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Nahost

IS-Opfer Muas al-Kasasba

Am 24.12. stürzte er über Al-Rakka ab und wurde zur Geisel: Muas al-Kasasba, ein gläubiger Muslim aus Südjordanien, ein junger Mann mit vielen Geschwistern. Am 3. Februar wurde er von IS-Dschihadisten grausam ermordet.

Die Terrormiliz Islamischer (IS) Staat hat den als Geisel genommenen jordanischen Piloten Muas al-Kasasba bei lebendigem Leib verbrannt. Das zeigen Bilder aus einem Video, die am Dienstag auf dschihadistischen Internetseiten veröffentlicht wurden. Die jordanische Regierung hat die Ermordung durch den IS bestätigt und die Familie informiert.

Der IS hatte Jordanien schon lange damit gedroht , den Piloten zu töten, sollte nicht die irakische Dschihadistin Sadschida al-Rishawi im Tausch gegen die japanische IS-Geisel Kenji Goto freikommen. Amman versprach, dem Wunsch nachzukommen, forderte dafür aber auch die Freilassung ihres Piloten. In der jordanischen Presse wurde Rishawi ein "Niemand" genannt. Wenn für sie der Pilot freikomme, habe die Familie nichts dagegen, sie auf freien Fuß zu setzen, selbst wenn sie danach wieder zur Terroristin werden sollte. Das schienen viele Jordanier ähnlich zu sehen. Ihnen war das Leben von Kasasba wichtiger als eine harte Linie gegenüber dem IS. Nach der Ermordung des Piloten hat die jordanische Regierung nun reagiert: Sie ließ die irakische Dschihadistin sowie ein Al-Kaida-Mitglied exekutieren, wie ein Sprecher der Regierung in Amman mitteilte.

Muas al-Kasasba flog im Rahmen der Anti-IS-Koalition, angeführt von den USA, einen Luftangriff gegen die Stellungen des sogenannten Islamischen Staates in Syrien. Sein Jet bekam plötzlich Schwierigkeiten. Mit Schleudersitz und Fallschirm rettete sich der 26-Jährige. Er überlebte den Absturz - fiel kurz darauf allerdings Kämpfern des IS in die Hände.

Solidarität kam auch vom König

In seiner Heimatstadt Karak, im Süden Jordaniens, zogen Freunde und Familienangehörige vor sein Elternhaus. Sie alle hielten ein Foto vom ihm in der Hand, zündeten Kerzen an. Die Solidarität war seit Beginn des Geiseldramas groß. König Abdallah von Jordanien hatte die Familie des jungen Mannes besucht und sie zu sich eingeladen. Die Führungsriege und auch der Geheimdienst tolerierten sogar Demonstrationen vor dem Königspalast, bei denen die Menschen den König für seine Beteiligung an der Anti-IS-Koalition beschimpften und verunglimpften. Zu anderen Anlässen wäre das im Haschemitischen Königreich undenkbar.

Jordanischer Pilot Muas al-Kasasba (Foto: dpa)

Muas al-Kasasba

Viel war über Muas al-Kasasba nicht bekannt. Er ist eines von acht Kindern. Private Bilder zeigten den jungen Mann meist in seiner Uniform, akkurat rasiert mit einem eher strengen Blick. Nach Angaben der Tageszeitung Jordan Times trug er den Rang eines Leutnants. Seinen Abschluss soll er am King Hussein Air College gemacht haben. Sein Vater, Safi al-Kasasba, beschrieb seinen Sohn als "bescheiden und religiös". Er habe den Koran zitieren können und habe nie jemandem etwas Böses angetan. "Seine Familie gehört einem einflussreichen Stamm an und die haben in den vergangenen Wochen stark mobilisiert", sagt Anja Wehler-Schöck, Leiterin der Friedrich-Ebert-Stiftung in Amman. Die Familie von Muas al-Kasasba gehört zum Bararsheh-Stamm aus Süd-Jordanien. Als die Krise begann, sind die Ältesten und Weisen des Stammes gleich nach Amman gefahren, um dem König und der Regierung klar zu machen, dass sie hinter der Familie des Oberstleunant stehen. Das alles war vergeblich. Denn auch Kasasba wurde jetzt ein Opfer der Terrororganisation IS. Das jordanische Staatsfernsehen geht sogar davon aus, dass er bereits vor einem Monat getötet wurde.

Hoffnung schwand

Dabei hatte die Regierung immer wieder beteuert, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um Kasasba zu retten. Das Land ist nach wie vor von Stammesstrukturen geprägt und die Loyalität innerhalb der Stammesverbündeten ist dadurch sehr stark. Die Monarchie hat nicht nur gute Beziehungen zu den Stämmen gepflegt, sie hat die Mitglieder der einflussreichen Stämme auch in die staatlichen Strukturen des Landes integriert - besonders beim Militär und den Sicherheitsdiensten. Ein Erbe der jordanischen Vergangenheit: Die Jordanier, die aus den Gebieten östlich des Jordan kommen, gehören einem der Dutzend kleineren und größeren Stämme an. Innerhalb des Königshauses und der Regierung werden die Jordanier, die einem Stamm angehören, als unzweifelhaft treu angesehen. "Man hat durch seine Stammeszugehörigkeit ein ganz anderes Gewicht gegenüber dem Regime", sagt die Jordanien-Expertin Wehler-Schöck. Die Eltern des ermordeten Piloten hatten gehofft, ihren Sohn durch ihre Verbindung zur Elite des Landes retten zu können.

Seit der Ermordung von japanischen IS-Geisel Kenji Goto schwand innerhalb der Bevölkerung bereits die Hoffnung, den jungen Mann lebend wieder zu sehen. Der jordanische Islamismus-Forscher Hassan Abu Hanyieh geht davon aus, dass der IS einen psychologischen Krieg gegen Jordanien führen wollte. Wochenlang lieferte die Terrororganisation keinen Beweis dafür, dass der Pilot noch lebt, um, wie Hanyieh sagt, Zwietracht innerhalb der jordanischen Gesellschaft zu sähen und die Einheit zu gefährden. Denn seit Muas al-Kasasba in der Hand des IS war, forderten immer mehr Menschen die Regierung auf, die Koaltion mit dem Anti-IS-Bündnis aufzukündigen. Die Rufe derer, die sich das wünschen, werden jetzt wahrscheinlich lauter.

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