1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Island - Feuer, Eis und Gleichberechtigung

Frauen an die Macht - aber wie? Um darüber zu sprechen, sind 250 Politikerinnen aus aller Welt nach Island gereist. Der Inselstaat gilt in dieser Hinsicht als vorbildlich.

Eine dünne Eis- und Schneeschicht liegt auf den kargen Böden rund um den Flughafen Kevlavik. In der Ferne leuchten schneebedeckte Berge. Es ist nicht gerade die Hauptsaison für einen Besuch in der isländischen Hauptstadt Reykjavík. Doch die Frauen, die an diesem kalten Dienstag auf dem internationalen Flughafen anreisen, kommen wegen der Politik und nicht wegen der Naturschönheiten.

1980 wurde hier Vigdís Finnbogadóttir zur Präsidentin gewählt. Sie war das erste demokratisch gewählte weibliche Staatsoberhaupt der Welt.

Island Vigdis Finnbogadottir (picture alliance/dpa/A. Brink)

Die frühere Präsidentin Islands, Vigdís Finnbogadóttir

"Der Schlüssel zur Gleichberechtigung von Frauen ist Bildung", erzählt sie im Gespräch mit der Deutschen Welle. Vigdís Finnbogadóttir wundert sich noch heute, warum sie damals so lange zögerte, ehe sie sich entschloss, politische Verantwortung zu übernehmen.

Den Weg in die Politik empfiehlt sie heute jungen Frauen. Nur dann könnten sie auch die Themen durchsetzen, die ihnen wichtig seien. Heute steht das Thema Gleichberechtigung in Island sogar auf dem Lehrplan der Schulen. Im isländischen Parlament sitzen 47 Prozent Frauen.

Politische Agenda mitbestimmen

Finnbogadóttir ist heute 87 Jahre alt und noch immer in Gremien aktiv. In diesen Tagen ist sie eine der Gastgeberinnen des Jahrestreffens des Women Political Leaders Forum (WPL) in Reykjavík. WPL ist ein weltweites Netzwerk von Politikerinnen, die Zahl und den Einfluss von Frauen in politischen Führungspositionen zu erhöhen.

"Frauen besetzen weniger als zehn Prozent der politischen Top-Positionen", sagt Silvana Koch-Mehrin, Präsidentin des WPL, bei der Eröffnungsveranstaltung und ergänzt leicht gequält: "Wir sind eine seltene Art."

Politikerinnen und Unternehmerinnen

In Reykjavík zeigt sich, das Politikerinnen heute gezielt Netzwerke pflegen, um die politische Agenda mitzubestimmen. Da ist die irische Senatorin Alice-Mary Higgins, die sich in ihrem Heimatland für eine diskriminierungsfreie Steuerpolitik einsetzt, oder Paloma Noceda Chiang, Abgeordnete im peruanischen Parlament. Ihr Thema ist die Sportpolitik. Beide kommen sofort ins Gespräch. Visitenkarten werden ausgetauscht und Kontakte vermittelt.

Helen Clark UNDP (Getty Images/AFP/I. Sanogo)

Helen Clark leitete bis zum Frühjahr 2017 das UNDP

Rund 250 Politikerinnen sind nach Reykjavík gekommen, einige sind auch erfolgreiche Unternehmerinnen. Diskutiert wird über die Digitalisierung ebenso wie über Chancen, die sich für Unternehmerinnen in Schwellenländern ergeben.

Afrikanerinnen wie Zipporah J. Kittony, Abgeordnete aus Kenia, erzählen von ihren Erfahrungen im Kampf gegen die Korruption und von einem Politikbetrieb, der Frauen bisher wenig wahrnimmt.

Lean in!

Helen Clark war knapp neun Jahre Ministerpräsidentin Neuseelands, anschließend leitete sie von 2009 bis 2017 das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen. Sie hat gelernt, dass Klagen allein nicht viel hilft.

Auf dem WPL Kongress versucht sie Frauen Mut zu machen. "Lean in", ruft sie, "übernehmt Verantwortung" - ein Appell, der sich vor allem an junge Frauen richtet.

Island Reykjavik, - Islands Präsident Gudni Johannesson begrüßt Manuela Kasper-Claridge (DW / M. Kasper-Claridge)

Islands Präsident Gudni Johannesson begrüßt die Autorin

In Island, dem Land nah des nördlichen Polarkreises, ist man da schon viel weiter. Island wurde vom Weltwirtschaftsforum in Davos zur weltweiten Nummer Eins beim Thema "Gender Equality", der Gleichstellung von Männern und Frauen, gewählt. "Darauf sind die Isländer stolz", sagt ihr Präsident, Guðni Jóhannesson.

Für die Politikerinnen öffnet er sogar seine Residenz und beim Abendempfang lässt er es sich nicht nehmen, jede Frau persönlich zu begrüßen. Draußen weht ein eiskalter Wind aber davon spüren die Politikerinnen an diesem Abend nichts.