milizen zum zweiten Mal binnen drei Tagen, durch einen solchen Tunnel auf israelischen Boden vorzudringen. Eine Streife des israelischen Militärs entdeckte jedoch den Trupp, bevor er eine nahe gelegene israelische Ortschaft attackieren konnte. Bei einem Gefecht wurde ein Angreifer getötet. Die anderen zogen sich durch den Tunnel nach Gaza zurück. Zwei israelische Soldaten erlitten Verletzungen.

Türkei wird aktiv

Inzwischen beantragte die Türkei ein Dringlichkeitstreffen des UN-Menschenrechtsrats und der Organisation für Islamische Zusammenarbeit. Außenminister Ahmet Davutoglu sagte: "Wir verurteilen die von Israel nach den inhumanen Morden durch Luftangriffe begonnene Bodenoperation in Gaza auf das Schärfste."

Im Gegenzug rät Israel nun seinen Bürgern von Reisen in die Türkei ab. Unnötige Besuche sollten vermieden werden, erklärte das Außenministerium in einem Reisehinweis. In der Türkei war es zu Ausschreitungen vor der israelischen Botschafterresidenz in Ankara und dem Konsulat in Istanbul gekommen. Die Demonstranten forderten ein Ende der israelischen Offensive im Gazastreifen. Am Freitag kündigte Israel an, Personal aus diplomatischen Vertretungen in der Türkei abzuziehen. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte Israel vorgeworfen, die Region zu terrorisieren und eine ultrarechte Parlamentsabgeordnete in der Knesset mit Adolf Hitler verglichen.

kle/ml (dpa, rtr, afp, ape)