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Asien

Irans Griff nach Atomwaffen

Seit Jahren erweitert der Iran sein Know-how in der Nukleartechnik. Teheran beteuert, sein Atomprogramm sei rein zivil ausgerichtet. Experten vermuten jedoch militärische Absichten dahinter.

Irans Präsident Mahmud (Foto: AP)

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad treibt unbeirrt das Atomprogramm nach vorne

Die Internationale Atomenergieorganisation (IAEO) ist sich sicher, dass der Iran bis 2010 an Atomwaffen gearbeitet hat. Bereits am 08.11.2011 veröffentlichte die Wiener UN-Agentur einen Bericht, indem sie deutliche Indizien für diese Schlussfolgerung auflistete.

Allerdings stellt der Bau einer funktionierenden Atomwaffe nebst eines zuverlässigen Trägersystems beträchtliche technologische Herausforderungen an das Land. Ein bestehendes ziviles Atomprogramm kann allerdings dabei helfen, ein militärisches aufzubauen.

Iranisches Atomprogramm über 50 Jahre alt

Schon 1959 begann Iran sein ziviles Nuklearprogramm mit einem ersten Forschungsreaktor. Mitte der 1970er Jahre setzte sich Teheran dann das Ziel, in Partnerschaft mit Frankreich zwei Atomkraftwerke zur Energiegewinnung zu bauen. Mit Ausbruch der Islamischen Revolution 1979 kam das Programm jedoch zum erliegen. Erst 1992 konnte die Iranische Führung es mit russischer Unterstützung wieder aufnehmen. Moskau und Teheran unterzeichneten ein bilaterales Abkommen zur friedlichen Nutzung der Atomenergie.

Iran wollte sich aber von ausländischer Hilfe unabhängig machen. Deshalb verabschiedete die iranische Organisation für Atomenergie (AEOI) seit 1992 mehrere Fünf-Jahres-Pläne mit dem Ziel, die eingene Forschung in Physik und Ingenieurwissenschaften voranzubringen, um möglichst alle Verfahrensschritte selbstständig zu beherrschen.

Angereichertes Uran für Kraftwerke und Atomwaffen

Wie weit der Iran dabei gekommen ist, lässt sich nicht eindeutig feststellen. Sicher ist, dass der Iran den Abbau von Uran, das in ausreichenden Mengen im eigenen Land vorhanden ist, selbst bewerkstelligen kann.

Das abgebaute Uran muss, um in Atomreaktoren verwendet werden zu können, angereichert werden. Bei der Anreicherung wird es in speziellen Gaszentrifugen so konzentriert, dass es leichter spaltbar wird. Für die Kernspaltung in Atomkraftwerken reicht eine Anreicherung auf drei Prozent aus. Für Atomwaffen ist eine Anreicherung auf 85 Prozent notwendig.

Die Herstellung der Hightech-Zentrifugen ist technisch anspruchsvoll. Da der Iran nicht über alle erforderlichen Voraussetzungen dazu verfügt, ist er beim Bau auf den Import angewiesen.

Allerdings unterliegt der Handel mit so genannten Gütern "mit doppeltem Verwendungszweck", die sowohl für zivile als auch für militärische Zwecke eingesetzt werden können, internationalen Beschränkungen. Deshalb hat sich Teheran ein weitverzweigtes Handelsnetz geschaffen, dessen Ziel es ist, die Herkunftswege zu verschleiern und UN-Sanktionen zu umgehen.

(Foto: picture-alliance/dpa-infografik)

So hat der Iran es nach Angaben der IAEO geschafft, sich genügend Zentrifugen zuzulegen, um Uran anzureichern. Auch atomwaffenfähiges Uran könne das Land im Prinzip herstellen, so der IAEO-Bericht. Allerdings geht die IAEO davon aus, dass der Iran bisher nur bis zu 20 Prozent angereichertes Uran herstellen kann. Iranische Behörden brüsten sich jedoch, auch noch höher anreichern zu können. Allerdings ist der Iran dazu erst seit kurzem fähig. Bis vor einigen Jahren hat Teheran angereicherte Brennstäbe noch aus Argentinien importiert.

Alleine hoch angereichertes Uran reicht allerdings noch nicht aus, um auch eine Atombombe zu bauen. Um einen zündfähigen Atomsprengkopf herzustellen, müssen die Forscher zunächst in der Lage sein, das reine Metall in eine bestimmte Form zu bringen, und durch einen gezielten Impuls eine Kettenreaktion in Gang zu setzen. Inwieweit der Iran diese Techniken beherrscht, ist unbekannt.

Zünder und Rakete einsatzbereit

Iranische Rakete (Foto: dpa)

Die iranische "Shahab 3" hat eine Reichweite von 2000 Kilometern

Bekannt ist allerdings, dass der Iran den Zünder für eine Atomwaffe durchaus selbst bauen kann. Die Techniken dafür ähneln denen konventioneller Waffen. Zudem ist der IAEO bekannt, dass iranische Wissenschaftler an umfangreichen Modellrechnungen und Experimenten arbeiten, die die Eigenschaften eines Sprengkopfs simulieren. Wissenschaftliche Veröffentlichungen von den Universitäten Shahid Behesti und Amir Kabir beweisen, dass sich dortige Kernphysiker mit derartigen Fragen beschäftigt haben.

Auch ein Trägersystem für Nuklearwaffen hat Iran bereits. Die "Shahab 3" Mittelstreckenrakete, eine iranische Variante der nordkoreanischen "Nodong-1", kann bis zu 2000 Kilometern weit fliegen und könnte vom Iran aus so auch Ziele in Israel angreifen.

Autor: Rodion Ebbighausen
Redaktion: Fabian Schmidt

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