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Aktuell Nahost

Israel erklärt kurze Waffenruhe für humanitäre Hilfe in Gaza

Nach vier Wochen Gaza-Krieg zieht Israel einen Teil seiner Bodentruppen schrittweise zurück. Am Morgen trat eine mehrstündige Waffenruhe in Kraft. Eine Übereinkunft mit den Hamas-Islamisten ist derzeit nicht geplant.

Israel setzt weiterhin vor allem auf seine eigene Stärke und sucht den Weg heraus aus dem Gaza-Krieg im Alleingang: Wichtige militärische Ziele sind erreicht, das Ende der Bodenoffensive zeichnet sich ab und durch eine einseitig erklärte siebenstündige Feuerpause soll das Elend der Palästinenser gemildert werden. Um 10 Uhr Ortszeit (9 Uhr MESZ) trat die Waffenruhe in großen Teilen des Gazastreifens in Kraft.

Davon ausgenommen seien Gebiete, in denen die Armee noch immer gegen Extremisten vorgehe, heißt es in einer Erklärung der Streitkräfte. Nach israelischen Medienberichten bezieht sich diese Einschränkung insbesondere auf den Raum Rafah an der südlichen Grenze. Jeder Verstoß gegen die Waffenruhe werde sofortige Konsequenzen haben, drohte Generalmajor Joav Mordechai. Noch kurz nach Beginn der verkündeten Kampfpause schlugen Geschosse in zwei palästinensischen Flüchtlingslagern ein.

Während der Feuerpause sollen humanitäre Hilfsgüter in das Gebiet am Mittelmeer transportiert werden. Außerdem könnten geflüchtete Palästinenser wieder in ihre Häuser zurückkehren, hieß es in der Zeitung "Jerusalem Post". Helfer sollen die Möglichkeit bekommen, Verletzte und Leichen zu bergen.

Erschöpfte israelische Soldaten an einem Grenzübergang zum Gazastreifen (foto: reuters)

Erschöpfte israelische Soldaten an einem Grenzübergang zum Gazastreifen

Große Truppenteile seien bereits aus dem Palästinensergebiet abgezogen worden, berichteten israelische Medien. Sie hätten Stellungen in grenznahen Aufmarschräumen bezogen. Möglicherweise soll dort ein Sicherheitspuffer errichtet werden. Israelische Truppen waren am Sonntag noch im Einsatz gewesen, um Tunnel der radikalislamischen Hamas zu zerstören, mit deren Hilfe israelische Ortschaften überfallen werden können. Bei israelischen Luftangriffen wurde ein ranghoher Kommandeur der Palästinenserfraktion "Islamischer Dschihad" getötet.

Einseitige Exit-Strategie

Mehrere führende Politiker Israels ließen durchblicken, dass sie an keiner formellen Waffenstillstandsvereinbarung mit der im Gazastreifen herrschenden Hamas interessiert seien. Feindselige Akte der Militanten könnten auch künftig jederzeit mit Luftangriffen beantwortet werden, hieß es. Israel sah auch davon ab, eine Delegation zu Verhandlungen nach Kairo zu schicken. Das Sicherheitskabinett beschloss eine "Politik des leeren Stuhls".

"Die Hamas kann erst einmal warten", erklärte auch Justizministerin Zipi Livni, die sonst als gemäßigt gilt. Es hieß in Jerusalem, das Fenster für Vereinbarungen über eine Feuerpause sei zunächst geschlossen. Vorrangiges Ziel sei eine "Demilitarisierung" des Gazastreifens und eine Kontrolle der Einfuhren. Dazu brauche man keine Abkommen mit den Islamisten, darüber könne man mit Ägypten und der internationalen Gemeinschaft eine Einigung erreichen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte: "Natürlich ziehe ich eine diplomatische Lösung vor. Aber wenn wir keine ander Wahl haben, nutzen wir alle anderen Möglichkeiten".

SC/det (APE, dpa, afp)