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Politik

Israel setzt Kampf gegen Hisbollah fort

Während die Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah weiter andauern, versuchen verschiedene Parteien, eine Waffenruhe zu erreichen. Im Gespräch ist auch eine UN-Friedenstruppe an der israelisch-libanesischen Grenze.

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Israel plant offenbar an der Grenze zum Libanon wieder eine Sicherheitszone einzurichten

Ungeachtet der diplomatischen Bemühungen um eine Beilegung der Nahostkrise will Israel den Kampf gegen die schiitische Hisbollah-Miliz unerbittlich fortsetzen. Sein Land werde "die schärfsten Maßnahmen" gegen diejenigen ergreifen, die Raketen auf israelisches Territorium abfeuerten, sagte Olmert am Dienstag (25.7.) zum Auftakt eines Treffens mit US-Außenministerin Condoleezza Rice in Jerusalem. Rice bekräftigte die Auffassung der USA, dass vor einem Waffenstillstand gewisse Grundvoraussetzungen erfüllt sein müssten.

Nach Informationen des US-Nachrichtensenders CNN treten die USA für den Einsatz von mehr als 10.000 türkischen und ägyptischen Soldaten zur Befriedung des Libanons ein. Die Truppen sollten nach diesem US-Plan unter NATO- oder UN-Kommando stehen und nach einer Waffenruhe stationiert werden. In einer zweiten Phase solle das internationale Kontingent auf 30 000 Soldaten aufgestockt werden und der libanesischen Armee helfen, die Kontrolle im bisher von der Hisbollah-Miliz kontrollierten Südlibanon zurückzugewinnen.

Israel will wieder Sicherheitszone

Zum Schutz vor Angriffen der Hisbollah-Miliz will Israel nach den Worten von Verteidigungsminister Amir Perez zumindest vorübergehend wieder eine "Sicherheitszone" im Südlibanon errichten. Die Zone an der Grenze zu Israel sollte solange bestehen bleiben, bis entweder eine internationale Schutztruppe mit robustem Mandat in dem Gebiet stationiert oder die Hisbollah in einem Waffenstillstandsabkommen von der Grenzregion ferngehalten wird.

Condoleezza Rice trifft Ehud Olmert in Jerusalem

Condoleezza Rice trifft Ehud Olmert in Jerusalem

Olmert räumte ein, dass die Offensive im Libanon "humanitäre Schwierigkeiten" geschaffen habe. Israel werde mit den USA zusammenarbeiten, um einige dieser Probleme zu lösen. Unter den Kämpfen leide jedoch auch die israelische Zivilbevölkerung. So müssten 15 Prozent der Israelis zurzeit in Bunkern leben, um den Raketenangriffen der Hisbollah zu entgehen. Rice betonte abermals, dass ein Waffenstillstand nur möglich sei, wenn sich die Lage vor Ort grundsätzlich verändere. Nach israelischer Auffassung ist dazu vor allem eine Auflösung der Hisbollah notwendig. Präsident Abbas forderte, Israel müsse seine Angriffe in den Palästinensergebieten und im Libanon sofort stoppen. "Eine Waffenruhe muss erzielt werden, um diese katastrophale Situation zu beenden", betonte Abbas. Rice wird morgen zur Nahostkonferenz in Rom erwartet.


Zerschlagung der Infrastruktur

Israelische Bodentruppen umringten am Dienstagmorgen die libanesische Ortschaft Bint Dschbail rund zwei Kilometer jenseits der Grenze. Der Vormarsch wurde auch aus der Luft unterstützt, wie Oberstleutnant Izik Ronen im israelischen Armeerundfunk mitteilte. Ziel sei die Einnahme des Dorfes. Dieses gilt als Hochburg der Hisbollah. Den Kämpfen um die Ortschaft fielen mindestens zwei israelische Soldaten zum Opfer. In den Nachmittagsstunden wurden aus der libanesischen Hauptstadt Beirut mehrere heftige Detonationen gemeldet. Der Kommandeur der israelischen Truppen, Hemi Livni, betonte, die Bodenoffensive werde nicht über den Süden des Libanons hinausgehen. "Ich kenne keine Pläne, bis auf 70 Kilometer in den Libanon einzumarschieren", sagte er im Armeerundfunk. Es gehe lediglich darum, die Infrastruktur der Hisbollah im Grenzbereich zu zerschlagen.

Israelische Mädchen schreiben Botschaften auf 155mm Bomben für Hisbollah

Israelische Mädchen schreiben Botschaften auf Bomben für Hisbollah

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch warf Israel den Einsatz von Streumunition in bewohnten Gebieten im Südlibanon vor. So sei beim Angriff auf die Ortschaft Blida am 19. Juli Streumunition eingesetzt worden. Die israelische Armeeführung erklärte, der Einsatz von Waffen und Munition erfolge generell in Übereinstimmung mit dem Völkerrecht. Den konkreten Anschuldigungen werde nachgegangen. Zuvor hatte ein libanesischer Krankenhausarzt in Tyrus erklärt, Verwundungen von Patienten deuteten darauf hin, dass Israel Brandbomben mit Phosphor eingesetzt habe.

Peres: Habe den Eindruck, die UN ist sich ihrer Grenzen bewusst

UN-Generalsekretär Kofi Annan bemühte sich, Syrien und den Iran als wichtigste Verbündete der Hisbollah stärker in die Verhandlungen über einen Waffenstillstand einzubinden. Er telefonierte mit dem syrischen Präsidenten Baschar Assad und dem iranischen Außenminister Manutschehr Mottaki und sprach mit ihnen über die Kämpfe im Libanon. "Wir brauchen ihre Mitarbeit, und beide haben angedeutet, dass sie kooperieren wollen", sagte Annan. Der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe, Jan Egeland, traf in der Nacht zum Dienstag in Israel ein, um mit der Regierung über die Errichtung eines Korridors für Hilfslieferungen innerhalb des Libanons zu verhandeln. Nach seinem Besuch in Libanon hatte Egeland zuvor die Hisbollah für die hohe Zahl ziviler Opfer bei den israelischen Luftangriffen mitverantwortlich gemacht. Milizionäre müssten aufhören, "sich feige unter Frauen und Kinder zu mischen", forderte Egeland.

Wahlen in Israel

Schimon Peres: "Wir kämpfen nicht gegen die Libanesen."

Auch aus dem Gazastreifen wurden wieder Raketen auf israelisches Gebiet abgefeuert. Dabei wurde nach israelischen Angaben eine Person leicht verletzt. Die Raketen landeten in der Grenzstadt Ami Os. Der israelische Vize-Regierungschef Schimon Peres hat sich unterdessen skeptisch gegenüber Forderungen nach einer starken UN-Friedenstruppe an der libanesisch-israelischen Grenze gezeigt. "Wenn die internationalen Truppen in der Lage wären, die Schüsse auf Israel zu stoppen, dann hätten wir sicherlich nichts dagegen", sagte Peres am Dienstag der polnischen Tageszeitung "Dziennik". "Gleichwohl sehe ich eine solche Möglichkeit nicht. Ich habe den Eindruck, dass sich die UN ihrer Grenzen bewusst ist." Peres versicherte, dass Israel den Libanon oder Teile seines Nachbarlandes nicht besetzen wolle. "Wir kämpfen nicht gegen die Libanesen", sagte er. Die israelische Regierung verfolge das Ziel, dass die Hisbollah die Grenze zu Israel räume. Der Staat im Staate, den die Schiiten-Miliz im Libanon bilde, müsse beendet werden. (fb/stl)

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