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Aktuell Nahost

ISIS: Hunderte Soldaten im Irak hingerichtet

ISIS-Extremisten verbreiten Bilder von Gräueltaten, in Bagdad starben mehrere Menschen bei einem Selbstmordanschlag und nun mischen offenbar auch Anhänger von Ex-Präsident Saddam Hussein im Irak-Konflikt mit.

Wieder einmal hat ein Terroranschlag die irakische Hauptstadt erschüttert. Nach Angaben von Polizisten und Ärzten zündete ein Selbstmordattentäter in der Nähe des Tahrir-Platzes im Zentrum von Bagdad eine Sprengstoffweste. Mindestens neun Menschen starben, mindestens 20 weitere seien verletzt worden, hieß es. Die irakische Nachrichtenseite "Al-Sumaria News" schreibt unter Berufung auf Polizeikräfte, dass der Anschlag einem sunnitischen Schrein galt.

Bagdad als Ziel

Im Irak ist die sunnitische Terrorgruppe "Islamischer Staat im Irak und Syrien" (ISIS) seit einer Woche auf dem Vormarsch. Die Extremisten eroberten in den vergangenen Tagen eine Provinz und Teile von drei weiteren Provinzen im Norden des Irak, unter anderem brachten sie die nördliche Millionenmetropole Mossul unter ihre Kontrolle. Aus verschiedenen Richtungen wollen ISIS-Kämpfer Bagdad umzingeln und in die Hauptstadt vordringen.

Kampf mit Schreckensbildern

Bei ihrem Vorrücken haben die ISIS-Kämpfer nach eigenen Angaben hunderte irakische Soldaten exekutiert. Mit Videos und Fotos von Auspeitschungen und grausamen Hinrichtungen führen die Islamisten ihren Kampf auch im Internet. Auf Twitter und YouTube verbreiteten sie Bilder, die dutzende Leichen zeigen. Die Echtheit der Bilder konnte nicht überprüft werden. Am Samstag hatten irakische Sicherheitskräfte bei der Rückeroberung der Stadt Ischaki nördlich von Bagdad die verkohlten Leichen von zwölf Polizisten entdeckt, die offenbar von ISIS-Kämpfern getötet worden waren.

Auch Saddam-Getreue mischen mit

Die Terrorgruppe erhält mittlerweile offenbar Unterstützung von Anhängern des ehemaligen irakischen Präsidenten Saddam Hussein. Wie der britische Nachrichtensender BBC berichtet, waren diese bei der Eroberung von Mossul dabei. Vor allem Kämpfer der Nakschbandi-Miliz, die aus der Baath-Partei des irakischen Ex-Machthabers hervorging, sollen an der Offensive beteiligt gewesen sein. Eigentlich steht die Miliz in Konkurrenz zur ISIS. Nach Angaben von Terrorismusexperten scheinen die beiden sunnitischen Gruppen im aktuellen Konflikt aber gemeinsame Sache zu machen.

Auch andere Gruppen wie die kurdisch-islamistische Ansar al-Islam (Die Unterstützer des Islam) und die irakisch-nationalistische Dschaisch al-Mudschahedin (Armee der heiligen Krieger) sind im Kampf um den Irak vertreten. Beide rivalisieren vor allem in der westirakischen Provinz Anbar mit den ISIS-Kämpfern.

Irak vermeldet 280 getötete ISIS-Kämpfer

Die irakische Armee hatte der Offensive der Islamisten bislang nur wenig entgegengesetzt. Offenbar bereiten die Truppen nun die Rückeroberung von Mossul vor und rückten durch Stellungen der ISIS nach eigenen Angaben näher an die Millionenstadt vor.

Karte ISIS im Irak und Syrien

Das Ziel der ISIS: ein sunnitischer Gottesstaat vom Mittelmeer bis zum Persischen Golf (Grafik: dw)

Nach eigenen Angaben eroberten sie drei Städte nördlich von Bagdad zurück. Binnen 24 Stunden seien fast 280 Aufständische getötet worden, sagte ein Sprecher von Ministerpräsident Nuri al-Maliki. Nach einem Aufruf von Großayatollah Ali al-Sistani, dem geistlichen Oberhaupt der irakischen Schiiten, meldeten sich zudem Tausende Freiwillige für den Kampf gegen die sunnitischen ISIS-Kämpfer. Diese griffen offenbar ein Rekrutierungszentrum bei Bakuba an und töteten dabei am Sonntag nach Polizeiangaben sechs Menschen.

Hunderttausende Iraker sind auf der Flucht

Ziel der ISIS-Terroristen ist ein sunnitischer Gottesstaat vom östlichen Mittelmeer bis zum Persischen Golf. Anhänger der schiitischen Glaubensrichtung sehen sie als "Abweichler" von der wahren Lehre des Islams an. Im Irak fühlen sich viele Sunniten seit Jahren von der schiitisch dominierten Regierung in Bagdad diskriminiert.

Iraker halten eine Flagge und Geweher in die Luft (Foto: rtr)

Tausende Iraker meldeten sich als Freiwillige im Kampf gegen die ISIS-Extremisten

Aus Sorge vor den Kämpfen sind mittlerweile Hunderttausende Iraker auf der Flucht. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden bei Kämpfen in den vergangenen Tagen mehrere Hundert Zivilisten getötet und etwa 1000 verletzt. Der massive Vormarsch der ISIS im Irak löste international Entsetzen und Besorgnis aus. Experten warnen vor einem Kollaps des Iraks - mit Erschütterungen weit über die Krisenregion hinaus.

cw/sti (dpa, afp, rtr)