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Welt

Iran, Al-Kaida und die Kanada-Verbindung

In Kanada werden zwei Männer verdächtigt, einen Anschlag auf einen Zug geplant zu haben. Angeblich wurden sie von Al-Kaida-Zellen aus dem Iran unterstützt. Doch das Terrornetzwerk und Teheran sind historisch verfeindet.

Kanadische Sicherheitskräfte bezeichnen den mutmaßlich geplanten Anschlag als den "ersten bekannten" Al-Kaida Terrorplan auf kanadischem Boden. Raed Jaser und Chiheb Esseghaier bestreiten hingegen Vorwürfe, sie hätten einen Fernverkehrszug in der Nähe von Toronto entgleisen lassen wollen.

Die Festnahme basiere lediglich auf Mutmaßungen, so der 30-jährige Esseghaier in einer Anhörung vor Gericht in Montreal. Auch der fünf Jahre ältere Raed Jaser bestreite die Vorwürfe und werde sich dagegen wehren, erklärte sein Anwalt John Norris in Toronto.

Iran dementiert Verbindung

Kanadische Sicherheitsbehörden werfen den beiden Männern vor, Unterstützung von Terrorzellen des Al-Kaida-Netzwerkes im Iran zu erhalten. Obwohl es dafür offenbar keinerlei Beleg gibt, reagierte Teheran sofort mit einem Dementi.

"Die iranische Position gegenüber Al-Kaida ist sehr deutlich und wohlbekannt", erklärte der Sprecher der iranischen Delegation bei den Vereinten Nationen, Alireza Miryousefi, in einer E-Mail gegenüber der Nachrichtenagentur Associated Press. "Al-Kaida hat keine Möglichkeit, Aktivitäten innerhalb des Iran zu tätigen, oder Operationen im Ausland von iranischem Gebiet aus zu führen."

Verbindungen der schiitischen Republik Iran zu sunnitischen Al-Kaida-Extemisten hat es wohl gegeben, nie aber eine Allianz - zu groß sind die ideologischen Differenzen.

Ein Via-Rail-Zug verlässt einen Bahnhof (Foto: REUTERS/Mark Blinch/Files)

Der vereitelte Anschlagsversuch richtete sich gegen Personenzüge

"Objektiv gesehen verachten die beiden einander", meint Barbara Slavin. Al-Kaida erkenne den Iran in gewisser Weise nicht einmal als muslimisches Land an, und die Schia nicht als Islam, erklärt die leitende Wissenschaftlerin des Atlantic Council in Washington im Gespräch mit der Deutschen Welle. Daher lehnten fanatische Al-Kaida-Mitglieder und ähnliche Gruppen Schiiten ab, fügt die Autorin hinzu.

Finanzielle Verbindungen?

Der kanadische Anschlagsplan ist nicht das erste Verdachtsmoment für Aktivitäten von Al-Kaida-Zellen aus dem Iran. Im Juli 2011 beschuldigte das US-Finanzministerium den Iran der Zusammenarbeit mit Al-Kaida. Der Vorwurf: Teheran helfe dem Terrornetzwerk dabei, Gelder vom Persischen Golf über iranisches Gebiet nach Afghanistan und Pakistan zu schleusen. Laut New York Times habe das Ministerium sechs Personen bestraft, die angeblich Teil des illegalen Netzwerkes waren.

"Dieses Netzwerk dient Al-Kaida als Hauptweg um Gelder und Menschen vom Nahen Osten bis nach Südasien zu schleusen - auch zu Atiyah Abd al-Rahman, einem wichtigen Al-Kaida-Führer in Pakistan", erläuterte das US-Finanzministerium damals in einer Presseerklärung.

Feindliche Beziehung

Nach der Auswertung von Dokumenten aus Osama bin Ladens Unterschlupf im pakistanischen Abbottabad kam das Combating Terrorism Center (CTC) in West Point in einem Bericht im Mai 2012 über die Verbindung zwischen Al-Kaida und dem Iran zu einem ganz anderen Schluss: Die Beziehung sei "kein Bündnis, sondern eine Verbindung indirekter, unangenehmer Verhandlungen über die Freilassung inhaftierter Dschihadisten und ihrer Familien, einschließlich Mitglieder der Familie Bin Ladens."

Nach dem Einmarsch der USA 2001 in Afghanistan flohen viele dieser Dschihadisten sowie Mitglieder des Bin Laden-Clans und wurden in Teheran inhaftiert, meint Slavin. Nach der US-Invasion im Irak 2003 bot die Islamische Republik sogar an, inhaftierte Al-Kaida-Mitglieder gegen Anführer der Volksmudschahedin (MEK), einer militanten iranischen Oppositionsbewegung im Irak, auszutauschen.

"Die USA hat das in Erwägung gezogen, aber die Regierung Bush entschied sich in ihrer grenzenlosen Dummheit dagegen, weil Teile der Regierung lieber irgendwann einmal MEK-Mitglieder gegen den Iran einsetzen wollten", erklärt Slavin. "Es können eben auch zwei das Spiel spielen, Verbindungen zu Terroristen zu kultivieren und sie im eigenen Interesse einzusetzen."

Interessenskonflikte

Kanadische Polizei führt Chiheb Esseghaier aus einemFlugzeug (Foto: REUTERS/CTV News/Handout)

Kanadische Polizisten führen Chiheb Esseghaier ab

Der schiitische Staat Iran und die sunnitische Al-Kaida geraten vor allem wegen ihrer unterschiedlichen Interessen aneinander. Während der syrische Diktator Baschar Al-Assad der engste Verbündete Irans im Mittleren Osten ist, kämpft die islamistische Al-Nusra-Front, die der Al-Kaida nahesteht, für den Sturz des Diktators. Teheran unterstützt den irakischen Regierungschef Nuri al-Maliki, während Al-Kaida versucht, dessen Regierung zu destabilisieren.

Eine Kooperation des Irans mit Al-Kaida oder die Unterstützung für einen Anschlag wie in Kanada sei "nicht im Einklang damit, wie sich der Iran verhält", meint Bernd Kaussler, Iran-Experte an der James-Madison-Universität in Virginia.

Historisch gesehen ist Teheran der erklärte Feind der Taliban im benachbarten Afghanistan. Im Kampf für die Rechte der sunnitischen Bevölkerung in Irans Provinzen Sistan und Belutschistan greifen militante Kräfte regelmäßig den Iran an.

"Iran hat mit den Taliban, die mit Al-Kaida verbündet sind, fast einen Krieg angefangen - und zwar bevor die NATO 2001 in Afghanistan einmarschierte", erklärt Kaussler. "Der Iran und Al-Kaida haben also nichts füreinander übrig."

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